Geschichten über Kalbe Milde
 

 


 

 

Aus der Mühlengeschichte
 

Es war ein gewaltiger Fortschritt, als es dem Menschen gelang, die Kraft des Wassers und des Windes zum Zwecke der Mehlgewinnung nutzbar zu machen. Die erste genaue Beschreibung einer Wassermühle stammt von dem römischen Kriegsbaumeister Vitruvius Pollio, einem Zeitgenossen des Cäsar und des Augustus. Windmühlen sind eine deutsche Erfindung des 11. Jahrhunderts. Bei den Wassermühlen unterscheidet man solche mit ober- und unterschlächtigen Wasserrädern, je nachdem, wo das Wasser die Wasserräder in Bewegung setzt. Bei den Windmühlen wird in Holländer- und Bockwindmühlen unterschieden. (spätere Anmerkung, die Unterscheidungsmerkmale sind natürlich noch vielgestaltiger, sollen aber zur Einführung reichen). Die Holländer-Windmühlen haben ein steinernes Fundament, während die Bockwindmühlen auf einem hölzernen Fuß stehen und nach dem Winde gedreht werden können. Diese letzteren waren für unsere Heimat die gegebenere Form der Windmühlen wegen der häufig wechselnden Winde.

Die älteste Nachricht über die Mühlen in Kalbe ist die Urkunde vom 01.Mai 1324, durch welche Johann und Heinrich von Kröcher das Schloss Kalbe mit allem Zubehör an Albrecht von Alvensleben und seine Söhne Gebhardt und Albrecht verkaufen. Da werden unter anderem die Mühlen im Kalbischen Werder als Zubehör des Schlosses benannt. Die fragliche Stelle der Urkunde lautet "un de mit al den molen, die binnen des werders liggen".

Die zweite Nachricht ist die Urkunde vom 22. Februar 1473, durch welche der Kurfürst Albrecht Achilles von Brandenburg den Ritter Busso von Alvensleben und dessen Brüder Ludolf und Gebhard mit Schloss und Flecken Kalbe nebst allem Zubehör belehnt. Hier lautet die fragliche Stelle "mit Namendy borch unds dat bleck calve, mit holten, weiden, groter unde kleiner ischt, Agker, Wieschen, weide, water, dinstan, mit den gerichte, hageste unde sydeste, mit der mollen vor der borch unde de voßmolen."

Aus dem Teilungsvertrag über die Burg und andere Grundstücke vom Montag, den 27, Oktober 1477 geht über die Wassermühle folgendes hervor: Die Wassermühle lag vor dem äußeren Burggraben. (Der äußere Burggraben ist nach 1632 zugeschüttet und wird heute von der Stendalerstr. markiert). Vom Damm zwischen äußeren und mittleren Burggraben ging eine Brücke zur Wassermühle. Die Vertragschließenden bezeugen, dass sie diese Brücken gemeinsam bessern und bauen wollen. Zu dieser Zeit steht eine Heuscheune vor der Burg bei der Mühle Busso von Alvensleben, einer der Vertragschließenden, soll gestatten, dass diese Scheune gemeinsam genutzt wird.

Die Vertragschließenden 1477 waren: Busso (Ritter, Kurfürstl Rat, Feldhauptmann, Landeshauptmann der Altmark); Gebhard; Vicke; Albrecht; Busso (Bischof v. Havelberg) v. Alvensleben.

Im Teilungsvertrag vom 6. Dezember 1487 werden erwähnt " die Mühlen vor Calbe".

In dem Teilungsvertrag vom 31. Januar 1520 über die zu den Gütern gehörigen Weichhölzern wird verschiedentlich "die Voßmühle und das Voßmühlenflies" (an der Flotte - Untermilde - Richtung Vahrholz) erwähnt.

Im Kirchenbuch werden bei den verschiedenen Eintragungen folgende Müller erwähnt.

Beneke, KlausWassermüller1658
Dahrendorf, JoachimRademüller1631
Hoppe, ErnstWindmüller1657 - 1661
Krewel, HansWindmüller1628 - 1629
Landmann, JacobMüller (vermutl.Wasserm)1629 - 1644
Landmann, HansMüllermeister1666 - 1672
Lotke, JochenWindmüller1652
Meidt, Müller1670
Moring, WernerMüller1655
Schmied, FriedrichWindmüller1684
Vorsprach, AndreasMüller1645
Winkelmann, KlausWassermüller1631

