Geschichten über Kalbe Milde
 

 


 

 

Johann Friedrich Danneil
 

Johann Friedrich Danneil gehört neben Johann Joachim Winkelmann zu den bedeutendsten Männer der Altmark. Beide haben Großes geleistet, Danneil für seine altmärkische Heimat, Winkelmann für die Welt. Danneil wurde am 18. März 1783 in Kalbe(Milde) geboren, wo seine Vorfahren seit dem 30 jährigen Kriege ansässig waren. Seit Generationen betrieben sie eine kleine Landwirtschaft mit Viehzucht, Imkerei und dem damals in dieser Gegend üblichen Hopfenanbau und da dies für den Unterhalt nicht ausreichte, außerdem Leineweberei. Danneils Vater (er schrieb sich Dannehl) erlernte das Glaserhandwerk, konnte es jedoch zunächst nicht ausüben, da der noch nicht Zwanzigjährige nach dem Tode seines Vaters das stark verschuldete elterliche Anwesen übernehmen musste. Trotz allen Fleißes gelang es ihm und seiner jungen Frau nicht, die erdrückende Schuldenlast zu tilgen. So sah er sich schließlich gezwungen, 1785 den bescheidenen Besitz in Kalbe aufzugeben und nach Salzwedel überzusiedeln, wo er sich als Glaser bessere Zeiten für sich und seine Familie erhoffte.

Hier verlebte Danneil auch seine Kindheit und Jugendzeit, die überschattet waren von Krankheit und von Angst vor dem strengen Vater. Bei den geringsten Anlässen gab es Tadel und Strafen. Mit acht Jahren trat Danneil in das Salzwedeler Gymnasium ein, dessen Lehrbetrieb in den unteren Klassen (Quinta, Quarta, Tertia) sehr reformbedürftig war. Die Lehrer - sie waren gleichzeitig Kirchendiener, Kantoren oder Organisten - wurden schlecht bezahlt. Sie waren fast durchweg am Unterricht desinteressiert oder unfähig zum Lehrberuf, kannten keine Lehrmethode und hielten die Disziplin nur notdürftig mit dem Stock aufrecht. Das Arbeitspensum einer ganzen Woche bestand aus einer Anzahl Vokabeln, einigen Sprüchen und Gesangbuchversen sowie einer kleinen Übungsarbeit. Der Lehrplan, der dem Unterricht zugrunde gelegt wurde, war ein halbes Jahrhundert alt.

Der mangelhafte Sozialkontakt mit dem Vater und den Lehrern hatte zur Folge, dass es Danneil in diesen Jahren an Selbstvertrauen fehlte.

Mit geringen Kenntnissen wurde Danneil in die Oberstufe (Sekunda, Prima) der Schule versetzt. Hier fand er verständnisvolle , tüchtige Lehrer, und zum erstenmal in seinem Leben wurden ihm Lob und Anerkennung zuteil. Das wirkte sich günstig auf seine Leistungen aus, und so konnte er mit einem sehr guten Zeugnis das Gymnasium verlassen.

Im Jahre 1801 nahm er das Studium an der Universität Halle auf. Da das Bürgerstipendium der Stadt Salzwedel sehr knapp bemessen war, unterrichtete er seit 1802 an den Schulen der Frankeschen Stiftungen, neben dem Studium eine außerordentliche Belastung; aber die Not zwang ihn dazu. Als die Schulleitung Danneils Lehrgeschick erkannte, bot sie ihm eine Planstelle an, obwohl er sein Studium noch nicht beendet hatte. Er nahm das Angebot an, da er in der Lehrertätigkeit volle Befriedigung fand.

Nur durch eisernen Fleiß und Aufbietung aller Kräfte konnte Danneil die doppelte Belastung bewältigen. Er erteilte neben seinem Studium wöchentlich 36 Unterrichtsstunden, hatte 140 Schülerarbeiten zu korrigieren und führte Aufsicht über 44 Schüler auf ihren Zimmern, bei den Mahlzeiten und beim Baden. Das alles konnte Danneil zeitlich nur bewältigen, wenn er die Schlafenszeit verkürzte. Selten kam er Mitternachts ins Bett, trotzdem ließ er sich pünktlich um 3 Uhr wecken. Nach einiger Zeit wirkte sich die dauernde Überlastung nachteilig auf seinen Gesundheitszustand aus; er begann zu kränkeln.

