Geschichten über Kalbe Milde
 

 



 

 

Die Stadtkirche St. Nicolai
 

In der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts, etwa 1150/1170 ist die Nicolai-Kirche in Kalbe gebaut worden. Ein genaues Baujahr ist nicht bekannt. Die Kirche gilt aber als sehr alt unter den altmärkischen Feldsteinkirchen, deren Bauperiode wir zwischen 1150 und 1300 annehmen müssen. Von ihrer ursprünglichen Gestalt gibt nur noch der Turm Zeugnis. Die Kirche ist als vierteilige Feldsteinkirche gebaut, also Turm, Kirchenschiff, Chor und Apsis, wie wir es bei den Kirchen in Altmersleben, Kahrstedt, Bühne, Güssefeld usw. noch sehen. Ihr heutiges Aussehen erhielt die Kirche durch den großen Umbau von 1754/55. Aber darüber später!

Wer die 10,5 m breite und fast 20 m hohe Westwand des Turmes betrachtet, wird leicht feststellen, dass die Bauleute bis in eine Höhe von ca. 4 Metern neben Feldsteinen auch Kalkbruchsteine verwendet haben, die damals sicherlich leicht aus dem Altmerslebener Kalksteinbruch zu beschaffen waren. Dann aber ist der Turm aus Feldsteinen weitergebaut worden. Starke Beschädigungen, besonders an der oberen Nordweststrecke des Turmes, sind schon im Mittelalter entstanden und mit Mauersteinen ausgebessert worden. Im Inneren hatte der Turm in einer Höhe von 5 - 6 Metern ein Tonnengewölbe, dass später herausgeschlagen worden ist.

Die Kirche ist dem Heiligen Nicolaus geweiht. Mittelalterliche Weihenamen spiegeln etwas von den Bedürfnissen und dem sozialen Hintergrund der Erbauer wieder. Wir müssen uns daher zu vergegenwärtigen suchen, was der Heilige Nicolaus für die Gründer und Erbauer der Kirche bedeutet haben mag. Nach der Legende soll der Heilige Nicolaus zu Patara in Lycien als Sohn des frommen Ehepaares Epiphanius und Johanna geboren sein. Später wurde er Bischof von Myra in Lycien, musste während der diokletianischen Christenverfolgung (303 - 311) lange Kerkerhaft erleiden und soll am Konzil von Nicäa (325) teilgenommen haben. Als sein Todestag gilt der 6. Dezember. Das Todesjahr soll zwischen 345 und 352 liegen. Dargestellt wird der Heilige Nicolaus entweder mit einem Anker (Patron der Schiffer und Seefahrer), oder mit drei Broten (Patron der Bäcker), oder mit drei Kindern (Beschützer und Freund der Kinder), oder mit drei goldenen Kugeln oder Geldbörsen (Wohltäter der Armen). Allgemein gilt er als Patron der Seefahrer, Kaufleute und Kinder. Im norddeutschen Raum sind vor allem dort Nicolai-Kirchen anzutreffen, wo niederländische Siedler angesiedelt wurden, in den See- und Hafenstädten oder wo an wichtigen Straßen Märkte der Kaufleute entstanden. Dass in der Gegend von Kalbe Menschen tätig waren, die sich auf Regulierungen von Flussläufen verstanden (Milde, Augraben usw..), was besonders niederländische Siedler hervorragend beherrschten, ist nicht zu bezweifeln. Außerdem lag Kalbe an der Stelle, wo eine wichtige Straße die Mildeniederung durchquerte, die also für Kauf- und Fuhrleute allemal ein wichtiger Ort war.

Dass die Kirche nicht der erste Kirchbau in Kalbe war, wird man annehmen dürfen. Meistens haben an der Stelle der Feldsteinkirchen vorher Holzkirchen gestanden.

Im Mittelalter wurde an die Südseite der Kirche eine Marienkapelle angebaut, die durch eine Tür vom Osten her zu betreten war. Die Kapelle hatte in der Westwand zwei große backsteinleibige Fenster, die auf eine Bauzeit um 1400 schließen lassen. Über die Bautätigkeit an der Kirche im Mittelalter ist nichts überliefert, jedoch sollen - so wird 1573 berichtet - wiederholt Reparaturen an der Kirche vorgenommen worden sein. Der Hauptaltar stand vermutlich an der Stelle, wo sich die jetzige Orgelempore befindet. Sein Hauptbild war das der Jungfrau Maria "um welches viele andere vergüldete Bilder stehen". sicher stammen die noch heute erhaltenen Schnitzfiguren des Heiligen Georg, des Heiligen Mauritius, eines Mönches und einer Heiligen von diesem Altar. In "Die Geschichte der zeichnenden Künste in Deutschland" schreibt Fiorillo Hannover 1817, dass diese Figuren noch bis 1573 zum ursprünglichen Altar unserer Kirche gehörten.

Um die Kirche lag der Beerdigungsplatz, der von einer Mauer mit Friedhoftor eingefasst war. Der Friedhof ist 1841 geschlossen worden.

Einige Fakten zu unserer Kirche St. Nikolai

1573 erste größere Renovierung der Kirche unter dem Inspector Elias Hoffmann.

Die "Kapelle unserer lieben Frauen" wird zum südlichen Kreuzarm einstöckig ausgebaut. Hauptbild des Altars "ist die Hlg.Jungfrau Maria, um welches viel andere vergüldete bilder stehen." "Die Kanzel ist von Holz und Schnitzwerk, mithin mit der vier Evangelisten und einiger andern biblischen bildern bemahlet." Die Orgel ist "ein altes und sonst feines werk" wird bei der Renovierung vergrößert. Die Große Glocke aus dem Jahre 1415 trägt die Umschrift: V.rex gloriae cum pace JHS Marie MCCCCXV - Clawes Bennestedt van Madeborg. (Diese Glocke ist im 19. Jhdt. mehrere Male umgegossen, zuletzt 1912, sie musste am 28.08.1917 abgegeben werden). Der Dachreiter auf dem Turm wird aufgerichtet.