Dann schweigen die Nachrichten bis zum Jahre 1694. Am 29 März dieses Jahres wird zwischen denen von Alvensleben und denen von der Asseburg als Pfandinhabern eines Teiles von Kalbe und dem Müller Joachim Wesche zu Kalbe ein Vertrag abgeschlossen, durch welchen er die Wassermühle und die Windmühle für 3 Jahre bis Ostern 1697 pachtet. die Pacht beträgt für beide Mühlen 8 Wispel 16 Scheffel Roggen (1 Wispel = 24 Scheffel = 1320 Liter). Ein Wispel behält der Pächter ein, weil er die Mühlenreperaturen selbst ausführen muss und verpflichtet ist, die Mühlen in guten Stand zu halten. Besonders die Wassermühle ist in schlechtem Zustand. Sie muss gründlich überholt oder erneuert werden. Für diese überholung hält der Pächter im ersten Jahr 16 Scheffel ein. Die beiden übrigen Pachtjahre entrichtet er unter Abzug des einen Wispel für die Instandhaltung 7 Wispel 16 Scheffel Roggen pro Jahr als Pacht. Der Pächter verpflichtet sich unter Eid, die Mahlgäste, unter welchen er keinen Unterschied machen will, nicht zu übersetzen, sondern sich mit der Mahlmetze als Mahllohn zu begnügen. Das Malz für das Rittergut muss er unentgeltlich mahlen. Für sorgfältige Handhabung von Feuer und Licht ist der Pächter auch namens seiner angehörigen verantwortlich. Zur Sicherheit für die Eigentümer verpfändet er sein ganzes Hab und Gut. Außerdem stellt er 5o Tlr. Kaution, wovon er 30 Tlr. sofort, die restlichen 20 Tlr. nächste Ostern zahlt. Will der Müller die Mühle nach Ablauf der Pachtzeit nicht weiter pachten, so muss er ein halbes Jahr vorher kündigen. Am 23. Januar 1697 wird die Pacht auf 3 Jahre verlängert.

Aus der Kopf-Steuer Anlage bei dem Städlein Calbe a. Milde vom 09. Dezember 1697 (aus den Akten des Geheimen Staatsarchivs in Berlin Dahlem)

Nr. 124 Wesche, Joachim gibt 2 Taler 12 Groschen, Gesamt Müller von 2 Mühlen a 1 Gang, während die Wassermühle im Winter stille steht; hat Frau, 1 Knecht, 1 Magd.

Im Jahre 1699 wendet sich der Müller Joachim Wesche mit einem Gesuch an die von Alvensleben:

1. Bei der Windmühle sind Welle und Kammrad in derartig schlechtem Zustand, dass man die Mühle bei vollem Winde nicht gehen lassen kann. Außerdem ist die Verkleidung so schlechte, dass der Wind durch alle Ritzen fegt und das beste Mehl verweht.

2. Bei der Wassermühle ist ein Balken vom Grundwerk einen Spann tief ins Wasser gegangen, dahero das Wasser nicht sattsam Schuss haben kann.

Vor einem Jahr schon hat der Verwalter beide Mühlen besichtigt und die Schäden bestätigt. Wesche legt eine Schmiederechnung über 2 Rtlr. 16 Gr. bei, die er bittet, von der Pacht abzuziehen.

Wenn die Mühlen nicht ausgebessert werden, kann er die schwere Pacht nicht bezahlen. Ob die von Alvensleben die Mühlen reparieren lassen, entzieht sich unserer Kenntnis, ist aber nach ihrem sonstigen Verhalten gegenüber ihren "Untertanen" wenig wahrscheinlich.

Am 7. Juni 1727 richtet der Bürger und Hopfenführer (Hopfenhändler) Joachim Ahlemann Junior (Vorfahre des Verfassers) zu Kalbe an die Kurmärkische Kammer zu Berlin ein Gesuch, ihm eine Conzession zur Errichtung einer Windmühle auf dem Nonnenwerder zu geben und den Kriegs- und Domänenrat v. Klinggräff mit der Bearbeitung dieser Sache zu beauftragen. Beide vorhandenen Mühlen , die Wind- und die Wassermühle sind in einem derartig schlechten Zustande, dass sie die volle Kapazität nicht leisten können, so dass die Bürger auswärtige Mühlen in Anspruch nehmen müssen. Außerdem müssen sie zurückstehen, wenn das Rittergut Malz oder Korn mahlen lässt. Der Nonnenwerder gehört nicht zum Gut, sondern ist den Bürgern zuständig. Ahlemann bietet nach den üblichen Freijahren einen jährlichen Canon von 10 Rtlr.

Die Kammer erteilt am 28. Juni 1727 dem Kriegs- und Domänenrat v. Klinggräff den Befehl, die Sache zu untersuchen und eventuell mit den von Alvensleben zu verhandeln, ob sie sich mit dem Gesuchsteller dahin einigen wollen, dass sie, wenn die Kammer die Conzession für einen jährlichen Canon von 10 Rtlr erteilt, eine gewisse Hebung von der Mühle empfangen. Die von Alvensleben machen eine Gegenvorstellung und bitten, Ahlemann abschlägig zu bescheiden. Als Gründe führen sie an:

1. seit jeher sind die von Alvensleben mit der Mühlengerechtigkeit als Zubehör des Gutes Kalbe beliehen.