Danneil sah ein, dass er auf die Dauer die Arbeit an den Frankeschen Stiftungen nicht durchführen konnte. Als ihm seine Heimatstadt die unterste Lehrstelle am Gymnasium anbot, willigte er freudig ein. So wurde Danneil nach Abschluss seines Studiums 1804 Lehrer in Salzwedel.

Nachdem sich der nun Fünfundzwanzigjährige vermählt hatte und die Familie anwuchs, reichte das geringe Lehrereinkommen nicht aus, und Danneil sah sich zu einer umfangreichen nebenberuflichen Tätigkeit gezwungen.

So erteilte er Privatunterricht, nahm Schüler als Pensionäre in sein Haus auf und versah in den Jahren 1814 und 1815 sogar das Amt des Kreissekretärs am Landratsamt, das damals von Jenny Marx Vater geleitet wurde. Trotz der Nebeneinkünfte war die Familie zu äußerster Sparsamkeit gezwungen. In seinen Lebenserinnerungen schreibt er: "Wenn mein armes Weib mit Tränen in den Augen klagte, dass es ihm nicht möglich sei, mit dem bewilligten Monatsgelde auszukommen, so hörte sie von mir nur Trostworte und die Versicherung, dass ich nie unzufrieden sein würde, wenn sie den Tisch auch noch so ärmlich richte; könne sie kein Fleisch pp. geben, so möge sie Pellkartoffeln, selbst täglich bringen; könne sie keinen Speck oder Butter oder Hering zugeben, so könnten wir uns auch mit Salz behelfen" Erst als Danneil 1819 Rektor der Schule geworden war, besserte sich seine wirtschaftliche Lage.

Beinahe fünf Jahrzehnte war Danneil im Schuldienst tätig gewesen, als er im Alter von 70 Jahren in den Ruhestand trat. Die nachfolgenden 15 Jahre, die ihm noch beschieden waren, verlebte er zurückgezogen in seinem Hause "Am Lohteich". Aber ein so tätiges Leben, wie es Danneil geführt hat, konnte nur mit Arbeit ausklingen. Er setzte seine Studien fort und vollendete Begonnenes, so dass auch seine letzten Lebensjahre eine Zeit reichen Schaffens waren. Nur körperliche Altersbeschwerden behinderten ihn immer mehr. Auf einem Auge erblindete er völlig und auch das andere besaß nur eine stark geminderte Sehkraft. Am 20. Januar 1868 starb Danneil im Alter von fast 85 Jahren.

Fortschrittlicher Pädagoge

Unter Danneils Leitung erreichte das Salzwedeler Gymnasium eine Blütezeit. Bereits der junge Lehrer Danneil setzte gegen den Widerstand seiner älteren, traditionsgebundenen Berufskollegen seiner Schule Reformen in der Unterstufe durch. Es gelang ihm, den Stock als Haupterziehungsmittel zu verbannen und ihn durch das Vertrauensverhältnis zwischen Lehrer und Schüler zu ersetzen. Das war für die damalige Zeit eine beinahe revolutionäre Tat. Seine volle pädagogische und organisatorische Tatkraft entwickelte Danneil jedoch erst, als ihm die Leitung des Gymnasiums anvertraut worden war. Er führte Reformen durch, die auch heute noch beachtenswert sind und Anerkennung verdienen.

Danneil erkannte auch, dass die damalige Gymnasiumsbildung mit ihrer starken Betonung der alten Sprachen den Anforderungen der Zeit nicht gerecht wurde. Die aufkommenden Naturwissenschaften und die sich immer mehr durchsetzende Technik stellten an das Bildungswesen neue Forderungen. Danneil richtete deshalb an seinem Gymnasium eine "Realklasse" ein, deren Unterrichtsfächer mehr den Bedürfnissen praktischer Berufe entgegenkamen. Es handelt sich also dabei um einen Vorläufer der Realschule. Eine Fördermaßnahme schuf er mit der "Vorbereitungsklasse" in der Schüler von Landschulen auf den Besuch des Gymnasiums vorbereitet wurden, wenn sie keine ausreichende Vorbildung besaßen. Für Schüler, deren Eltern nicht in Salzwedel wohnten, errichtete er ein Schülerheim, das erste in Salzwedel. Bereits im Jahre 1831 führte er das Turnen an seiner Schule ein. Danneil eröffnete auch die erste Berufsschule in Salzwedel, die vorwiegend von Tuchmachergesellen besucht wurde.