1585 vermacht Hans Fliegenklappen, ein reisiger Knecht, der Kirche 50 Gulden. 1600 steht dieses Kapital bei Claus Schultzen, der dafür jährlich 2 Gulden 2 Schilling Zinsen gibt.

1596 vermacht Matthias Lutterodt der Kirche 50 Gulden. 1600 steht dieses

Kapital bei Joachim Lonemann, der dafür jährl. 3 Gulden Zinsen gibt.

1604 Der Dachreiter wird repariert und der Turmknauf vergoldet.

1642 Decembris 16, Unser Glocke von Braunschweig ankommen und folgendes tages hinaufgebracht, hatt zu Braunschweig gewogen 17 Centner und 11 Pfund, ein Centner zu 114 Pfund gerechnet, kostet 155 Thl. 2 Thl. Brinckgeld ohne die furen, Schmidtlohn, Zimmerlohn." Diese Glocke ist bei Heinrich Borstelmann in Braunschweig gegossen, Ton F.
Sie trägt die Umschrift:
obere Reihe - CHRISTOPHORUS LOTICHIVS JUDEX (Engelabdruck) LAUDI JEHOVAE SERVIO (zum Lobe Gottes diene ich) GEBHARD UND BUSSO VETTERN VON ALVENSLEBEN (2 Rosen als Abdruck)
mittlere Reihe -            HANS STIER KISTENHERRE (Rosenabdruck) M SIMON STRUVIUS PASTOR (Rosenabdruck) JOACHIM LUDER JOHAN PUMBORG KIRCHVETER (Rosenabdruck)
untere Reihe -                                     o ANO o 1642 (Engelabdruck) HEINRICH BORSTELMANN IN BRAUNSCHWEIG HAT MICH GEGOSSEN IN GOTTES NAMEN BIN ICH DURCHS FEUER GEFLOSSEN
(Die Glocke befindet sich heute noch auf dem Turm)

1647 In diesem Jahre hatt ihr Hochädler P(atron) Juncker Gebhardt senior eine neue Priehe bauen laßen welche gegen weynachten meist fertig worden."

1651 den 5, Juli "ist diese kichspitze bestiegen undt renovieret worden durch Salomon Müllern Bürger undt Schiefferdecker in Goßlar, undt dieser Knopf von seinem Bruder Christoffeln abgenommen und wieder aufgesetzet worden. Ich meister Ertmann Bindemann habe den gesellen Möller von Goßlar ein paar weiße schu von jufften Leder verehrt, welche er auff den Knauff hatt angezogen, welche einen Reichs Thaler söllen wehrt sein."

Der Knauf war im Kriege durchschossen worden und wurde neu vergoldet.
Zur Ausbesserung des Knauffs haben guttwillig verehrt:

1 Thl. Christianus Kelterborn, gesampftrichter alhie
1 Thl. M.Simon Struvius Pfarrher alhie
1 Thl. Johannes Meyer Aluenschlebischer bedienter
2 Thl. Paulus Sanne Asseburgischer Amtman
1 Thl. Paschasius Beust Aluenschlebischer Verwalter und Organist
1 Thl. Ein Ehrbar Raht alhie
1 Thl. H.Henning Tyleke Rahtsverwanter und Kirchvater
1 Thl. Hans Stier kirchvater
1 Thl. Georgius Buchholts Herbergierer
1 Thl. Johan Kruse Herbergierer
1 Thl. Diedrich Pumborgk
1 Thl. Michael Krüger
1 Thl. Jacobi Giullets nachgelassene wittwe Anna Tyleken Bürgermeisterianne
1 Thl. Hans Schultze (alias Walstawe)
1 Thl. David Seyer Rahtsverwandter undt Schmidt
1 Thl. Hans Hamelmann töpffer
1 Thl. Erdmann Bindemann Schuster
1 Thl. Christoff Steffens kauffman alhie
6 gg. Wielas Mertz Badstüber
6 gg. Hans Aleman
6 gg. Lucas Steffens
9 gg. Klaus Pauche Krüger von Altmersleben
Summa 14 Thl. 15 gg.

(Die angeführte Summe scheint sich auf eine andere Zusammenrechnung zu beziehen.)

1725 eine Glocke von 46 cm Durchmesser von Magister Johann Christian Goclenius gestiftet. (Diese Glocke musste am 28.8.1917 abgegeben werden.).

1748 am 19. März bewilligt König Friedrich II. von Preußen eine Generalhauskollekte für den Umbau der Kirche.

1754 erneute Bitte an den König um Bewilligung einer Kollekte, da die erste Kollekte nicht genügend Geld eingebracht hatte.

1754/55 Umbau der Kirche zu ihrer jetzigen Gestalt. Der schon vorhandene südliche Kreuzarm wird aufgestockt, entsprechend wird an der Nordseite der Kirche (Marktstraße) ein Kreuzarm angebaut.

Nach den Angaben des Inspectors Goclenius aus dem Jahre 1753 hatte die Kirche bis zum Umbau einen halbrunden Chorabschluss (Apsis), beim Umbau wurde der erwähnte Marienaltar entfernt. Auch ist nachzutragen, dass 1690 in der sog. Kapelle, also im südlichen Kreuzarm Kirchenstühle aufgestellt wurden.

