Geschichten über Kalbe Milde
 

 



 

 

Die Pfarrer in Kalbe nach der Reformation
 

Wie schon am Ausgang des Mittelalters wurde nach der Reformation an 3 Pfarrstellen in Kalbe festgehalten. In der 1. Pfarrstelle der Inspektor (Superintendent) für sämtliche alvenslebischen Pfarrer, in der 2. Pfarrstelle der Archidiakonus und Pfarrer von Vahrholz, in der 3. Pfarrstelle der Diakonus, der Wernstedt mit zu versorgen hatte.

Die Pfarrer von Kalbe seit der Reformation (16.Jhdt.) bis zur Auflösung der 3. Pfarrstelle 1742 (18. Jhdt.)

1. Pfarrstelle:

1548 - 1579, Elias Hoffmann
1580 - 1606, Johannes Sinapius
1606 - 1626, Jonas Nicolai
1627 - 1656, Simon Struvius
1658 - 1667, Friedrich Gesenius
1668 - 1670, Uldaricus Zobel
1672 - 1724, Johann Christoph Henrici
1724 - 1757, Goclenius, Johann Christian
1758 - 1783, Supert, Friedrich Wilhelm
1784 - 1816, Ewald, Johann Georg Reinherz
1817 - 1823, Ragotzky, Carl August
1823 - 1831, Schrick, Friedrich August Georg
1831 - 1875, Wagner, Carl Gottlieb Moritz
1875 - 1916, Müller, Ludwig Carl Julius
1917 - 1932, Mosenthin, Martin Richard
1943 - 1957, Baumann, Wilhelm Fürchtegott
1957 - 1961, Martz, Paul
1961 - 1987, Schneider, Martin Siegfried
1988 - 2010, Neumann, Christoph
2010 - Dieter Borchert

2. Pfarrstelle:

um 1541/ 42, Stephan Ruloff
um 1565, Palm Lonemann
um 1577/1581, Abel Hochlingius
1590 - 1630, Jacob Beneckam
1632 - 1675, Michael Dahle
1676 - 1694, Kaspar Pinnow
1696 - 1722, Erdmann Bindemann
1722 - 1736, Johann Jakob Schröder
1736 - 1743, Jakob Boeldike
1743 - 1786, Hahn, Gebhard August
1786 - 1800, Felgentreber, Johann Heinrich
1800 - 1823, Schrick, Friedrich August Georg
1823 - 1828, Wehmeier, Ludwig
1828 - 1842, Oelze, Otto Wilhelm
1842 - 1850, Franke, Johann Friedrich
1850 - 1863, Knauth, Rudolf Moritz
1863 - 1868, Wernecke, Otto Ernst
1868 - 1875, Müller, Ludwig Carl Julius
1875 - 1879, Genest, Julius August David
1880 - 1883, Bodenburg, Hermann Adolf
1884 - 1889, Tetzner, Hermann Rudolf Robert
1889 - 1894, Schmidt, August Matthias Friedrich
1894 - 1905, Niehus, Carl Johannes Martin
1905 - 1909, Henkel, Fritz
1910 - 1912, Mosenthin, Martin Richard
1913 - 1916, Kinzel, Friedrich Gerhard
1932 - 1934, Brandenburger, Kurt

3. Pfarrstelle:

um 1577/1581, Johannes Crüger
vor 1600, Georg Schwanberger
1601 - 1614, Johannes Markus
1615 - 1625, Bartholomäus Pauli
1626 - 1639, Wedige Wigand (Wiebeck)*
1646 - 1679, Johannes Beyer
1680 - 1696, Matthias Schlicht
1698 - 1723, Ernst Otto
1724 - 1732, Christoph Friedrich Reimann
1732 - 1735, Christian Friedrich Saalfeld
1740 - 1742, Friedrich Wilhelm Supert

Im 17. Jhdt. ist der Übergang aus der 3. in die 2. Pfarrstelle nicht feststellbar gewesen, so dass die Amtsträger in der Pfarrstelle aufgeführt sind, in der sie zuletzt tätig waren. * Der Familienname dieses Pfarrers ist noch nicht mit letzter Sicherheit feststellbar gewesen. Entweder hieß er Wigand oder evtl. Wiebeck, da er oft W.Wigand Wiebisse od. Wiebiche od. Wiebeche genannt wird. Wiebisse u.ä. kann auch den Herkunftsort bezeichnen.

Elias Hoffmann Pastor und Inspektor in Kalbe 1548 - 1579

geboren 1518 in Budweis / Böhmen. Über seine Kindheit und Jugend wissen wir nichts. Um seines evangelischen Bekenntnisses willen aus Böhmen vertrieben, studierte er in Wittenberg um 1540 u.a. bei Martin Luther und Philipp Melachthon. Er hatte die theologische Doktorwürde erworben, kam (wahrschl.) im Todesjahr Luthers 1546 nach Lenzen / Elbe ins Pfarramt und wurde 1548 nach Kalbe berufen. Am 20. März 1547 hatte er während seiner Lenzener Zeit Engel Franke, Tochter des Petrus Franke, geheiratet. Insgesamt wurden ihm 11 Kinder geboren, wovon aber 6 bald nach der Geburt wieder starben. Unter den Paten seiner Kinder waren Mitglieder der Familie v. Alvensleben, Pfarrer und Pfarrfrauen der Umgebung, die Generalsuperintendenten Johann Lüdecke und Simon Sinapius aus Stendal, aber auch Bürger aus Kalbe (Petrus Koch, Vicke Wallstawe, 1551, Dietrich Konig, 1558). Nach 24 jähr. Ehe starb am 3.5.1571 seine Ehefrau. Zu diesem Zeitpunkt waren 3 seiner Kinder noch minderjährig. Bei der Familie v. Alvensleben stand Elias Hoffmann in hohem Ansehen, was daraus hervorgeht, dass ihm 1555 von der Familie das Haus geschenkt wird, das an der Südwestecke des Kirchenplatzes (bis 1929) gestanden hat.

