Geschichten über Kalbe Milde
 

 


 

 

Die Adler - Apotheke in Kalbe (Milde)
 

Im Jahre 1977 wurde von Ulrich Graf im altmärkischen Heimatkalender ein Artikel über die damalige Staatliche Adler-Apotheke veröffentlicht, der sich im wesentlichen auf Nachforschungen des Rektors Amman bezieht. Die Originalunterlagen liegen heute im Brandenburgischen Landesstaatsarchiv in Potsdam.

So wird folgendes ausgesagt:

Der Apotheker Johann Gottfried Paalzow aus Gartau aus dem Lüneburgeschen hatte sich am 20.Oktober 1775 um ein Apothekenprivilegium in Kalbe beworben und gleichzeitig gebeten, ihm Baugelder zu bewilligen.


Gründungsurkunde

In einem Gutachten sprechen sich der Steuerrat Weyde, zwar mit gewissen Einschränkungen, der Magistrat von Kalbe und der alvenslebische Gesamtrichter Müller für die Errichtung einer Apotheke in Kalbe aus. Er selbst bezweifelt allerdings, ob die Apotheke soviel abwirft, dass der Apotheker, seine Familie und sein Personal davon leben können. Schon acht Tage später reicht Weyde einen Einspruch der Apotheker zu Gardelegen - Ratsapotheker Gottfried Körber und Apotheker Franz Heinrich Lohse - gegen die Errichtung einer Apotheke in Kalbe ein. Diese haben von dem Magistrat zu Gardelegen eine protokollarische Erklärung abgegeben: durch einen Kaufmann aus Kalbe haben sie von dem Projekt Paalzow gehört. Wenn demselben stattgegeben wird, verlieren sie einen Teil ihrer Nahrung, denn jetzt liefern sie Medikamente für Kalbe. Außerdem führen die beiden Apotheker noch an, dass Paalzow für einen Adligen in Gartau eine Apotheke eingerichtet habe, die aber wieder eingegangen ist. Sie wollen mit dieser Bemerkung Zweifel erwecken, ob Paalzow zur Leitung einer Apotheke befähigt ist. Niemandem der Obengenannten wird, wie aus einer Mitteilung durch den Staatsminister v. Derschau ersichtlich ein jus contradisendo (Einspruchsrecht) zugestanden. Paalzow soll, wenn er von dem Oberkollegium Medicum, der höchsten preußischen Medizinalbehörde, geprüft ist, ein Apothekenprivilegium erhalten. Nachdem Paalzow die Prüfung vor dem Oberkollegium Medicum bestanden hat, erhält er sein Privilegium mit dem Datum 07.Mai 1777.

Eine Apotheke wird eingerichtet, und zwar zunächst im Hause in der jetzigen Gerichtsstraße 23. Paalzow wählt für den Namen der Apotheke das damals neben dem Löwen verbreiteste Wappentier, den Adler, der in der Symbolik Ausdruck der Macht, Kraft und Gesundheit bedeutet. Beim Umzug nach Kalbe bringt der Apotheker Paalzow Medikamente und sein Mobiliar mit und zahlt dafür Akzise. Außerdem muss er in dem zur Apotheke bestimmten Hause Umbauten vornehmen. Paalzow wird weiterhin angefeindet und bittet um Schutz gegen Benachteiligungen: Die Kaufleute in Kalbe verkauften Medikamente. Der Arzt ist aufgestachelt, keine Medikamente zu verschreiben. Der Akzise-Kommis Dietz verlangt Medikamente zum halben Preis. Trotz vieler Schwierigkeiten im gesellschaftlichen Umgang setzt sich Paalzow durch.

1777 ist Paalzow mit einer Prämie bedacht worden, weil er ein Kind vom Tode des Ertrinkens gerettet hat.

1782 entwickelt er einen neuen grünen Farbton. Im Jahre 1789 wird Paalzow zum Polizeibürgermeister von denen von Alvensleben vorgeschlagen. Als solcher und Servis-Rendant von Kalbe erhält er eine hohe Entschädigung. Seine Apotheke verkauft er 1798 an den Apotheker Haffner. Sie ist nur zwei Jahre in Händen Haffners und nur ein Jahr in den Händen des Apothekers Laue.

1801, im Todesjahr des Apothekers Paalzow, geht die Apotheke mit einer verkäuflichen Realkonzession an Grönewald. 1807 kam die Altmark damit an das Königreich Westfalen und damit wurde Kalbe eine selbständige Stadt, während es bis dahin Mediatstadt derer von Alvensleben gewesen war. Die Schillsche Freischaar soll 1809, von Gardelegen kommend, durch Kalbe gezogen sein, und die Franzosen kamen auf dem Rückzug von Rußland 1813 nochmals hier durch. 1828 erhielt ein Franzose namens Rougemont die Apotheke. Höchstwahrscheinlich ist er mit der Apotheke umgezogen in das Haus Ernst-Thälmann-str. 3. 1847 erwirbt der Apotheker Wilhelm Senff die Apotheke. Sie bleibt in Händen der bekannten Lutherfamilie bis 1928. 1879 nämlich übernimmt Oswald Senff und 1914 Curt Senff die Leitung. Wilhelm Senff zieht 1866 mit seiner Apotheke und dem Inventar um in das vormalige Gebäude Rathausstr. 1.

1926 übernimmt noch einmal Oswald Senff die Verwaltung der Adler-Apotheke. 1928 erwirbt sie der seit 1926 dort tätige Oskar Grünthal. 1950 wurde dieser Kreisapotheker des Kreises Gardelegen und bei der Umorganisation der Kreise 1952 bis zum Jahre 1967 Kreisapotheker des Kreises Kalbe(Milde). 1953 wurde die Apotheke in eine Poliklinik Apotheke umgewandelt. Die Verstaatlichung erfolgte im Jahre 1958. Von 1967 bis zu seinem Tode leitete Ulrich Graf die Apotheke. ...

Nach 1990 hat sein Sohn in Kalbe zur Sicherung des Bestandes eine weitere Apotheke eröffnet. 2002 wurd sie dann zu Gunsten der neuerabauten Danneil-Apotheke geschlossen.

   
   
   
   
   
   
  
 

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