1898 Unsere Orgel wurde von dem Orgelbaumeister Ernst Röver (1857-1923) aus Hausneindorf erstellt. Röver gilt als ein Orgelbauer der Spätromantik, in der näheren Umgebung sind Orgeln von ihm in Könnigde und Holzhausen erstellt worden. Seine Werke stehen aber auch in Hamburg, Berlin, Leipzig und Moskau. Von den insgesamt 78 erhaltenen Werken stehen 57 im heutigen Sachsen Anhalt.
Röver entwickelte die pneumatische Taschenlade weiter und schuf ein pneumatisches Kastenladesystem, das in seinem Bereich an Präzision und Zuverlässigkeit kaum zu überbieten ist. Daher arbeitete unsere Orgel (Breite ca 4,50 m, Höhe 3,50 m, Tiefe 3 m) seit über 100 Jahren so gut wie fehlerfrei, obwohl sie noch nie überholt oder verändert wurde, sie verfügt noch über die komplette Originalsubstanz.
Die Orgel steht auf einer Empore an der Ostseite unserer Kirche, hinter dem Altar. Vor der Orgel ist genügend Platz, hier wirkt insbesondere zu Weihnachten der Kirchenchor. Der Spieltisch befindet sich auf der nördlichen Seite des Instruments.
Die Windanlage befindet sich unter dem Spieltisch in einem Verschlag. Sie besteht aus einem Doppelfaltenbalg, heute mit elektrischem Gebläse.
Der Spieltisch ist entgegen vieler anderer Röver Orgeln seitenspielig. Über den beiden Klaviaturen befinden sich die Registerschalter, unter der unteren Klaviatur sind fünf Messingknöpfe für die Festregister.
Die Disposition der Orgel lautet:
1. Manual C-f3:Prinzipal 8'/ Bordun 16'/ Gambe 8' / Hohlflöte 8' / Gedackt 8' / Octave 4' / Flöte 4' / Mixtur 3 fach
2. Manual C-f3: Geigenprincipal 8' / Salicional 8' / Flöte 8' / Äoline 8' / Voix coeleste 8' / Gemshorn 4'
Pedal C-d1: Subbass 16' / Violon 16' / Octavbass 8' / Cello 8' / Gedacktbass 8'
Spielhilfen: Pedalkoppel I/P / Pedalkoppel II/P / Manualkoppel / Manual - Octavkoppel / Festregister: Auslöser / p / mf / f / tutti
Auffällig ist der mechanische Koppelapparat im Unterteil des Spieltisches. Die Registeranordnung verläuft anders als gewohnt von rechts nach links. Die Windladen sind pneumatische Röversche Kastenladen.
Das Pfeifenwerk auf den Windladen ist komplett erhalten. Sämtliche Register wurden bis zur tiefsten Pfeife in voller Länge durchgebaut. Das Pedalwerk steht hinten an der Wand, die Pfeifenanordnung ist chromatisch; ein kleiner Stimmgang dazwischen, davor steht das Hauptwerk in diatonischer Pfeifenanordnung. Das zweite Manual (Oberwerk) befindet sich erhöht quer zu den anderen Windladen direkt hinter dem Spieltisch. Die größeren Pfeifen sind aus Holz, die kleineren aus Orgelmetall. Die Tonhöhe beträgt 434 Hz bei 14°C.
(teilweiser Auszug aus einer Expertise von Christoph Noetzel)

1956 Nach dem Krieg hing nur noch eine Glocke im Turm (die beiden anderen mußten im 1. bzw. 2. Weltkrieg abgeliefert werden), 1956 wurden 2 gußeiserne Glocken aufgehängt.
mittlere Glocke - Umschrift: LASSET EUCH VERSÖHNEN MIT GOTT 1956
nördliche Glocke - O LAND LAND HÖRE DES HERRN WORTE 1956

Renovierungen
Renovierungen der Kirche fanden 1878, 1933 und 1965 statt.

Die Grabdenkmäler in der Stadtkirche St. Nikolai

(Die Nummerierung in Klammern entspricht der Reihenfolge gemäß dem Lageplan in der Bildübersicht) Link - Hier gibt es Fotos der Grabdenkmäler -

1. Am Eingang zur Kirche ist quer eine Grabplatte gelegt, die noch nicht endgültig entziffert werden konnte, da die Schrift fast vollständig abgetreten ist. Sie gehört aber zu einem Mitglied der Familien von Alvensleben.

2. Im Turmraum liegt die Grabplatte für den Superintendenten Johann George Reinherz Ewald, der von 1784 - 1816 in Kalbe Superintendent war, Die Grabplatte trägt folgende Inschrift: Wanderer/stöhre nicht die Ruhe dieses Grabes/Es/umschließt die Gebeine eines Aedlen im Volke/des / ehemaligen K.Pr.Superintendenten und Ober Predigers/ zu Calbe/Herrn / Johann George / Reinherz /Ewald / geboren zu Haage in der Marck am 5. ten Nov. 1737/ gestorben alhier am 7 ten Dez. 1816 / Dauernder / als dieses Denkmal/ ist die Liebe der Guten/ in den Gemeinden zu Lindstedt, Bismark und Calbe/ zu ihm/ der mit der unermüdlichen Treue in 53 jähriger Amtsführung/ ihnen / den Weg zum Leben voranging/ und / unerlöschlich die Verehrung seiner Gattin, Kinder und Enkel.