Joachim von Alvensleben-Erxleben bat ihn, für sein im Jahre 1566 verfasstes "Glaubensbekenntnis" ein Votum abzugeben, das unter dem 17.7.1566 datiert ist.

Außerdem gehörte er zu den Vormündern der Söhne des Elias v. Alvensleben (+1569). Während seiner Amtszeit in Kalbe sind umfangreiche Bauarbeiten am Pfarrhaus (1569) und an der Kirche (1569 und 1573) ausgeführt worden 1577 hat er in Stendal die Konkordienformel unterschrieben. E. Hoffmann hat der Kirche zu Kalbe seine umfangreiche Privatbibliothek hinterlassen.

Am 25. April 1579 ist Elias Hoffmann im alter von 61 Jahren in Kalbe gestorben. Er wurde in der Kirche begraben, wo sich heute noch im südlichen Seitenschiff sein Leichenstein befindet. Sein 1551 geborener Sohn Johannes hat 1572 - 74 das Pädagogium Illustre in Gandersheim besucht und danach an der neugegründeten Universität Helmstedt studiert.

Seine 1564 geborene Tochter Katharina hat später einen Pfarrer an St. Jacob in Magdeburg geheiratet. Von dem Verbleib der anderen Kinder wissen wir nichts.

Seiner Mutter, die 1549 in Budweis gestorben war, wurde wegen ihres evang. Glaubens ein ordentliches Begräbnis verweigert. Sie wurde von Glaubensbrüdern auf einem Bergwerksgelände in Budweis begraben.

Johannes Sinapius (Senf) Pastor und Inspektor in Kalbe 1581 - 1605

Um 1537 soll er in Stendal geboren sein. Bisher waren aber seine Eltern nicht zu ermitteln. Genannt wird er zuerst, als er am 16.2.1560 in Wittenberg immatrikuliert wurde. Er soll auch in Greifswald studiert haben.

1564 verfasste er als "ludimoderator Calbensis" (Schulmeister in Kalbe) ein lateinisches Gedicht auf den Tod Alberts von Alvensleben (+26.5.1564), das auch gedruckt wurde.

Aber schon zwei Jahre später, am 12.5.1566 wurde er als Pfarrer in Bismark von Generalsuperintendent D. Simon Sinapius aus Stendal eingeführt, wo er 15 Jahre blieb. Als Pfarrer von Bismark hat er 1577 im Dom von Stendal die Konkordienformel unterschrieben. Die v. Alvensleben beriefen ihn nach Elias Hoffmanns Tod in die Pfarrstelle Kalbe, die er 1581 angetreten hat. Unterdessen hatte er noch verschiedene lateinische Gedichte und Epitaphien anlässlich von Familienereignissen in der v. Alvenslebischen Familie geschrieben und auch veröffentlicht.

Aus seiner Amtszeit in Kalbe erfahren wir wenig von ihm. Überliefert ist nur, dass ihm 1595 seine Ordinations- und Konfirmationszeugnisse verbrannt sind. Sein Todestag ist unbekannt geblieben. Er muss aber um das Jahr 1605 gestorben sein.

J. Sinapius ist verheiratet gewesen, denn seine Ehefrau hat ihn überlebt. Sein Nachfolger Johann Nicolai berichtet, "dass da sein Antecessor (Vorgänger), Er Johann Sinapius s(elig) gestorben, und die Wittibe, die Pfarr räumen müssen, sie alles aus der Pfarre mit sich hinweg genommen, also dass nichts als die Bloße vier Wände im Hause, aufm Hofe, ein Trog Beym Brun, und im Stalle, die lange Krippen und ein alter Kum geblieben."

Der Name der Ehefrau Sinapius ist nicht bekannt.

Wie viele Kinder Sinapius gehabt hat, ist nicht überliefert. Zwei Söhne von ihm Joachim und Konrad Sinapius haben 1593 ein Studium an der Universität Helmstedt begonnen. Seine Tochter Anna war mit dem Diakonus Georg Schwanberger verheiratet.

Jonas Nicolai Pastor und Inspektor in Kalbe 1607 - 1626, geboren im Juli 1579 in Kölzow/Mecklenburg als Sohn des Predigers Bernhard Nicolai und dessen Ehefrau Anna geborene Schmied, die in Magdeburg geboren war. Schon früh kam der junge Nicolai zu einem Verwandten nach Amfurt, wo er 10 Jahre lebte und unterrichtet wurde (etwa 1585 . 1595). Seine theologische Ausbildung erhielt er zunächst an der Universität Helmstedt (1595 - 1597),
( beim Studium der Unterlagen der Matrikel der Universität Helmstedt (1576-1810) fiel Herrn V. Limburg auf, das ein Jonas Nicolai sich ca 10 Jahre im Amfurt aufhielt und in Helmstedt studiert hat. In den Matrikeln, die von Zimmermann zusammengestellt worden sind, hat Herr Limburg folgendes zu Nicolai gefunden:
1. Am 3.10.1594 wurde immatrikuliert für das 35. Semester ein Johannes Nicolaus aus Gatersleben(Gaterslebiensis)
2. Am 27.04.1595 wurde Johannes Nicolai (vorher Nicolaus) zum Convikt, Tisch 5, zugelassen.
3. Am 06.10.1614 wurde für das 74. Semester immatrikuliert ein Jonas Nicolai aus amfurt (Amfurtensis), der am 12.01.1615 zum Convikt, Tisch 7 zugelassen wurde. Am 19.09.1615 ist er aus dem Convikt ausgeschieden (ob freiwillig oder aufgrund undisziplinierten Verhaltens ist unbekannt, wegen der äußerst kostengünstigen Verköstigung im Convikt könnte man aber letzteres vermuten) Mit Datum 13.10.1624 wurde Jonas Nicolai zum Pastor im Amfurt ordiniert. Es wird vermeutet, daß es sich hier um einen Verwandten unseres Jonas Nicolai handelt.
4. Ein Mathias (Mattheus) Nicolai wurde am 04.01.1575 immatrikuliert. Er stammt aus Domersleben.
5. Am 23.10.1612 schreib sich ein Martinus Nicolaus aus Westeregeln für das 70. Semester ein. Ob es sich bei diesen verschiedenen Nicolai um Verwandte handelt ist offen.)
er ging dann von 1597 bis 1602 an die Universität Rostock und beendete sein Studium 1602-1605 an der Universität Wittenberg. Nach de, Studium war er 2 Jahre als Rektor (rector scholae) in Amfurt tätig und wurde 1607 von denen von Alvensleben in die Pfarrstelle Kalbe berufen. Im Pfarrhaus fand er nichts als die bloßen vier Wände vor, obwohl es damals üblich war, gewisses Mobiliar dem Nachfolger zu überlassen. 1611 wurde in einem Inventarium festgelegt, dass Nicolai folgendes Mobiliar bei der Pfarre belassen müsse: "Eine weiße Himmelaponda (Bettgestell) gar schön verfertigt, in der obersten Kammer, an der Studierstuben stehend. Die Fußbänke hätte er selber machen lassen, Eine andere neue Sponde, zum Haupte frei hoch gemacht, in der Cammer stehend, Zween Tische, oben grün und gel angestrichen, Ein Tisch samt der Schubladen in Caved stehend, Alle Bänke in 3 Stuben unten und oben, der längste Schweinetrog".

