Geschichten über Kalbe Milde
 
 


Vorgeschichte der Stadt Kalbe (Milde)
 

Etwa 13.000 Jahre vor der Zeitrechnung (v.d.Z.) verließ das Eis, das während der verschiedenen Eiszeiten unser Land bedeckte, die Altmark endgültig. Die klimatischen Verhältnisse besserten sich langsam, und es wurde den Menschen möglich, auch unsere Gegend dauernd zu bewohnen.
Das Schmelzwasser der Gletscher hatte Seen und Teiche gebildet. Die Täler wurden in ganzer Breite von den Flüssen eingenommen unsere Milde war damals also mehrere Kilometer breit und in allen Gewässern entwickelte sich ein reicher Bestand an Fischen und anderen Wassertieren. Die Forschung nennt diese Zeit die ältere Steinzeit.
Bei dem zunächst trockenkaltem Klima war das Land von einer tundrenartigen Steppe bedeckt, die nur spärlichen Pflanzenwuchs hatte.
Aus dieser älteren Steinzeit hat Kalbe (Milde) Funde bislang nicht aufzuweisen. Allerdings wurden zwischen Vahrholz und Bühne einige altsteinzeitliche Werkzeuge gefunden, deren Alter jedoch noch nicht genau bestimmt werden konnte.
Erst in späterer Zeit mit trockenwarmer und feuchtwarmer Witterung konnte sich eine üppige Pflanzendecke entwickeln. Bei uns gab es damals ausgedehnte Wälder mit Hirschen, Rehen, Wildschweinen, Wölfen, Luchsen, Mardern; Bibern und Wildkatzen. Mit der Fortschreitenden Besserung der klimatischen Verhältnisse wandte sich der bisher umherschweifende Sammler und Jäger dem Fischfang zu. Damit verbunden war eine größere Sesshaftigkeit verbunden; denn der Fischfang in Verbindung mit der Jagd stellte die Ernährung auf längere Zeit sicher. Die Menschen wohnten am Rande der Flüsse, Seen und Teiche und bauten festere Wohnungen. Aus dieser sogenannten mittleren Steinzeit stammen die außerordentlich zahlreichen Fundstücke, die beweisen, dass unsere Feldmark früh und dicht besiedelt war. Die Kalbenser Funde sind überhaupt die ersten aus dieser Zeit in ganz Norddeutschland. Als sie 1906 zum ersten Male wissenschaftlich von

Prof. Kupka (Stendal) bearbeitet und veröffentlicht wurden, erregten sie im In- und Ausland großes Aufsehen. Sie werden immer wieder zu Vergleichen herangezogen, denn es handelt sich um typische Werkzeuge der Zeit vor etwa 10.000 bis 4.000 v.d.Z. Zu vielen Hunderten wurden sie südöstlich unserer Stadt - in den Hauichten - aufgelesen. Sie lagen dort in und an dem früh vertorften See, der das Gebiet einnahm, das heute vom Königs- und Sekantsgraben durchflossen wird. Steinwerkzeuge Die Werkzeuge sind aus Feuerstein und z.T. aus Elchknochen hergestellt. Die Knochenwerkzeuge wurden 1885 beim Ziehen von Gräben in einer Tiefe von etwa 1 bis 2 m gefunden. Sie lagen unter dem Torf im Faulschlamm. Die meisten davon sind in das Stendaler Museum gekommen. Die schönsten waren jedoch in unserer Stadt in der Sammlung des bekannten Kalbenser Vorgeschichtsforschers Julius Müller erhalten geblieben (Wo sie heute aufzufinden sind, ist nicht bekannt). Es handelte sich ausschließlich um Fischfanggeräte. Die Feuersteingeräte wurden hauptsächlich zu Anfang dieses Jahrhunderts am Rande des Moores gefunden. Sie stammen sowohl aus den Hauichten als auch aus der nahen Rehhorst, andere aus der nordwestlich der Stadt gelegenen Nettelhorst. Die Fundstellen sind noch immer nicht erschöpft; alljährlich werden beim Ackern weitere Werkzeuge aufgelesen und geborgen. Die vorgeschichtlichen Werkzeuge haben nicht den geringsten Schliff und sind nur an den Kanten bearbeitet, dort allerdings sehr sorgfältig.
Unter der heutigen Erdoberfläche liegen an allen Stellen Sandbänke, die zur damaligen Zeit die Oberfläche darstellten. Diese sogenannten Talsanddünen waren die Wohn- und Fangplätze der Menschen der mittleren Steinzeit. Am Ufer des Flusses oder seiner seenartigen Erweiterung wohnten und lebten sie. Auch in dem nächstfolgenden Zeitraum, der jüngeren Steinzeit, ist die Umgebung von Kalbe besiedelt gewesen; das beweisen die ebenfalls zahlreich gefundenen Werkzeuge und Waffen dieser Periode,
Das sind auch Steinwerkzeuge, die aber viel sorgfältiger und kunstvoller bearbeitet sind als die der vorhergehenden Stufe. Die Menschen der jüngeren Steinzeit haben bereits Ackerbau betrieben. Es entwickelte sich das sesshafte Bauerntum. Es waren Ackerbauern und Viehzüchter. Recht gering sind die Funde aus den beiden nachfolgenden Zeitaltern, der Bronzezeit - von etwa 2000 bis 800 v.d.Z. - und der Eisenzeit von 800 v.d.Z. . Aus der Bronzezeit stammen zwei sehr gut erhaltene bronzene Halsringe, die auf der Maienwiese gefunden wurden. Sie befinden sich im Altmärkischen Museum in Stendal.
An Stelle der gr. Wiese befand sich früher ein See, an dessen Ufern wurden die Werkzeuge gefundenUm 800 v.d.Z. kam das Eisen als Werkstoff auf. Eisenerz ließ sich auch im Moor, als Raseneisenerz, gewinnen. In den einfachen Schmelzöfen konnte jedoch nur Schmiedeeisen hergestellt werden, und so verkümmerten die edlen Gussformen der Bronzezeit, während die Schmiedekunst sich entwickelte. Alle Geräte mussten einfache, schmucklose Formen annehmen; denn die Technik war noch unvollkommen, und die Gussformen ließen sich nicht nachschmieden. Aus dieser letzten vorgeschichtlichen Zeit kennen wir aus Kalbe (Milde) Geräte aus Ton. Im Jahre 1938 sind Scherben in großer Anzahl beim Abfahren von Füllsand für die Badeanstalt an der Vahrholzerstraße gefunden worden. Schon früher kamen auf dem Petersberg gelegentlich Urnen zutage. Bekannt ist eine besonders große Urne, die einem Magdeburger Museum übergeben wurde. Ob sie bei der Zerstörung Magdeburgs 1945 erhalten geblieben ist, ist nicht bekannt.

In unserer Gegend haben damals wahrscheinlich Langobarden gewohnt, deren örtliche Nachbarn die Semnonen waren, ein slawischer Volksstamm. In der Zeit der Völkerwanderung (ab 375 n.d.Z.) war unser Land Durchzugsgebiet. Im 5. und 6. Jahrhundert haben Angeln und Warnen bei uns gesiedelt. Langsam kamen die ersten Ortsnamen auf und wurden überliefert. 531 waren die Sachsen Herren des Landes; sie errichteten hier eine Feudalherrschaft mit Großgrundbesitz und holten sich die Slawen aus den Gebieten östlich der Elbe als Arbeitskräfte heran. Aus dieser Zeit finden wir keine Überlieferung und Bodenfunde.


Entnommen dem Altmarkboten aus einem Aufsatz von Martin Ehlies.

 
 
 
 
 
   
  
 

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