3. Grabstein der Pfarrfrau Beate Elisabeth Hahn geborene Heinzelmann, 1. Ehefrau des Archidiakonus Gebhard, August Hahn, der von 1743 - 1786 in Kalbe in der 2. Pfarrstelle war. An der Rückwand des Kirchenraumes. Der Grabstein trägt folgende Inschrift: Ihr/ entseeleten Gebeine /Frauen/ Fr. Besten Elisabeth / Heinzelmann / welche gebohren A .1713 d. 13. Nov./ verehelicht an / Herrn/ HE Gebhardt August Hahnen/wohlverdienten Archid. alhier a 1743 d. 26. Nov./ und mit demselben gezeuget/ 3 Söhne und 1 Tochter/ die der Geist verlaßen so. 1753, d. 25. Jul./ ruhet hier/ und erwartet des Lebens am Ende der Tage/ Leser Woldem, dessen Gebeine/ in der Hoffnung grünen.

4. Grabdenkmal, an der Nordwand des Kirchenschiffes angebracht, für Kunnigunde v. Alvensleben geborene v. Münchhausen, geb. 1534, gest. 3.12.1565 in Kalbe. Sie war die 2. Ehefrau des Joachim I. v. Alvensleben, geb. 1514, gest. 1588. Wegen einer drohenden Pest war sie von Erxleben nach Kalbe gekommen und hier gestorben. Das Grabdenkmal zeigt sie mit ihrem Ehemann, der Vorsorge getroffen hatte, neben ihr begraben zu werden (darauf läßt der Text des Steines schließen), in Wirklichkeit aber 1588 in der Schloßkapelle zu Erxleben beigesetzt wurde. Die Umschrift des Denkmals ist stark beschädigt bzw. abgetreten, so dass nur Reste der Inschrift entziffert werden können:

ANO 1565 DE 3 DECEMBRIS IST DIE ERRENVESTE UND TUGEND..........................................VEGHAUSEN................JOCHIM................EHELICH HAUSFRAWE IN GOT ENTSCHLAFEN / ANO 15 .........................IST DER ERVESTER UND.............................HIN VO ALV......................... IN GOT VERSCHIDEN: DER SELE GOT GNEDIG UND BARMHERZIG SEI

5. Grabdenkmal im nördlichen Seitenschiff der Kirche für Sophia von Alvensleben geborene v. Münchhausen aus dem Hause Rehburg, geb. um 1530, gest. 8.1.1563 in Kalbe. Sie war die 2. Ehefrau des Elias v. Alvensleben, geb. 1502, gest. 10.3.1569 in Rogätz. Dieses Grabdenkmal hat wenigstens 150 Jahre verborgen unter den Kirchenbänken gelegen und ist am 14.10.1974 anläßlich der Kirchenrenovierung freigelegt und aufgerichtet worden. Dargestellt ist ein Ritter mit seiner Frau. Elias v. Alvensleben hatte Vorsorge getroffen, neben seiner 2. Ehefrau begraben zu werden. Er ist aber am 10.3.1569 in Rogätz gestorben und dort begraben. Die Umschrift mit einigen unleserlichen Stellen lautet:

ANNO 1563 FRIETAGS NACH TRIUM REGUM IST DIE ERBARE UND TUGENSAME............VON DIESER WELT VORSCHIEDEN UND IN GOTT ENTSCHLAFEN DER SEELE GOTT GNEDIG SEY seines Alters .... Jahre Ihres Alters 33 Jahre

6. Grabdenkmal für Ludolf (IX.) von Alvensleben an der Nordwand des Altar-raumes. Ludolf v. Alvensleben, geb. 1510, gest. 28.1.1562, war zweimal verheiratet, I. mit Gödel von Bülow (+1555), II. mit Maria von Veltheim (+1575), er ist auf dem Denkmal als Ritter dargestellt, den Helm mit Helmbusch zu Füßen. Der Aufsatz zeigt den auferstandenen Heiland mit der Siegesfahne, zu seinen Füßen rechts die durch eine üppige Frauengestalt verkörperte nackte Sünde, gefesselt an ihren 3 klauigen Füßen, zu seinen Füßen links den inskelettartiger Gestalt dargestellten Tod, dessen Füße gleichfalls durch Ketten gefesselt sind. Der Aufsatz trägt die Inschrift:

ICH BIN DIE AUFERSTEHUNG UND DAS LEBEN; WER AN MICH GLAUBT; DER WIRD LEBEN; OB ER GLEICH STÜRBE

(Joh.11)

Der untere Teil des Denkmals trägt folgende Inschrift:

ANNO DOMINI 1562. 28.JAN. DIE ET HORA QUO ANTE BIENNIUM SECUN DAS SUAS CELEBRAVIT NUPTIAS FIDE ET INVOCATIONE DIE EX HAC VITA DEGESSIT STRENUUS AC VERE NOBILIS LUDOLPHUS DE ALVENSLEBEN, PRAEFECTUS SOLTWEDELENSIS, VIR MAGNAE AUTORITATIS, PRINCIPIBUS ET ANICIS CHARUS; DE ECCLESIA ET REPUBLICA OPTIME MERITUS, SUMO SUI APUD OES (=omnes) DESIDERIO RELICTO. A. (=Anni) ANTATIS 52

Im Jahre des Herrn 1562, 28 Jan. zu Tag und Stunde, in welcher er vor 2 Jahren seine zweite Ehe schließ, ist der tatkräftige und wahrhaft edle Ludolf v. Alvensleben im Glauben und unter Anrufung Gottes aus diesem Leben geschieden, Präfekt aus Salzwedel, ein Mann von großer Autorität, von Fürsten und Freunden geliebt, um Kirche und Staat außerordentlich verdient, im höchsten Grade bei Allen Sehnsucht nach ihm hinterlassend. Die Jahre seines Alters 52."

7. Grabdenkmal für Ludolf (XI,) von Alvensleben an der Nordwand des Altarraumes. Er war der erstgeborene Sohn Ludolfs (IX) v. Alvensleben (siehe Nr. 6), geb. 25.01.1546 in Salzwedel, gest. 17.07.1589 in Zichtau, begr. 30.07.1789 in Kalbe. Er ist als Ritter dargestellt, zu seinen Füßen der Helm.