Verheiratet war Jonas Nicolai mit einer geborenen Voß, Brauerstochter aus Magdeburg. Über seine Kinder wissen wir nichts.

Im November 1626 ist Nicolai von Kalbe weggezogen, um eine Pfarrstelle an der Heilig-Geist-Kirche in Magdeburg zu übernehmen, und hat dort am 24.11. seine Antrittspredigt über Jona 3,1-5 gehalten. Wenige Jahre nur hat er in Magdeburg verbracht. Bei der Belagerung und Zerstörung Magdeburgs 1631 hat er alles verloren und wurde mit 2 anderen Pfarrern von den kaiserlichen Truppen gefangen nach Elbenau geführt. Nach 4 Tagen konnte er gegen Zahlung von 200 Talern Lösegeld freikommen. Lange hat es ihn aber nicht mehr in Magdeburg gehalten. Im März 1632 übersiedelte er nach Lübeck, wo er zum Hauptpastor am Dom berufen worden war. 14 Jahre konnte er dort noch wirken. Am 6. März 1646 erlitt er während der Predigt auf der Kanzel von St. Marien einen Schlaganfall. 8 Monate lag er krank und starb am 7. November 1646 in Lübeck. Hinter der Kanzel des Lübecker Doms ist er begraben worden.

Simon Struve Pastor und Inspektor in Kalbe 1627 - 1656

In der Zeit, in der der 30 jährige Krieg auch Kalbe erreicht hatte, übernahm Simon Struve das Pfarramt und er hat mit der Gemeinde hier schwere Jahre durchleben müssen. Geboren war Simon Struve am 06. Februar 1591 in Estedt, Sein Vater Hermann war von 1571 - 1605 Pfarrer in Estedt. Im Todesjahr des Vaters bezog der 14-jährige die Universität Helmstedt und scheint die ganze Studienzeit dort geblieben zu sein. am 11. Juli 1616 hat er als "Rector scholae Hemstadiensis" (Schulrektor) die Magisterwürde erlangt und ist bis zum Dezember 1617 im Helmstedter Schulamt geblieben. Einer Berufung ins Pfarramt nach Bismark folgend, ist er dort am 7.12.1617 von seinem Kalbenser Vorgänger Jonas Nicolai eingeführt worden. In Bismark hat er im April 1618 mit Gesa Pabst seine erste Ehe geschlossen. In dieser Ehe sind ihm 3 Söhne: Theodor Jona, Heinrich Julius und Simon geboren, wovon der Erstgeborene nach einem Jahr wieder verstarb. Auch scheint seine erste Ehefrau bald nach der Geburt des dritten Sohnes gestorben zu sein, denn Simon Struve war in 2. Ehe mit Anna Decke aus Helmstedt verheiratet, wie auf seinem Leichenstein in der Kirche geschrieben steht. Seine 1622 geborene Tochter wurde Anna genannt und es ist zu vermuten, dass diese Tochter das erste Kinde der 2. Ehe war, da man gern den erstgeborenen Kindern den Vornamen der Eltern gab. Insgesamt 7 Kinder wurden Struve in Bismark geboren, als er jedoch im Februar 1627 als Nicolais Nachfolger nach Kalbe berufen wurde, waren nur noch 3 Kinder am Leben. Eingeführt wurde Simon Struve in Kalbe am 2. Februar 1627 durch den Gardelegener Superintendenten Paul Cöster (auch Küster). 5 Tage danach wurde sein Sohn Conrad geboren, der später Pfarrer in Mieste war. Bei seiner Einführung wurde ihm von dem Alvenslebischen Gesamtrichter Dr. Conrad Cöler aus Zichtau, der auch bei seinem Sohn Conrad Pate war ein Kirchenbuch geschenkt, das Struve gewissenhaft und gut leserlich geführt hat und das heute noch als das älteste Kalbenser Kirchenbuch 1627 - 1687 erhalten ist. 1634 hat Struve von dem Hoffmanschen Erben das Haus M Kirchplatz gekauft, das später seine Tochter Elisabeth-Lucia geerbt hat, die es bei ihrer Verheiratung mit dem Pfarrersohn Johann Stappenbeck 1665 mit in die Ehe bringt (das Stappenbecksche Haus). Als am 25. Mai 1636 Kalbe von den Schweden geplündert wird und "man unchristlich mit Leuten gehandelt" flieht Struve mit seiner Familie und "fast gantz Calbe" nach Gardelegen. Erst einen Monat später am 26. Juni hat Struve wieder eine Beerdigung in Kalbe ins Kirchenbuch eingetragen. Aus den Bemerkungen, die Struve hin und wieder ins Kirchenbuch eingetragen hat, kann man ersehen, dass er ein Mann war, dem Feindseligkeiten und Streit, Unregelmäßigkeiten und Sittenlosigkeit zuwider waren. Trotzdem ist es dem Inspektor Struve nicht erspart geblieben, dass es zwischen ihm und seinen beiden Amtsbrüdern im Archidiakonat (Michael Dahle) und Diakonat Johannes Beyer zu Differenzen über das Beichtsitzen kam. Gelegentlich der Visitation im Jahre 1648 sind diese durch die Visitatoren dahin beigelegt worden, dass "den beiden Diakonis das Beichtsitzen allein verbleiben sollte, während der "Pastor" sich das Beichtsitzen auf die 4 Feste Neujahr, Ostern, Johanni und Michaelis vorbehielt, wie ihm auch freistehen sollte, den Patronis, den Alvenslebischen Richter und Fremden, die es von ihm begehren würden, die Beichte zu hören".