Auch die Bildung breiter Bevölkerungsschichten lag Danneil am Herzen. Mit der Gründung des "Salzwedeler Wochenblattes" 1832, das der volkstümlichen Belehrung und der Unterhaltung dienen sollte, verfolgte er volksbildnerische Ziele. Diesem Zweck dienten auch eine Leihbücherei und vor allem eine Buchhandlung, da ein derartiges Unternehmen in Salzwedel fehlte. Danneil plante sogar eine Art Erwachsenenbildung, für die er in einem Aufruf warb. Ein "polytechnischer Verein" sollte "eine Fortbildung in Physik, Naturgeschichte, Mathematik" ermöglichen und ein Lesezirkel durch Schriften "auf die technischen Fortschritte" aufmerksam machen. Immer wieder ist man von neuem überrascht, wie viel Beziehungen zu unserer Zeit in Danneils erzieherischen und volksbildnerischen Bemühungen zu erkennen sind und wie aufgeschlossen Danneil den Bedürfnissen der Gesellschaft gegenüber war.

Biologische Forschungen

Danneil war bereits in seiner Jugend ein Naturfreund und durchstreifte die Umgebung seiner Heimatstadt, um Naturbeobachtungen durchzuführen. Bei dem jungen Lehrer entwickelte sich diese Neigung zu einem wissenschaftlichen Interesse. Er legte ein Herbarium mit genauen Standortangaben und eine umfangreiche Insektensammlung an und korrespondierte mit Naturwissenschaftlern in Halle. Seine Arbeit fand in wissenschaftlichen Kreisen Anerkennung. Die Naturforschende Gesellschaft in Halle ernannte ihn zu einem korrespondierendem Mitglied, ein Beweis dafür, dass Danneil auch auf dem Gebiete der Biologie Beachtliches leistete. Selbst Naturwissenschaftler wie P. Ascherson stützten sich auf Danneils Forschungen.

Volkskundliche Forschungen

Danneil hat uns zwar kein größeres Werk über seine volkskundlichen Forschungen hinterlassen, doch enthalten kürzere Aufsätze, Hinweise in Zeitschriften und Berichte in Briefen beachtliches Material. Selbst sein "Wörterbuch der altmärkisch-plattdeutschen Mundart" ist in dieser Hinsicht eine wahre Fundgrube. Er berichtete in verschiedenen Ausführungen über altmärkische Volksdichtung (Volkssage, Märchen, Schwänke, Redewendungen, Sprichwörter), über Volksleben und Volksglauben im Tages-, Jahres- und Lebenslauf, Arbeitsbräuche als Äußerungen der sozialen Gruppen, Siedlungskunde. Durch Danneil ist die volkskundliche Forschung sehr stark angeregt worden, und er hat im Gegensatz zu seiner Forschung Mitarbeiter und Nachfolger gefunden (Krüger, Parisius, Temme, A.Pohlmann).

Mundartforschung

Das Ergebnis seiner langjährigen sprachwissenschaftlichen Sammeltätigkeit, die sich über beinahe fünf Jahrzehnte erstreckte, ist sein "Wörterbuch der altmärkisch-plattdeutschen Mundart". Danneil besaß die für eine derartige Forschungsarbeit notwendige Vertrautheit mit der Mundart. In den ersten 20 Jahren seines Lebens sprach er im Umgang fast ausschließlich Mundart. Auch später war sie ihm eine wertvolle Hilfe bei seinen Forschungsarbeiten, bei denen er vielfach mit der Landbevölkerung zu tun hatte. Sein Wörterbuch ist ein treffliches Werk, über das Jacob Grimm schrieb: "Es ist mit Einsicht und Fleiß abgefasst und wird einen willkommenen Beitrag zur Kunde der deutschen Mundarten liefern". Die Wertschätzung, die das Werk von den Brüdern Grimm erfuhr, ist auch schon daraus zu ersehen, dass sie es für ihr "Deutsches Wörterbuch" als Quelle benutzten und öfter zitierten.

