Geschichten über Kalbe Milde
 

 



 

 

Das älteste Kirchenbuch von Kalbe(Milde)
 

Nur wenige Gemeinden besitzen Kirchenbücher aus der Zeit vor dem 30 jährigen Kriege. Eines der ältesten Kirchenbücher ist für die Dörfer Groß- und Klein-Gischau bei Beetzendorf erhalten:"Beider Giskow Buch ANNO 1602". Diese Kirchenbuch enthält Eintragungen seit der Mitte des 16. Jahrhunderts und ist von dem Pfarrer Albert Neuß vorbildlich geführt worden. Das älteste Kirchenbuch von Kalbe beginnt 1627 und reicht bis zum Jahre 1687. Es ist ein schmaler Band 10 cm breit und 32,5 cm hoch, umfasst 172 Blätter, wovon 342 Seiten beschrieben sind. Die erste Eintragung ist datiert vom 3. Januar 1627, die letzte vom 29. Dezember 1687. der alvenslebische Gesamtrichter Dr. Konrad Köler hat das Buch der Kirche geschenkt und folgende Pfarrer haben Eintragungen in das Kirchenbuch vorgenommen:

Siman Struve 1. Blatt(3.1.1627)-79.Blatt(13.11.1656)gut lesbar
Michael Dahle 79. Blatt(16.11.1656)-81.Blat (14.3.1658)schwer lesbar
Friedrich Gesenius 82.Blatt (17.03.1658) - 108. Blatt (20.10.1667) Lücken !
Michael Dahle 108. Blatt(31.10.1667) - 110. Blatt (4.12.1668) schwer lesbar
Udalricus Zobel 110. Blatt (Dez. 1668) - 113. Blatt (11.9.1670) schwer lesbar
Michael Dahle 113. Blatt (25.9.1670) - 115. Blatt (22.11.1672 schwer lesbar
Johann Chr. Henrici 115. Blatt (1.12.1672) - 171. Blatt (29.12.1687) gut lesbar

Auf der ersten Seite steht:

Der Herr Conradus Kölerus, der rechten Doctor hatt diß buch der Kirchen Verehret den 5.Febr. Anno 1627

Auf der nächsten Seite steht:

ANNI M.D.C. XXVII
Januarius
Hans Mechau Haußfraw begraben in partus dificult (ate) extincta
Brend Jacobs
Die alte beitkensche auf Stefen Strubs Hause gestorben

Getrauet Andres Dannehl von wypke mit Anna Probsts Claus Steffen S.(elig) hinterlass. Witwe

Die Barthel STraußen begraben Februarius

M.Simon Struvius Introductus a M.Paulo Custerio Gardeleg Eodem die Andres Dannehls Stieffsohn begraben

Der Schwenischen Sohn getauft Andres comp. Joachim Straßbergk, Andres Otte, die Meyersche
Trine Fricke Beustes wittwe ein Hurkind taufen laßen Greta genand, welches sie unter Konigs in Dennemark Soldaten geworben. Der Vater soll Jürgen heißen ein
Kleinschmidt seines Handwerks
Comp. Henning Kramersche
Anna Neyling
Greta wassermüllers Magd
Gabriel Schütze Ilse Mewes und noch ein Kramer
in Joachim Meyers Hause

Soweit die ersten Eintragungen im Kirchenbuch.

Gehen wir einmal den Lebensweg des zuerst im Kirchenbuch genannten Hans Mechau nach, so lernen wir ein Schicksal kennen, deren es in Kalbe viele gegeben hat.