Am 16. November 1656 ist Magister Simon Struvius, Pastor und Inspektor allhir gestorben u. am 26. huius in praesentz des H.HauptMannes d Alten Marck Ach. von d. Schulenburg u. des gantzen adligen Geschlechtes derer von Alvensleben wie auch der gantzen Bürgerschafft dieses ortes ehrlich u. Christlich mit einem Leichsermon über den Text 2. Tim.4: Ich habe einen guten Kampf gekämpfet begraben." Seine Ehefrau und 7 seiner 16 geborenen Kinder haben ihn überlebt. Zwei seiner Söhne wurden Pfarrer in Mieste und Zichtau.

Friedrich Gesenius Pastor und Inspektor in Kalbe 1658 - 1667

Nachdem im November 1656 der Inspektor Simon Struve gestorben war, blieb die 1. Pfarrstelle in Kalbe über ein Jahr unbesetzt. Im Februar 1658 kam Friedrich Gesenius nach Kalbe. Er war am 19. Januar 1624 in Holtorf bei Gartow als Sohn des Pfarrers Joachim Gesenius und dessen Ehefrau Elisabeth geb. Seuffert geboren. Über seine Kindheit und Schulzeit in den schlimmsten Jahren des 30 jährigen Krieges wissen wir nichts. Lediglich ist uns die Notiz erhalten, dass sein Vater 1646 "wegen Hungers" Holtorf verließ und die Pfarrstelle Muchow in Mecklenburg übernahm. An verschiedenen Universitäten hat Friedrich Gesenius Theologie studiert, zuletzt Mitte der 50 ger Jahre in Basel, wo er die Magisterwürde erwarb, und in Tübingen. Nach seinem Studium trat er als Hauslehrer in den Dienst der Familie von Knesebeck bis zu seiner Berufung nach Kalbe. Am 28. Februar 1658 wurde er hier von dem Gen. Sup. Johann Stralius aus Stendal in sein Amt eingeführt und noch im gleichen Jahr am 3. Juni heiratete er in Kalbe Anna Margaretha Völker, die aus angesehenem Hamburger Hause stammte. Fast 10 Jahre blieb Gesenius in Kalbe. Während dieser Zeit wurden ihm 3 Söhne und 2 Töchter geboren. Der älteste Sohn Burchardt Hempe G. war später Pfarrer in Beetzendorf. Kurz vor Weihnachten 1667 wurde Friedrich Gesenius als Superintendent in Gardelegen von Gen. Sup. Matthias Bugäus eingeführt. Aus seiner Gardelegener Zeit ist eine Notiz erhalten, die Aufschluss gibt über seine Stellung zu den kirchlichen Auseinandersetzungen der damaligen Zeit, wenn es heißt, "dass er die friedlichen und günstigen Gesinnungen gegen die Reformierten verließ, wodurch er in weitläufige Händel geriet." Das kann ja nur heißen, dass er zunehmend lutherische Positionen vertrat und das in einer Zeit, als sich die Landesherrschaft dem reformierten Bekenntnis verpflichtet fühlte. Waren solche "Händel" für Gesenius ein Grund, das Kurfürstentum zu verlassen ? Jedenfalls wurde er 1680 zum Generalsuperintendenten nach Parchim / Mecklenburg berufen. Am 6, Oktober 1680 wurde er in Parchim in sein neues Amt eingeführt, aber bereits am 15. Dez. des gleichen Jahres ist er dort gestorben. Begraben wurde er am 22. Dez. in der Parchimer St. Georgs Kirche. Seine Witwe hat später in Seehausen /Altm. und Kloster Neuendorf gelebt und ist am 27. Jan. 1692 in Kloster Neuendorf gestorben.