Heimatgeschichtliche Forschung

Gedenktafel am Geburtshaus
Danneil ist zu den bedeutendsten altmärkischen Historikern zu zählen. Seine Arbeiten sind grundlegend. Etwa 45 Jahre hat er sich intensiv mit der Salzwedeler Stadtgeschichte und der Geschichte der Altmark beschäftigt. Zunächst erforschte er die Geschichte des Salzwedeler Gymnasiums und veröffentlichte seine Resultate in sechs Folgen. Die Urkunden hierfür fand er im Salzwedeler Stadtarchiv, das völlig ungeordnet war. Als ihn der Magistrat den Auftrag gab, das Urkundenmaterial zuordnen, nahm er sich diese zeitraubende Arbeit mit besonderer Liebe an. Das von ihm angelegte Urkundenverzeichnis (Repertorium) wird heute noch benutzt. Danneil dehnte schließlich seine Archivarbeiten auch auf andere altmärkische Städte und Adelssitze aus. Das Ergebnis seiner Urkundenforschung fand seinen Niederschlag in Form von Aufsätzen in verschiedenen historischen Zeitschriften und im "Salzwedeler Wochenblatt". Seine umfassende Kenntnis des altmärkischen Urkundenmaterials ermöglichte seine Mitarbeit an der bekannten Urkundensammlung von Riedl (Codex diplomaticus). Vor allem war er am Band 14 beteiligt. Besondere Verdienst erwarb sich Danneil um die Ordnung und Verwaltung Salzwedeler Stiftungen insbesondere um die Gerckensche Stiftung, an der er 47 Jahre arbeitete. In seiner Familiengeschichte mit genealogischen Tabellen fasste er das Ergebnis zusammen. Von Danneils historischen Werken sind zu nennen: "Chronik der Stadt Salzwedel" von 1809 - 1837, "Geschichte der Einführung der Reformation in Salzwedel", "Geschichte der Gewandschneidergilde der Stadt Salzwedel", "Geschichtliche Nachrichten über die Königliche Burg zu Salzwedel". Außerdem hat er zahlreiche kleinere Aufsätze historischen Inhalts veröffentlicht. Neben der Stadtgeschichte war auch die Siedlungs- und Wüstungsgeschichte der Altmark jahrelang ein Forschungsgebiet.

Die Resultate veröffentlichte Danneil in den Jahresberichten des Altmärkischen Vereins.

Ur- und Frühgeschichtsforschung

Die Anfänge einer systematischen Ur- und Frühgeschichtsforschung in der Altmark gehen auf Danneil zurück, der hier als einer der ersten Ausgrabungen nach wissenschaftlichen Prinzipien durchführte. Er hat wesentlich dazu beigetragen, dass aus der "Altertumskunde" eine Wissenschaft - die Urgeschichtswissenschaft - sich entwickelt hat. Sein Name ist aufs engste mit der Forschungsgeschichte verbunden.

Angeregt durch prähistorische Funde seiner Schüler und durch die allgemein erwachte Vorliebe für die früheste deutsche Geschichte, begann Danneil in der Umgebung von Salzwedel mit Ausgrabungen. Ab 1824 führte er die Arbeit zielstrebig und nach wissenschaftlichen Methoden durch. Professor Kruse - einer der bedeutendsten Vorgeschichtsforscher - förderte und unterstützte Danneils Arbeiten, deren Ergebnis er auch in seiner Zeitschrift veröffentlichte. Später hat Danneil seine Ausgrabungen auf die ganze Altmark ausgedehnt. Die Fundgegenstände hat er zunächst in seine Privatsammlung eingereiht, später aber den größten Teil davon an die "Vorgeschichtliche Sammlung" in Berlin abgegeben und damit die Grundlage für diese Sammlung geschaffen. Nach der Gründung des Altmärkischen Geschichtsvereins gingen die Fundgegenstände in dessen Besitz über. So ist also die vorgeschichtliche Sammlung des Danneil-Museums in Salzwedel auf Danneil zurückzuführen.