Das Grabdenkmal trägt folgende Umschrift:

AR 1589 den 17. IULII IST DER EDLE GESTRENGE UND ERNTVHESTER LUDELOF VAN ALVENSLEVEN LUDOLFIS SELIGEN SON AUF CALBE DER LETZTE SEINER LINIAE IN 44 JAR SEINES ALTERS SELIGLICH IM HERRN ENTSCHLAFEN DESSEN SEHLE GOT GNEDIG SEI: AMEN

8. Das Grabdenkmal an der Nordwand des Altarraumes unmittelbar vor der Orgelempore erinnert an eine Frau aus der Familie v. Alvensleben, die mit einem "HEUPTMAN IN DER (Alte)NMARCK" verheiratet war und zwar im 16. Jhdt. Die Umschrift ist bis auf wenige Buchstaben und Wortteile vollständig zerstört, so dass Namen und Daten nicht mehr erkennbar sind. Bisher hat der Stein an einer Stelle gelegen, über die jahrhundertelang die Kirchenbesucher gegangen sind. Dargestellt ist eine betende Frau. Oben rechts ist das v. Alvenslebische Wappen erkennbar. Die Reste der Umschrift lauten:

AN .. 15.................IST DIE EDEL ................ HEUPTMANN IN DER ............NMARCK EHELICHE HAUSFRAU IN GOT......................

H W

EIN WEIB (WENE) .............................................

Da links oben das Schulenburgische Wappen erkennbar ist, wird das Denkmal der Anna v. Alvensleben zuzuweisen sein, die seit 1573 mit Diedrich v.d. Schulenburg in zweiter Ehe verheiratet war. Daß Anna 1583 gestorben ist, wie Wohlbrück meint, muss in Zweifel gezogen werden, da ihr Ehemann erst in den letzten Tagen des Jahres 1583 oder vielleicht Anfang 1584 zum Hauptmann der Altmark erwählt wurde, nachdem sein Bruder Albrecht, Hauptmann der Altmark, am 12. Nov. 1583 in Salzwedel erstochen worden war. Auch sind dem Dietrich v.d. Schulenburg nach 1583 Kinder geboren, z.B. eine Tochter am 22.07.1585, die aus der ehe mit Anna geb. v. Alvensleben stammen werden, da Dietrich nach Annas Tod erst 1589 eine 3. Ehe eingegangen ist. Anna geb. v. Alvensleben wird im Kindbett gestorben sein. Darauf weist der Anfang des sonst völlig abgetretenen Spruches hin: Ein Weib (WENN) ... Hier könnte gestanden haben: Joh. 16,21: Ein Weib, wenn sie gebiert, hat sie Traurigkeit. Dieser Spruch ist oft Frauen, die im Kindbett gestorben waren, auf den Leichenstein geschrieben worden. Nach ihrer Verehelichung mit Dietrich v.d. Schulenburg hat Anna zunächst in Apenburg gewohnt. Nachdem ihr Ehemann Hauptmann der Altmark geworden war, siedelte das Ehepaar ins "Freihaus" am Dom zu Stendal über. Anna geb. v. Alvensleben wird noch 1585 gestorben sein. In der Kirche zu Kalbe wurde sie begraben. Sie hat wenigstens 4 Kinder gehabt, die sie überlebten.

9.(10.) Grabdenkmal für Albrecht von Pentz an der Südwand des Altarraumes. Er war der Sohn des königl. span. Oberst und Pfandbesitzers des gräfl. Mansfeldischen Amtes Friedeburg. Joachim von Pentz und Margarethe v. d. Schulenburg. Wahrscheinlich war er in Friedeburg geboren. Vereheiratet war er mit Magdalena Salome von Alvensleben, Tochter des Elias von Alvensleben. Gestorben ist er am 21.11.1581 in kalbe. Er ist als Ritter dargestellt, zu seinen Füßen der Helm mit Helmbusch. die Umrandung des Grabdenkmals ist reich verziert. Zu Füßen des Dargestellten befindet sich folgende Inschrift ANNO 1581 DEM 21 NOVEMBR. IST DER EDTLER GESTRENGEN UND ERNVESTER ALBRECHT PENTZE IN GOT ENTSCHLAFEN DER SELE SIE GOT GNEDICH UNDT BARMHERZLICH AMEN.

10.(11.) Grabdenkmal für den v. Alvenslebischen Gesamtrichter Martin Schulze und dessen 2. Ehefrau Sophia Catharina Friederike geborene Stambeke an der Südwand des Altarraumes. Auf zwei reich verzierten Tafeln trägt das Grabdenkmal folgende Inschrift:

linke Seite

Alhier/ruhen die Gebeine/ des Weyl. Hochedelgeb. und/ Hochgelehrten Herrn/Herrn Martin Schulze/Hochadel. v. Alvenslebischen GesamtRichter alhier/ Er war zu Stendal ao 1693 d. 30.Apr. geb./trat so.1725 allhier seine Bedienung an,verhay/ratete sich ao.1727 mit Frauen Louise Sophien Schultzen/ Nachdem diese Ehe durch den Tod ao.1731 d. 25.t Oct./ schon wieder getrennet, schritt er zur zweiten Ehe/mit Fr. Sophia Catharina Friderika Stambeken./ Die 3 Kinder erster Ehe gingen theils vor, theils nach ihrer Fr. Mutter bald zu Grabe. Aus der zweiten Ehe/ sahe Er 7 Kinder, als 3 Söhne und 4 Töchter/ erwachsen u. zum theil verheiratet, von denen er 15/ Enkel und Enkelinnen erlebet. Ao 1763 legte er bey/ herannahendem Alter sein mühsames Amt nieder/ u. suchte in stiller Ruhe, die Ruhe der Ewigkeit!/ Er war ein wahrer Verehrer der Religion/ ein Menschen Freund u. ein rechtschaffender/ Vater seiner Kinder./ Er starb d. 13 Jul 1773 in 81 ten Jahre seines / rühmlichen Lebens mit diesem Gebet/ Vater in deine Hände befehle ich meinen Geist./ Leser, wohl Dir/ Wenn du im Sterben Ihm/ diese Bitte/gläubig nach /beten/ kannst.