Uldaricus Zobel Pastor und Inspektor in Kalbe 1668 - 1670

Nur 2 ½ Jahre ist Uldaricus (od. Ulrich) Zobel geistlicher Inspektor in Kalbe gewesen, die kürzeste Zeit von allen, die seit der Reformation in dieser Pfarrstelle waren, aber sicher war er schon um die 60 Jahre alt, als er nach Kalbe kam. Er wird also vor 1610 geboren sein. Vermutlich ist er in Wolmirstedt geboren, wo sein Vater, Georg Zobel, 2. Bürgermeister war. Seine Mutter, Agnes geborene Müller, war die Tochter eines Wolmirstedter Bürgermeisters. Die Familie Zobel führte ihr Herkommen auf eine angesehene fränkische Familie zurück (Würzburg). Zobel’s Großvater , Georg Zobel, trat als Oberstwachtmeister in erzbischöfl. magdeburgische Dienste und war Hauptmann des Amtes Dreyleben. Über Zobel’s Kindheit und Ausbildung wissen wir nichts. Ein erstes Lebenszeichen von ihm erhalten wir durch die Besoldungslisten der Stadt Seehausen/Altm. Am 18.1.1633 hat Uldaricus Zobel die Rektoratsstelle an der Seehäuser Schule angetreten. Dort ist er 11 Jahre geblieben, ehe er 1644 die Pfarrstelle in Bombeck übernahm. 24 Jahre war er Pfarrer in Bombeck bis zu seiner Berufung 1668 nach Kalbe. am Sonntag Reminiscere (16 Febr.) wurde er hier von Gen. Sup. Matthias Bugäus aus Stendal in sein Amt eingeführt. Verheiratet war Zobel mit Sophie geb. Stützer, Tochter des braunschweigischen Kammerdieners und Justitiars Georg Stützer in Hankensbüttel und dessen Ehefrau Angela geb. Axenfels. Es wird aber Sophie geb. Stützer seine 2. Ehefrau gewesen sein, da sie erheblich jünger als Zobel war, hat sie doch nach seinem Tode seinen Nachfolger Henrici geheiratet und diesem 1678 noch einen Sohn geboren. Das legt auch eine seiner Bedingungen nahe, die er stellte, ehe er das Amt Kalbe übernahm, dass "für den Fall seines Absterbens für seine Witwe gesorgt werden müsse, wie es in Bombeck geschehen" Nur kurze Zeit hat Zobel in Kalbe gewirkt. Am 18. Sept. 1670 ist er gestorben und wurde am 2. Okt. "in ansehnlichem Comitat allerhand Standespersonen" begraben. Die Leichenpredigt über Hohelied 7,10 hielt ihm der Archidiakonus Michael Dahle. Ein halbes Jahr vor seinem Tode wurde ihm noch ein Sohn, Burghard Levin , geboren. Seine Tochter, Agnes Sophie, heiratete 1675 den Salzwedeler Superintendenten Johann Heinzelmann. Eine andere Tochter, Margarethe Elisabeth, die 1680 den Diakonus Matthias Schlicht in Kalbe heiratete, wurde die Mutter des bekannten Kirchenliederdichters Johann, Levin Schlicht.

Johann Christoph Henrici Pastor und Inspektor in Kalbe 1672 - 1724

Die Wiederbesetzung der Pfarrstelle verzögerte sich nach dem Tode Zobels. An seiner Stelle wollten die v. Alvensleben Bernhard Friedrich Zieritz berufen, der zwar noch Studiosus war, aber 9 Jahre auf Akademien studiert hatte. Der Kurfürst wies diesen Kandidaten zurück mit der Begründung "zum Prediger möchte er wohl tüchtig sein, aber zum Inspectorate sollten gelehrte Leute oder die dem Predigeramt schon eine Zeitlang rühmlich vorgestanden haben, genommen werden." Wahrscheinlich aber war Zieritz dem Kurfürsten und seinen Räten zu "lutherisch", wurde doch in der Stellungnahme des Konsistoriums daran erinnert, dass die beiden Vorgänger in Kalbe, Friedrich Gesenius und Uldaricus Zobel, "Calixti imitatores in docende" gewesen seien, was doch nur heißen konnte, dass sie eine vermittelnde Position zwischen lutherischen und Reformierten vertreten hatten, während eine solche Einstellung von Zieritz nicht erwartet wurde. Zieritz war später Pfarrer in Altenweddingen b. Magdeburg und starb 1701 als Superintendent in Kyritz.

Im Sommer 1672 präsentierten die v. Alvensleben in Johann Christoph Henrici dem Kurfürsten einen neuen Kandidaten für die Pfarrstelle in kalbe. Henrici war den v. Alvensleben von dem Landrat Hans Christoph v. Katte empfohlen worden, bei dessen Sohn er als Hauslehrer tätig war. Auch verwendete sich Henrici’s Onkel, Johann Havemann, der kurfürstlicher Musikdirektor und Kantor am Dom zu Cölln (Berlin) war, für ihn. Am 11. Okt. 1672 erhielt Henrici die kurfürstliche Berufung, wurde am 1. November in Stendal ordiniert und trat Anfang Dezember die Stelle in Kalbe an. Zu den Bedingungen, unter denen Henrici die Pfarrstelle übernahm, gehörte es wohl, dass er die Witwe seines Vorgängers mit ihren Kindern versorgte. Nach einigen Jahren, um 1677, hat er Sophie verwitwete Zobel, die wenigstens 10 Jahr älter war als er, geheiratet. Eigentümlicherweise ist die Trauung im Kirchenbuch von Kalbe nicht verzeichnet. In dieser Ehe wurden 1678 sein einzigstes Kind, Johann Ulrich, geboren. Seine Stiefkinder hat er mit beachtlichen Geldsummen bedacht. 1695 starb seine Ehefrau. Wohl unter dem Eindruck des Todes seines Sohnes, der 1712 als Magister in Leipzig gestorben war, erbat er sich den Pfarrer Johann Christian Goclenius in Neuendorf b. Klötze als Adjunktus (Gehilfen). Am 6 Februar 1724 hielt er seine letzte Predigt und ist einen Monat später, am 7. März 1724 gestorben. Er soll ein alter von 81 Jahren erreicht haben, wird also um 1643 geboren sein. Der Kirche in Kalbe hinterließ er 2000 Taler.