Mitbegründer des Dreiperiodensystems

Etwa 100 Ausgrabungen führte Danneil von 1824 bis 1835 durch. Er beurteilte seine Ergebnisse kritisch, verglich sie mit denen anderer Forscher und ließ seine Erkenntnisse langsam ausreifen, bevor er 1845 die Vorgeschichtswissenschaftler mit seinem Dreiperiodensystem (Stein-, Bronze- und Eisenzeit) überraschte, das bisher zwar andeutungsweise bekannt war, aber nicht exakt bewiesen werden konnte. Mit seinen drei aufeinanderfolgenden Kulturstufen hat Danneil der jungen Vorgeschichtswissenschaft die Möglichkeit einer relativen Zeitbestimmung gegeben. Wenn diese Einteilung für uns eine Selbstverständlichkeit ist und wir heute aufeinanderfolgende Perioden benutzen, welche die gesellschaftliche Entwicklung kennzeichnen, so war doch Danneils Dreiperiodensystem 1835 von grundlegender Bedeutung und eine große Pioniertat. Fast zur gleichen Zeit haben auch der dänische Museumsdirektor Thomsen und der Schweriner Archivar Lisch das Dreiperiodensystem entdeckt. Es ist müßig, darüber zu streiten, wer der erste war, der es erkannte. Auf alle Fälle war es nach dem Datum der Veröffentlichung Danneil. Doch wollen wir von Danneil als Mitbegründer des Systems sprechen. Außer dem Dreiperiodensystem verdankt die Vorgeschichtswissenschaft Danneil noch eine ganze Anzahl von Erkenntnissen, so die Nachbestattung in urgeschichtlichen Gräbern, Übergänge von einer Zeitstufe zur andern.

Begründer des Altmärkischen Geschichtsvereins

Das Geburtshaus
Gemeinsam mit vier anderen Geschichtsfreunden gründete Danneil 1836 den "Altmärkischen Verein für vaterländische Geschichte und Industrie" der eine doppelte Aufgabe hatte: die altmärkische Geschichtsforschung und die Förderung der altmärkischen Wirtschaft, in erster Linie der Landwirtschaft.

Im Jahre 1848 trennten sich die beiden Abteilungen. Der Altmärkische Geschichtsverein hat während seines Bestehens von 1836 bis 1945 wertvolle Arbeit geleistet. Umfangreiche Sammlungen, vor allem auf ur- und frühgeschichtlichem Gebiet, die stattliche Anzahl von Jahresberichten und die mittlerweise auf 9.500 Bände angewachsenen Bibliothek legen ein beredtes Zeugnis von der Leistung des Vereins ab. Das Johann-Friedrich-Danneil-Museum in Salzwedel versucht dieses Vermächtnis weiterzuführen .

Nach diesem Überblick über Danneils Leben und Schaffen sind wir von seiner Persönlichkeit und seiner Tatkraft außerordentlich beeindruckt. Uns drängt sich aber die Frage auf, wie er rein zeitlich diese vielseitigen und umfangreichen Leistungen vollbringen konnte. Darüber gibt er uns selbst Auskunft: "Zur Antwort diene, dass ich keinen Augenblick ohne Beschäftigung blieb, von jedem geselligen Verkehr mich gänzlich zurückzog ... Besonders waren es die Morgenstunden, wo ich das Meiste förderte: 3/4 auf 4 stand ich regelmäßig auf, so dass ich um 4 Uhr beim Schreibtisch saß. Es waren allerdings saure Tage und Jahre, aber ich bin nie glücklicher und heiterer gewesen."

Zum Schluss fragen wir uns, worin eigentlich das Wesen dieses hervorragenden Mannes bestand. Das hervorstechendste Merkmal ist wohl sein unermüdlicher Schaffensdrang, der hohe Anforderungen an seine körperlichen und geistigen Kräfte stellte und sie zu gewissen Zeiten sogar überforderte. Verweichlichung war ihm fremd. Seine wissenschaftlichen Ziele verfolgte er zäh und zielstrebig. Dabei kam ihm sowohl sein scharfer Verstand als auch die Fähigkeit des intuitiven Erfassens zustatten. Kritik nahm er bereitwillig an und unterzog seine Arbeiten und seine Ansichten immer wieder einer selbstkritischen Überprüfung. Mit besonderem Scharfsinn erkannte er die progressiven Kräfte seiner Zeit und trat tapfer für den Fortschritt ein. Mit Recht können wir ihn als Humanisten bezeichnen.


Artikel von Josef Beranek aus dem Altmärkischen Heimatkalender

 
 
 
 
 
   
  
 

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