rechte Seite:

Auch / ruhen hier/ die Gebeine/ der / Hochedelgeborenen Frau/Fr. Sophie Catharina Friederike Schulze / des wei. Hochedelgeb. Hern Zacharias Heinrich Stambeke/Amtmann in Calbe einzigen Tochter./ Sie wurde im Jahre 1716 d 22 ten Sept. gebohren/ 1733 den 28 ten April mit den Hochadlichen Alvenslebischen Gesamtrichter/Herrn Martin Schultze vermählt/ und in dieser Ehe/Mutter von 7 Kindern nemlich 3 Söhnen/ und 4 Töchtern/ Großmutter von 30 Enkeln u. Enkelinnen/Altmutter von 8 Uhrenkeln u. Uhrenkelinnen/ genoß dis seltene Glück im besten Wohlstande/ bis in ihr 68 tes Jahr 10 M 8 T/ In welchem sie den 8 ten April 1785 als einerechtschaffene Christin den Ihrigen u.allen die sie gekannt haben/ unvergeßlich gefolget ist./Der Alten Krone sind / Kindeskinder/ und der Kinder/ sind ihre /Väter./ Salom.IVIII VI

11.(13.) Grabdenkmal für den Pastor und Inspector Elias Hoffmann, der von 1548-1579 in Kalbe gewirkt hat, im südlichen Seitenschiff der Kirche. Elias Hoffmann ist dargestellt in der damaligen Amtstracht der Prediger. In den Händen hält er ein Buch. Die Umschrift des Grabdenkmals lautet:

ANNO 1579 . 25 APRIL PIE AC PLACIDE IN DOMINO EX HAC VITA MIGRAVIT REFERENDISSIMUS ET CONSTATISSIMUS ELIAS HOFFMANN HUIS ECCLESIAE PASTOR QUAN PRIMUS AB IDOLOMANIA PAPISTERIA VIA DICAVIT ANNOS 31 FIDELISSIME GUBERNAVIT. CUIUS ANIMA IN MANU DIE REQUIESCAT

(Im Jahre 1579 am 25, April ist fromm und still in dem Herrn der ehrwürdige und charakterfeste Elias Hoffmann aus diesem Leben geschieden, Pastor dieser Kirche, welche er als Erster von den papistischen Vorstellungen weg Gott weihte und 31 Jahre in großer Treue leitete. Seine Seele ruhe in Gottes Hand.)

12.(18.) Grabdenkmal für Maria v. Alvensleben geborene v. d. Schulenburg im südlichen Seitenschiff der Kirche. Sie war die 3. Ehefrau des Elias v. Alvensleben, der 1569 in Rogätz starb, Sie war am 9.7.1537 geboren, verlebte ihren Witwenstand in Groß Engersen, starb am 9.8.1581 und wurde in der Kirche in Kalbe begraben. Auch dieses Grabdenkmal hat mindestens 150 Jahre verborgen unter den Kirchenbänken gelegen und ist 1974 wieder aufgerichtet worden. Die Umschrift des Grabdenkmals lautet:

ANNO DEI 1581 DEN 9 AUGUST IST DIE EDLE UND VIELTUGENTSAME FRAU MARIA VON DER SCHULENBURG HERRN ELIAZ VON ALVENSLEBEN SELIGEN NACHGELASENE WIDWE IN GOT DEN HERRN ENTSCHLAFEN UND ALHIE BEGRABEN

13.(19.) Grabdenkmal für Antonia v. Alvensleben geborene v. Mahrenholz an der Südwand des Kirchenschiffes. Sie war die Ehefrau des Achatz v. Alvensleben (+1536) "Erbher auf Calbe und Schenkenhorst". Dargestellt ist sie als betende Frau. Die Umschrift des Grabdenkmals lautet:

ANNO DOMINI 1534 DEN 17 JANUARII IST DIE ERBARE UND VIEL TUGENTSAME ANTONIA VON MAHRENHOLT ACHAT II VON ALVENSLEBEN EHELICHE HAUSFRAU CHRISTLICH IM HERRN ENTSCHLAFEN IHRES ALTERS IN XXX II JAR.

14.(9.) Epitaph für Ludolph (XI) von Alvensleben (+1589), seine Ehefrau Anna geborene von der Schulenburg (+1604) und sein Kind Ludolph (+1575) an der Südwand des Altarraumes vor der Orgelempore. Das über 6 m hohe und 4,20 m breite Epitaphium zerlegt sich in drei horizontal zusammengefügte Teile. Im oberen Teil ist von symbolischen Gestalten flankiert in einem Alabasterreliefs, der Weltenrichter dargestellt. Der mittlere Teil enthält durch allegorische Figuren getrennt Alabasterreliefs, die die Kreuzigung Christi (links), die die Auferstehung Christi (Mitte) und die Himmelfahrt Christi (rechts) darstellen. Vor diesem mittleren Teil knien auf einer breiten Konsole in lebensgroßer Gestalt Ludolph, seine Ehefrau und ihr früh verstorbenes Kind Ludolph (Alabaster).