Johann Christian Goclenius Pastor und Inspektor in Kalbe 1724 - 1757

Als Goclenius am 14.3.1724 dem Patronat den Tod seines Vorgängers Henrici anzeigte, schrieb er, dass Henrici "ihn einige Tage vorher vor sein Siechbette gefordert und ihm sein Amt in Ansehung seiner Schwachheit als seinem adjunkto völlig übergeben" habe. Bereits Anfang April wurde Goclenius durch Gen. Sup. Meuerer aus Stendal in sein Amt eingeführt. In Kalbe war Goclenius kein Unbekannter, hatte er doch schon 9 Jahre den alternden Vorgänger in der Verwaltung des Inspektorates vertreten und unterstützt. Mit Goclenius kommt ein außerordentlich gebildeter, manchmal sicherlich auch schwieriger Mann nach Kalbe. Geboren war er am 9. November 1680 in Magdeburg als Sohn des Konrektors und Frühpredigers (St. Johannis) Magister Christian Goclenius und dessen Ehefrau Judith geb. Geisen. Als Kind kam er nach Beetzendorf, wohin sein Vater im Frühjahr 1686 versetzt wurde. Er war gerade 10 Jahre alt, als der Vater starb und er ins Rohrberger Pfarrhaus zu Pfarrer Zarnack zur weiteren Erziehung gegeben wurde. 1692 kam er auf die Lateinschule nach Gardelegen, 1696 auf das berühmte Gymnasium Andreanum nach Hildesheim. Die Rektoren beider Schulen (Andreas in Gardelegen, Losius in Hildensheim) waren Schüler seines Vaters gewesen. Im März 1700 bezog er, ausgestattet mit einem Stipendium der Familie v.d. Schulenburg, die Universität Helmstedt. Dort studierte er zunächst die alten Sprachen, Philosophie und Mathematik, später dann Theologie. 1706 erlangte er die Freiheit, an der Universität Vorlesungen in Philosophie und Philologie zu halten. 1707 wurde er Magister. Im gleichen Jahr unternahm er Reisen nach Obersachsen und Holland. Er wollte sich im Spätherbst 1707 gerade nach England begeben, als ihn die Berufung ins Pfarramt nach (Trocken) Neuendorf b. Klötze erreichte. Im Febr. 1708 trat er die Stelle in Neuendorf an, Als Joh. Chr. Goclenius 1724 nach Kalbe kam, hatte er schon eine Reihe von Schriften drucken lassen, neben Leichenpredigten, z.B. eine philologische Untersuchung zu den Briefen des Apostels Paulus und ein "Philobiblion sasrum", das sind ausführliche Empfehlungen, wie auf dem Lande Bibliotheken anzulegen seien, damit Pfarrer und Juristen sich weiterhin in den Wissenschaften üben könnten. Ungedruckt sind u.a. Predigten, ein Lehrbuch für Algebra und ein umfangreicher Kommentar zu allen biblischen Büchern, an dem er sein ganzes Pfarrerleben gearbeitet hat, Wenn man hört, dass er auch eine beachtliche Münzsammlung zusammenbrachte, kann man sich die Interessenlage dieses Mannes vorstellen. Goclenius war zweimal verheiratet. Zunächst mit Anna Maria von Dorguth, die der angesehenen Helmstedter Familie entstammte. Sie starb am 2. März 1743 in Kalbe. Im April 1745 heiratete Goclenius, fast 65 jährig, die Witwe des Stendaler Hoffiscals Neffen, Anna Maria geb. Brüning, die wiederum nach Goclenius’Tode den Kriegsdomänen- und Steuerrat Johann Abraham Schmeltzeisen in Stendal heiratete. Beide Ehen des Inspektors Goclenius blieben kinderlos. Am 21. Februar 1757 ist er in Kalbe gestorben und wurde am 17. Februar in der Kirche beigesetzt. Während seiner Amtszeit in Kalbe wurde 1739 der sog. Ilsen-Kirchhof vor dem Salzwedeler Tor eingerichtet. Am 23.12.1743 wurde die 3. Pfarrstelle in Kalbe eingezogen. Die Filialdörfer Wernstedt und Faulenhorst kamen nach Zichtau. 1744 erhielt er wegen seiner vielfachen wissenschaftlichen Tätigkeit vom König den Titel "Konsistorialrat". 1751 machte Goclenius den Vorschlag, die Judica-Stiftung, die wegen einer grassierenden Viehseuche nicht abgehalten werden konnte, in eine Geldleistung an Pfarrer und Lehrer umzuwandeln. Nicht unerwähnt bleiben darf, dass in Goclenius Amtszeit ein unerquicklicher, ständiger Streit mit dem Archidiakonus Hahn fällt. Des öfteren beschuldigte der Archiediakonus den Inspektor der Unwahrhaftigkeit und Verleumdung, aber auch manche Bemerkung im Kirchenbuch lässt darauf schließen, dass der Archiediakonus sich Freiheiten herausnahm, die der Inspektor nicht billigen konnte. Meistens ging es dabei um ungerechtfertigte Anmaßung bei Amtshandlungen, deren Ertrag zur Besoldung des jeweiligen Pfarrers gehörte. Der Archiediakonus Hahn hat dem Inspektor die Leichenpredigt gehalten.

Die Pfarrer in der 2. und 3. Pfarrstelle

Am Ausgang des Mittelalters waren neben dem Pfarrstelleninhaber andere Priester in Kalbe tätig. Nach Einführung der Reformation sind 3 Pfarrstellen aufrecht erhalten worden. Als Filialdörfer gehörten zu Kalbe Vahrholz, Wernstedt und Faulenhorst. Während für die 1. Pfarrstelle eine lückenlose Aufzählung der Inhaber möglich ist, ergeben sich bei den anderen Pfarrstellen Lücken und auch Unsicherheiten hinsichtlich der Amtsjahre der Archiediakone und Diakone. Die bekannt gewordenen Inhaber der 2. und 3. Pfarrstelle sollen daher in der Reihenfolge ihrer ersten Erwähnung hier aufgeführt sein.