2. Ahlemann ist Alvenslebischer Untertan und zahlt Pacht- und Dienstgeld

3. Der Mühlenbau ist nicht nötig.

4. Im Umkreis einer kleinen Meile befinden sich neun Wasser- und Windmühlen.

5. Diese Müller klagen schon darüber, dass sie nicht genug zu mahlen haben.

6. Durch die Anlage einer neuen Mühle werden sie in ihrem Einkommen geschmälert.

7.Der geplante Mühlenbau liegt etwa 400 Schritt von dem Ort entfernt, so dass der Akzise-Defraudation Tür und Tor geöffnet ist.

Da der Kriegsrat v. Klinggräff die Sache verzögert, wird ihm der Almärkische Obergerichtsrat v. Bertikow am 8. November 1727 zum Mitkommissar gesetzt. Am Tage vorher haben die Müller von Kalbe, Schenkenhorst, Wiepke, Zichtau, Groß-Engersen, Lüffingen, Altmersleben, Güssefeld, Neuendorf, Vienau und Jeetze wahrscheinlich auf Veranlassung derer von Alvensleben, eine Protestation an die Kammer gerichtet. In dieser führen sie aus: "Wir möchten wünschen, dass der zudringende Neuanbauer im gleichen armseligen Zustande sich mit uns befände, so würde ihm die Lust über die bereits vorhandene Menge von Mühlen noch eine neue zu bauen, bald vergehen, so aber bringst ihn sein großes Vermögen dahin, dass er noch eine Mühle bauen will, an einem Orte vo N.B. vom Anbeginn der Welt bishierher dergleichen nicht gewesen". Sie reichen eine Aufstellung ein, wonach im Kalbischen Werder sich 11 Wassermühlen und 10 Windmühlen befinden.

Die Kammer erteilt den Kommissaren den Auftrag zu berichten:

1. Wie weit die von Ahlemann geplante Mühle auf dem Nonnenwerder nötig.

2. Ob die von Alvensleben ein jus contradicendi (Wiederspruchsrecht) hätten.

3. Ob sich die von Alvensleben mit Ahlemann wegen einer Hebung einigen könnten.

Am 21. Mai 1728 findet vor den Kommissaren eine Verhandlung zwischen Ahlemann und dem von Alvenslebischen Gesamtrichter Martin Schultze statt. Das Ergebnis ist der nachstehende inhaltlich wiedergegebene Bericht der Kommissare:

1. Der Mühlenbau ist unnötig, da der Akziese-Extrakt ausweist, dass die bisherigen Mühlen oft 2 bis 3 Tage keine Arbeit haben.

2. Die von Alvensleben haben ein jus contradicendi, da dieselben mit der Mühlengerechtigkeit belehnt sind .

3. Eine Einigung zwischen den von Alvensleben und dem Ahlemann ist unmöglich, da die Hebung, die Ahlemann bieten kann, durch 5-6 fachen Verlust in den beiden vorhandenen Mühlen aufgewogen wird.

Ahlemann aber gibt sich nicht geschlagen, sondern treibt die Sache über die Kammer an die oberste Verwaltungsstelle, das Generaldirektorium.

Am 20. August 1728 reicht der v. Alvenslebische Gesamtrichter Martin Schultze namens seiner Auftraggeber, der von Alvensleben, eine ausführliche Darlegung ein, die sich nochmals gegen Ahlemann wendet, wobei er nochmals auf die Möglichkeit der Akzise-Defraudation hinweist, wenn nicht für die Ahlemannsche Mühle ein besonderer Visitator angestellt wird. Auch wiederhole er den bereits am 8. Juli gemachten Vorschlag, statt der eingegangenen Voßdamm-Wassermühle eine Windmühle zu errichten und für die Gewährung einer diesbezüglichen Concession 100 Tlr. an die Rekrutenkasse zu zahlen. Nach langem Hin- und Her ergeht dann am 10. Juli 1730 seitens des Generaldirektoriums an die Kurmärkische Kriegs- und Domänenkammer der Bescheid:

- Das Gesuch Ahlemanns ist abzulehnen, da bei der Entfernung des Nonnenwerders ein eigener Visitator eingestellt werden müsste, was aber bei dem geringen Canon von 10 Tlr sich nicht lohnen würde.

- Der Vorschlag der von Alvensleben, eine dritte Mühle als Windmühle zu erbauen ist gleichfalls abzulehnen, statt dessen sind diese anzuhalten, die vorhandenen Mühlen zu reparieren und in gutem Zustand zu erhalten.