Der untere Teil des Epitaphiums enthält in 4 aufeinander stehenden Kolonnen nachstehende Inschriften:

A) Clare Ludolphe, tuus post fata Ludophulus infans Ursula in hac posuit mebra tenella sus, Insertusque fide Christo sub flumine sacro. Est factus summo massa renata deo Vixit: sed postquam mundi tot erremina vidit. In gremium rediit, Christe benigne, tuum. Vivus erat mortis, nue dueit uaecula vitae Coelica, dum Christus regna ermore dedit. Ast ubi jam sapist mundi textura ruinam. Ut seferat Christus praemia vera piis. Tune Deus hoe eineres in lueida corpora vertet. Ut certent radiis, candide Phoebe, tuis. Tune pater his natus sum te quoque fata vocaruat Rursus in amplexus candida colla dabit.Anna, tuum sequeris natum sequerisque maritum Anna Schulenburgae stirpa generosa damus.

B) Quos Deus his thalamo vivoe conjunxerat uno, Ursula defunctos nune tegit una duos. Scilicet humanae sors haec est lubrica vitae,

Ut mode qui vivunt, mox obiisse feras Ut folis arboribus riguo creseebtibus horto Protinus haec surguat, protinus illa cadunt Sie quoque nos morimur vitaeque misserimus erde est. Naseimur, hine eineres mox vecat urna suos, Quodque est umbra fugax sese incinstantior ipsa. Hoe vere nosttoe dixeris case dies.

C) Namque breves fugiunt non lentis passibus anni,Atterimur, tandem tessera nostra mori. Spiritus ast horum sublatus in aethere vivit.Vivit et aeternae regna salutis habet. Summa dies veniet, summo quo a sulmino terra Corruet et mundi pulehra theatra candent. Flosculus his tumulis nitido splendore resurget,

Qui vincat radios, splendide Phoebe, tuos. Anna tuum oernes natum, tune Anna maritum Stabuntque seternum gaudia tante tibi. Obiit an M.D.CIV die XIX. April.

D) E regione vides pario sub marmore Bussum, Bussum non uno nomine triste mihi. Nimque sub hac recubat resolutus morte Ludolphus, Alvonum clarus sanquine natus eques, Justiciae custos, sequi verique patronus, Qui fuit et generis gloria vero sui. Non secus ut quondam Danaum fortissimus Aiax. Sie quoque in aeteris, oeu rosa, flore cadis, Erge, Ludolphe, jases, sed non jacet inalyta virtus, Fama vel invita vivare morte solat. Quod monumenta docent exornatacque columnae. Illm tui seternum pignus amoris erunt, Clare Ludolphe vale, coeli dileissimus heres, Inque sinu Christi vive, quiesce, vale. In terris labor est, requies sed duleis in urna In summo venient gaudia summa die.

Wer diese Verse verfaßt hat, ist unbekannt. Zu vermuten aber ist, dass sie dem Inspector Johannes Sinapius stammen, der für die Familie von Alvensleben mehrere Leichenpredigten verfasst und veröffentlicht hat. In freier Übersetzung lauten die Verse:

A) Erhabener Ludolph, dein Sohn Ludolph ist nach dem Tode in dieses Grab gesetzt, das seine Glieder bewahrt. Durch Glauben ist er in heiliger Vollkommenheit Christus beigesellt und ist auf erhabene Weise bereitet, Gott wiedergeboren. Er hat gelebt, jedoch ist er, nachdem er so viel Schuld der Welt gesehen hat, gütiger Christus, in deinen Schoß zurückgekehrt. Als er lebte war er des Todes, nun führt er das Leben in himmlischer Ewigkeit, die Christus durch die Herrschaft des Blutes schenkt. Als er schon das Verderben der Welt erfaßt, gibt Christus den wahren Lohn des Frommen. Gott verwandelt die Gebeine in leuchtende Körper, dass sie mit deinen Strahlen wetteifern, leuchtender Phöbus! Dann Vater, wenn auch dich die Geschicke zurückrufen, wird dieser Sohn dich umarmen in leuchtenden Höhen. Anna, du folgst deinem Sohn und folgst deinem Ehemann, Anna v.d. Schulenburg aus hochedlem Hause geboren.

B) Welche Gott als Lebende hier in einer ehe verbunden hatte, nun deckt ein Grab zwei Verstorbene. Das Los menschlichen Lebens ist Flüchtigkeit, weil die die, die Leben bald sterben läßt.

Wie die Blätter an blühenden Bäumen im fruchtbaren Garten beständig emporstreben, so schnell fallen sie ab. Das ist der armselige Zustand des Lebens, dass auch wir so sterben müssen. Selbst die behagliche Ruhe ist flüchtig und schwankend, so sind in Wahrheit unsere Tage.

c) Die kurzen Jahre fliehen nicht mit behäbigen Schritten , bald sind wir erschöpft, endlich fallen die Würfel des Todes aber der Geist derer lebt erhalten in Ewigkeit, er lebt und besitzt die ewige Herrlichkeit des Heils. Der Letzte Tag kommt, an welchem die Erde vom höchsten Punkte niederstürzt und die herrlichen Spiele der Welt aufhören. Das Blümlein steht wieder aus den Gräbern zu strahlendem Glanz, das deinen Stab besiegt, glänzender Phöbus. Anna, die wirst deinen Sohn sehen und deinen Ehemann und alle himmlischen Freuden der Ewigkeiten werden dir bleiben. Sie starb im Jahr 1604, am 19. April

Gerade gegenüber siehst du, wie ich bezeuge, unter dem Stein Busso, und nicht allein durch diesen einen Namen Busso bin ich traurig gestimmt, denn nun ruht unter solchem auch der durch den Tod aufgelöste Ludolph, geborener Ritter, berühmt durch seine Blutsverwandschaft, ein Hüter der Gerechtigkeit, ein Wahrer des Rechtes und der Wahrhaftigkeit, der geschaffen war zum Ruhm seines Geschlechtes, gerade wie ein kräftiger Ajax der Griechen, aber im Alter, gleichwie die Rose, eine verwelkende Blume. Nun Ludolph, ruhst du, jedoch die gerühmte Kraft ruht nicht wie Monumente und herrliche Säulen lehren, jene aber wird ewig der Beweis deiner Liebe sein. Erhabener Ludolph, lebe wohl, lieblichster Erbe des Himmels. Was auf Erden Mühe ist, liebliche Ruhe im Grabe. Die höchsten Freuden kommen am jüngsten Tage.