Hans Mechau war Krüger und Gastwirt. Am Mittwoch, dem 3. Januar 1627 lässt er seine Frau begraben, die im Kindbett gestorben ist (in partus dificultate extincta). Das Kind ist am Leben geblieben und scheinbar hat er schon andere Kinder aus dieser Ehe. Darum ist es nicht verwunderlich, dass er schon am 9.Oktober 1627 wieder heiratet und zwar Anna Straß. Am Freitag, dem 11. Juli 1628 lässt H. Mechau das erste Kind seiner zweiten Ehe Anna taufen und hat dazu angesehene Bürger als Paten eingeladen: Johann Thile, der Ratsherr ist, Jacobus Guilleth, ein Büchsenmacher, der später auch einige Jahre Bürgermeister sein wird, Joachim Schultze, Bauer aus der Neustadt (heute Stendaler Straße), der ebenfalls Ratsherr ist, Claus Jerchows Frau, sie hieß Christine und war eine geborene Krüger aus Brunau, starb 1636 an der Pest, und Henning Kramersche, das war die Frau des Krämers Henning Thielecke Marie geb. Roloff. Thielecke selbst war ebenfalls Ratsherr und Kirchenvater, ein sehr angesehenen Mann. Am 4. August 1629 lässt Hans Mechau eine Tochter begraben, 12 Tage später wird ihm eine Tochter Lisbeth geboren. So eng liegen Geburt und Tod beieinander. Und wieder sind zur Taufe der Bäcker Peter Schultze, der Rathsherr und Bauer Joachim Schultze, die Frau des Valentin Könen, Caspar Kelbach und der alvenslb. Schreiber Johannes Meyer geladen. Am 23.2.1632 wird seine Tochter Margaretha getauft, die aber schon 10 Tage später wieder begraben wird, am 30.08.1633 wird eine Tochter Ilsabe getauft, die das Unglück, das über die Familie kommen soll, überstanden hat.

1636. Die Pest kommt. Am 20. August wird die erste Pestleiche in Kalbe begraben. Zwei Tage später sind Hans Mechau Zwillinge geboren, die er zu Hause nottaufen lässt. Dann aber geht es Schlag auf Schlag. Am Dienstag, dem 6. Sept. lässt Mechau ein Kind begraben, das zusammen mit zwei anderen Kindern in ein Grab gelegt wird. Freitags darauf, es ist der 9. Sept. wird Hans Mechaus kleines Kind begraben und 2 Tage später Hans Mechaus Magd, Kersten Schmidts Tochter aus Estedt. Innerhalb einer Woche drei Pesttote in einer Familie. 3 Wochen später stirbt Hans Mechau selbst an der Pest und wird am Sonntag, 2. Okt. begraben, wenige Tage danach am 5. Okt. Hans Mechaus "saugend Kind". Mechauss Witwe und wenigstens eine Tochter haben die Pest und den Krieg überlebt. Vielen Familien ist es damals ähnlich ergangen und als die Pest im Dezember 1636 aufhörte, stand manches Haus in Kalbe menschenleer. Am Ende des Jahres zog der Pastor Simon Struve eine traurige Bilanz. 28 Kinder, darunter mehrere Soldatenkinder waren getauft worden, über 150 Menschen waren der verheerenden Seuche zum Opfer gefallen, d.h. jeder 4. Einwohner der Stadt war gestorben.

Das Kirchenbuch gibt auch Zeugnis von manchem tapferen Helfer in dieser schweren Zeit. Da war der Bader und Wundarzt Meister Hans Kech, der sicher in diesen Monaten viel unterwegs war, den Kranken beizustehen. Im Januar 1637 ist er selbst an der Seuche gestorben. Von Dannieß Valedick heißt es, dass er sich in Pesthäusern gebrauchen ließ. Er wird sicher viele Tote eingesargt haben. Das war ganz gewiss nicht ungefährlich, denn bei manchen Eintragungen steht der Vermerk, dass sich niemand gefunden hat, die Toten in den Sarg zu legen. Aus diesem Grunde sind verschiedene Pesttote gleich in den Gärten hinter ihren Häusern begraben worden. Dannieß Valedick ist am 9. Sept. begraben. "In gartzen hauß" lebte die Wartfrau (ihr Name ist nicht genannt), die in der Pest in die Häuser gegangen ist. Am 3. Oktober wurde auch sie begraben. Auch die Pfarrer wurden oft zu den Kranken und Sterbenden gerufen.

Nach den Pestjahren von 1612 und 1626 war das Jahr 1636 das schlimmste Pestjahr, das Kalbe im 17. Jahrhundert erlebt hatte.


Quellen im Inhaltsverzeichnis
.....aus einer Schrift zu 1.000 Jahre Kalbe(M) von Pfarrer S. Schneider
.....ergänzt von H. Krüger

 
 
 
 
 
   
  
 

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