Von Stephan Ruloff (um 1541) wissen wir kaum etwas. In dem Visitationsabschied von 1541 wird er genannt als Vertreter des eigentlichen Pfarrstelleninhabers Matthias Vieke, Probst in Arendsee. Er muss aber bald danach aus dem Amte geschieden sein, ob durch Tod oder Wegzug ist nicht bekannt.

Dass Palm Lonemann um 1565 Pfarrer in Kalbe war, ist nicht ganz sicher, aber wahrscheinlich. In einem Aktenstück von 1565 des v. alvenslebischen Archivs sind verschiedene Vorgänge verzeichnet, die sich auf die Kirche in Kalbe beziehen. Darunter befindet sich auch die Aufforderung an Palm Lonemann, die Pfarrstelle "wegen seines anstößigen Lebenswandels" aufzugeben. Im 16. Jhndt. kommt der Name "Lonemann" hier auch in den Pachtlisten vor.

Als die altmärkischen Pfarrer am 1./2.8. 1577 im Dom zu Stendal ihre Unterschriften unter die Konkordienformel leisteten, unterschrieben für Kalbe neben dem Inspektor Elias Hoffmann die beiden Pfarrer Abel Hochlingius und Johannes Grüger und der Schulrektor Martin Schirmitz.

Abel Hochlingius (Heuchling) wird 1577 wahrscheinlich schon einige Jahre hier im Amt gewesen sein. Über sein Herkommen, seine Familie und seine Amtsführung in Kalbe wissen wir nichts. Lediglich von einem Sohn ist bekannt, dass er als "Elias Hochlingius, Calvensis Marchiacus" am 16.07.1593 in Helmstedt immatrikuliert wurde.

Johannes Crüger (Krüger) war um 1577 Diakonus in Kalbe und ist in dieser Stelle bis zu seinem Tode (um 1600) geblieben. Seine Witwe Maria geb. Liermann (geb. um 1566) heiratete 1601 den Bismarker Paul Medebeck.

Jakobus Beneckam (Beneke) war 1590 als Diakonus nach Kalbe ins Amt gekommen. In einem Protokoll von 1611 heißt es: "Es berichtet HE Jacobus, das do er Ao.90 angezogen, Er ein altes enerbauetes Haus gefunden, itze aber neu ao.92 gebuat, desgleichen extra um fünf jahr hernacher, ein Stal von 6 Gebint, die drey Dorschafften, Wernstedt, Faulenhorst und Vahrholtz, auf sein vielfältiges Sollieitieren und anhalten, bauen lassen. Der Schafstahl nebst dem Kälberstalle, habe Er proprius sumtibus, item 2 Rote Bänke, desgleichen ein Handfass, Schippen, in der unterstuben, Summa Er alles selber / ausgenommen die Thüren / bauen lassen." Jakobus Beneckam, um 1561 geboren, starb im Alter von 69 Jahren am 7. Sept. 1630 in Kalbe und wurde am 10. Sept. begraben. Seine Witwe, deren Name nicht bekannt ist, starb wenig später am 10. Mai 1631 in Kalbe.

Georg Schwanberger kann bis 1600 nur kurze Zeit als Diakonus in Kalbe gewesen sein. Er stammte aus Frankfurt / Oder und wurde am 17.5.1593 in Wittenberg immatrikuliert. Von Kalbe ging er auf 4 Jahre als Pfarrer nach Hundisburg (1600 - 1604) und wurde danach in die Diakonatsstelle nach St. Katharinen in Neustadt Salzwedel berufen. 1607 wurde er Superintendent in der Neustadt Salzwedel und ist am 7. Sept. 1631 dort gestorben. Seine Zeitgenossen rühmen ihn wegen seiner Friedfertigkeit und seiner hervorstechenden Rednertalente. Verheiratet war er mit Anna geb. Sinapius, einer Tochter des Kalbenser Inspektors Johannes Sinapius.

Johannes Markus stammte aus Kalbe und wird um 1570 geboren sein. Sein Vater könnte Merten Markus gewesen sein, der 1600 als Pächter von Kirchenland genannt wird. Am 14. April 1590 wurde J. Markus in Helmstedt immatrikuliert und war von 1595 bis 1601 Schulmeister (Ludimoderator) in Kalbe. Von 1601 - Nov. 1614 war er hier in der 3. Pfarrstelle als Diakonus. Im Nov. 1614 wurde er von dem Inspektor Jonas Nikolai als Pfarrer in Bismark in sein Amt eingeführt. Bereits nach 2 Jahren ist er am 23. Nov. 1616 in Bismark gestorben. Der Inspektor Nicolai hielt ihm die Leichenpredigt über Daniel 12. Seine Witwe hat danach wieder in Kalbe gewohnt und ist am 28.1.1642 begraben worden.

Bartholomäus Pauli wurde 1615 als Nachfolger von Markus als Diakonus nach Kalbe berufen. Sein Herkommen ist unsicher. Vermutlich war er in oder bei Haldensleben geboren, denn am 6.9. 1590 wurde in Helmstedt ein "Bartholomeus Pauli, Haldenslebensis" immatrikuliert. Verheiratet war er mit Elisabeth geb. Volckerling, die nach seinem Tode den Amtsverwalter Arnold Edler 1627 heiratete und mit diesem der Kirche die heute noch gebrauchte Taufschüssel stiftete. Bartholomäus Pauli ist am 16. Okt. 1625 gestorben. Seine Tochter Anna geb. um 1617 in kalbe, ist 1692 als Pfarrfrau in Olvenstedt b. Magdeburg gestorben.

Wedige Wigand Wiebeck um 1597 geboren, kam schon frühzeit 1615 nach Kalbe ins Schulamt und wird während seiner Schullehrzeit noch studiert haben. 1627 ist er zunächst an Stelle des verstorbenen Bartholomäus Pauli in die Diakonatsstelle gekommen und nach Jak. Benekams Tode (1631) wurde er Archidiakonus. Als solcher hat er am 24.10.1632 an der Einführung seines späteren Nachfolgers Mihael Dahle mitgewirkt. 1639 wurde er ins Pfarramt nach Bismark berufen und hat dort fast 30 Jahre gelebt. 1658 heiratete er (vermutlich in 2. ehe) eine Tochter des Krügers aus Poritz. Am 6. Februar 1668 ist er, 71 jährig, in Bismark begraben worden.