Der letzte Vers D) ist noch einmal aufgeschrieben auf einer Tafel, die an der Bälgekammer unter der Orgelempore befestigt ist. Scheinbar hat es früher noch ein Portrait des Ludolph von Alvensleben in der Kirche gegeben, unter dem diese Tafel angebracht war. Übersieht man die barocke Schwülstigkeit der Sprache, so gewähren die Verse doch einen Einblick in die Vorstellungswelt der Zeit um 1600.

Die über der Schrift angebrachten 16 Ahnenwappen spiegeln die Verwandtschaft Ludolphs v. Alvensleben und seiner Ehefrau Anna v.d. Schulenburg wieder, 4 dieser Wappen sind noch nicht endgültig identifiziert.

Für Ludolph sind von der Mitte nach links angebracht die Wappen v. Alvensleben, v. Bülow, v. Moltke, v. Malzan, v. Alten, v. Rohr, v. Malzan, N.N.

Für Anna sind von der Mitte nach rechts angebracht die Wappen v.d.Schulenburg, v. Quitzow, v. Rohr, v,. Arnim, N.N., v.d.Schulenburg, N.N.,N.N..

Von sämtlichen Wappen sind die Helmzierden abgebrochen. Das hat George Adalbert von Mülverstedt in seinem Codex Diplomaticus Alvenslebianus, Band 3 aus dem Jahre 1885 schon festgestellt.

Taufstein und Taufschüssel in der St. Nikolai-Kirche

Der kelchförmige Taufstein unserer Kirche (h 105 cm; /0 88 cm) wird im 16. Jahrhundert entstanden sein. Darauf lassen die Blattornamente und Reliefdarstellungen an der Außenseite schließen. In 5 Reliefs ist dargestellt: die Geburt Christi, die Kreuzigung, die Auferstehung, die Himmelfahrt und das Weltgericht, getrennt durch fünf verschiedene Gesichter. Der innere Hohlraum ist mit einer Metalplatte abgedeckt, die die Taufschüssel aufnimmt. Zwischen 1755 (Umbau der Kirche) und 1841 hat der Taufstein im Turmraum der Kirche gestanden, während man bei Taufen die Taufschüssel auf den Altar stellte. Auch waren gerade in der zweiten Hälfte des 18. Jhdts. Haustaufen weit verbreitet.

Die Taufschüssel ist 1628 von den Eheleuten ARNOLDUS Edler und Elisabeth geb. Volckerling der Kirche gestiftet worden. A. Edler war Amtsverwalter (scriba - Schreiber) bei den v. Alvenslebischen Gesamtgericht und hatte 1627 die Witwe des 1625 verstorbenen Diakonus Bartholomäus Pauli geheiratet. Auf dem äußeren Rand sind die Namen der Stifter eingraviert:

ARNOLDUS..........EDTLER
.......ELISABETH......VOLCKERLING
....ANNO......1628

Die Taufschüssel hat einen Durchmesser von 37 cm, die Vertiefung einen Durchmesser von 22 cm. Der äußere Rand ist neben den Stifternamen durch zwei Ornamentreihen (39 Blumenbündel, 40 kleine Kreuze) verziert. In der Vertiefung ist auf einem kreisrunden Bild die Verkündigung an Maria dargestellt (0/ 17 cm). Rechts im Bild Maria kniend an einem mit reich verzierten Behang versehenen Bet- oder Lesepult, auf dem ein aufgeschlagenes Buch liegt. Maria’s Umhang reicht bis in die Mitte des Bildes. In der Mitte außerdem ein zweihenkeliger Blumentopf, aus dem 7 Blumenstengel mit Blüten wachsen, darüber der Heilige Geist in Gestalt einer Taube mit ausgebreiteten Flügeln, von denen Strahlen ausgehen. Links im Bild der kniende Verkündigungsengel, der in der linken Hand einen reich verzierten Stab hält. Das Bild ist eingefasst durch ein 2,5 cm breites Schriftband, auf dem sich 4 mal 11 aneinandergereihte Schriftzeichen (Buchstaben ?) wiederholen. Es ist viel darüber gerätselt worden, was diese Schriftzeichen bedeuten sollen, jedoch bis heute konnte noch keine Erklärung gefunden werden. Heinrich Otte, Kunst-Archäologe, Bd.I S.434 schreibt dazu: Zu unverdienter Berühmtheit gelangt sind wegen ihrer, wie es scheint, gesuchten Rätselhaftigkeit die Inschriften auf den, dem XV. bis XVII Jahrh. entstammenden, weit verbreiteten Messingschüsseln.

Unsere Taufschüssel weist die Schriftzeichenreihe:

R A H E W I S H E B I

auf , wenn man das kleine undeutbare Zeichen zwischen I und R als Trennungszeichen annehmen will.


Quellen im Inhaltsverzeichnis
.....aus einer Schrift zu 1.000 Jahre Kalbe(M) von Pfarrer S. Schneider
.....ergänzt von H. Krüger

 
 
 
 
 
   
  
 

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