Michel Dahle stammte aus Zichtau und ist um 1605 als Sohn des Pfarrers Joachim Dahle geboren. Im April 1627 wurde er in Wittenberg immatrikuliert. In den Tagen, als man mit dem Abriss der Burg begann, hat er am 22. Aug. 1632 in Kalbe eine Probepredigt über Römer 3,23 gehalten und wurde am 24. Okt. durch den Inspektor Simon Struve als Diakonus ins Amt eingeführt. Am 19. Mai 1640 hat er sich in kalbe mit Katharina Althausen, Pfarrerstochter aus Krumbke, verheiratet. In der Ehe wurden 9 Kinder geboren, wovon 2, wenige Jahre alt, wieder gestorben sind. Sohn Michael (geb. 1644) war später Pfarrer in Ahrensberg, Sohn Gebhard (geb. 1648) blieb in kalbe und starb als Schneidermeister und Kirchenvorsteher 1718. Nach dem Weggang W.W.Wiebecks in die Bismarker Pfarrstelle (1639) wurde Dahle Archidiakonus. Die schlimmsten Kriegs- und Pestjahre hat er hier erleben müssen. Am Sonntag Palmarum, dem 28. März 1675, wurde er unter großer Anteilnahme der Bevölkerung in Kalbe begraben. Seine Witwe überlebte ihn mehr als 20 Jahre und wurde a, 26. Jan. 1696 hier begraben.

Einige Jahre (1639-46) ist die 3. Pfarrstelle unbesetzt geblieben.

Johann Beyer, der aus Hamburg stammte , wurde am 16.12.1646 als Diakonus in Kalbe eingeführt. Gleich zu Beginn seiner Amtszeit muss es mit dem Insp. Struve zu Streitigkeiten gekommen sein wegen des "Beichtbeisitzens", die in der Visitation vom Februar 1648 beigelegt werden konnten. Von seiner Ehefrau ist uns nur der Vorname "Martha" bekannt. 8 Kinder wurden den Eheleuten geboren, wovon 3 früh verstarben. Johann Beyer ist am 2 Febr. 1679 in Kalbe begraben worden, 10 Jahre überlebte ihn seine Witwe und wurde am 2.6. 1689 begraben. Seine Tochter Ursula Hedwig (geb. 1652) hat 1676 den Kantor Christoph Heinrich Kirchner in Kalbe geheiratet.

Kaspar Pinnow war um 1645 in Stendal geboren und kam nach Michael Dahle’s Tod 1676 als Diakonus nach Kalbe. 1677 ist er in Stendal (St. Marien) mit Elisabeth Rohst getraut worden. 1 Sohn und 2 Töchter sind in Kalbe geboren. 1695 übernahm Kaspar Pinnow die 1. Pfarrstelle an St. Petri in Stendal und ist dort am 25. Februar 1702 gestorben.

Matthias Schlicht, der nach Johann Beuyer’s Tod nach Kalbe berufen wurde, ist um 1654 in Groß Kreutz bei Potsdam als Sohn des Gutspächters Gottfried Schlicht und dessen Ehefrau Anna geb. Nadler geboren. Nach dem Studium übernahm er die Konrektorstelle in Gardelegen (1678-1680) und wurde von dort nach Kalbe ins Diankonat berufen. Am 16. Nov. 1680 heiratete er hier Margarethe Elisabeth Zobel, die jüngste Tochter des verstorbenen Inspektors Uldaricus Zobel. 4 Kinder sind ihm hier geboren worden, wovon der älteste Sohn Levin Johann (geb,1681) später als Pfarrer in Berlin und Kirchenliederdichter bekannt geworden ist. Mehrere seiner Lieder haben in verschiedensten Gesangbüchern Aufnahme gefunden. Aus den Lebenserinnerungen dieses Sohnes erfahren wir, dass Matthias Schlicht ein vielseitig gebildeter Mann war, der seinem Sohn schon frühzeitig zur Lateinschule und zum Studium vorbereitete. Winter wie Sommer begann er bereits um 4 Uhr morgens, den Sohn in den alten Sprachen (Lateinisch, Griechisch, Hebräisch) , in Religion, Geschichte und Erdkunde zu unterrichten, so dass dieser bereits mit 10 Jahren die lateinische Sprache ausgezeichnet beherrschte. Aufsätze und Predigtentwürfe wurden geübt, ja sogar mit dem Erlernen der syrischen Sprache, die Matthias Schlicht sehr konnte, begonnen. Seinen anderen Kindern konnte der gelehrte Diakonus solchen Unterricht wohl nicht angedeihen lassen, da er bereits im Februar 1696, erst 42 jährig, starb und am 1. März begraben wurde. Die Witwe, verwandtschaftlich verbunden mit der Familie des Inspektor Henrici, der ihre Mutter verwitwete Zobel geheiratet hatte, überlebte ihren Mann über 30 Jahre und wurde am 10. Nov. 1729 on Kalbe begraben. Die einzige Tochter Agnes Sophie war später mit dem bekannten Salzwedeler Pestchirurgen Dietrich Matthais Heinzelmann verheiratet. Sein Jüngster Sohn Gottfried Ulrich, geboren ein halbes Jahr vor dem Tode des Vaters, war später Pfarrer in Beeskow i.d. Mark.


Quellen im Inhaltsverzeichnis
.....aus einer Schrift zu 1.000 Jahre Kalbe(M) von Pfarrer S. Schneider
.....ergänzt von H. Krüger

 
 
 
 
 
   
  
 

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