Diesen Bescheid gibt die Kurmärkische Kammer an ihre Kommissare weiter.

Damit schließen die im Landeshauptarchiv befindlichen Kalbischen Mühlenakten.

Am 06.02.1729 wird im KB der tragische Tode des Windmüllers David Mundt erwähnt: "...Er ist des Nachts bey grossen Sturm Wind auf den Wind Mühlen Flügel gestiegen, das Lohden absu bind falt aber herunter da ihn der Flügel mit in die Höhe nimt,..."

07.11.1729 Georg Fettback - Am 07.11.1729 erscheint im Kirchenbuch die Heirat von Georg Fettback, er wird als adelicher Müllermeister, Pachtmüller, Wassermüller bezeichnet. Zwischen 1730-1734 werden ihm in Kalbe 3 Kinder geboren.

Als Wassermüller werden im Kirchenbuch weiter genannt
1746 Joachim Bendix Krüger

"Um die Mitte des 18, Jhndts. erscheint eine neue Familie Palm in Kalbe, nämlich die des adeligen Wassermühlers. Bis wenigstens 1746/1747 hieß der adelige Wassermüller Joachim Bendix Krüger, der 1743 J, Müller aus Uelzen geheiratet hatte und dem in Kalbe 2 Kinder geboren werden (1744 und 1746). Dann ist von dieser Familie nichts mehr bezeugt. Vermutlich ist sie von Kalbe weggezogen."

1748 Heinrich Hermann Christian Palm

"Am 15. 04. 1749 ist der Wassermüller Heinrich Palm zuerst als Pate bezeugt. Er ist offensichtlich mit Frau und Kindern hierher gekommen. Trauung und Taufen sind für ihn nicht verzeichnet. Bereits 8-11.1756 ist er begraben und seine Witwe heiratet 1757 den Nachfolger im Amt des Wassermüllers Nicolaus Plancke"

1757 Nicolaus Plancke

1793 - 1795 Johann Friedrich Wegert

1810 Pachtvertrag für jeweils ein Jahr zwischen den v. Alvensleben und Mühlenmeister Fiedrich Wilhelm Wegert

Wassermüller Müller

Nach Auflockerung der alten Feudalverhältnisse - im Zusammenhang mit der Separation - wird die Mühle 1810 selbständig - neuer Besitzer wird die Familie W. Müller -

1819 Friedrich Müller

1827 Wilhelm Müller

Ursprünglich als Gutsmühle des Rittergutes I errichtet, wurde die Mühle im Jahre 1857 von dem damaligen Besitzer W, Müller neu umgebaut und auf die Ostseite der Milde verlegt, es erfolgt ein Vertrag mit den v. Alvensleben über einen Geländeaustausch.

Aus einem im Jahre 1842 erschienen Handbuch des Regierungsbezirkes Magdeburg ist zu ersehen, dass sich zu dieser Zeit in Kalbe drei Windmühlen, eine Wassermühle und eine Roßölmühle befanden.

1865 gab es nach Pfarrer Mosenthin neben der Wassermühle noch 4 Windmühlen.

- hinter de Abdeckerei bei Gagelmann, sie gehört dem Müller Güssefeld
- am Schildt-schen Wege, sie gehört dem Müller Nahrstedt
- am v. Alvenslebenschen Friedhofe, sie gehörte dem Müller Engel
- hinter dem E. Kammanschen Hause in der Salzwedelerstr., sie gehörte dem Müller Ahrndt

Die Windmühlen und die Roßölmühle sind längst dem Zahn der Zeit und dem technischen Fortschritt zum Opfer gefallen.

In dem Buch "Die Altmark" von G. Hesselbarth, geschrieben 1921, bemerkte der Autor: "...Wenn man sich von Neuendorf am Damm auf der Chaussee Calbe a.d. Milde nähert, dann erblickt man rechts und links die herrlichsten Weizenfelder, die namentlich zur Zeit der Reife einen schönen Anblick gewähren. Wenn man im Frühjahr und im Herbst im Frühnebel dort wandert, so glaubt man sich in das Gestade der Ostsee versetzt; der Nebel wogt auf und ab auf den weiten Flächen, kein Baum, kein Strauch ist zusehen, nur das Rauschen des Wassers fehlt. Bricht die Sonne durch die Nebelwolken, dann merkt man, dass es eine Täuschung ist. Kommt man weiter nach Calbe zu über den Königsgraben, dann sieht man rechts die herrlichsten Wiesen und Weiden, soweit das Auge reicht, zum Rittergut Calbe gehörig, links liegen die Dämme, den Kossaten und Büdnern aus Calbe bei der Separation vom Ritergut 2 zugeteilt; fruchtbares Land, an beiden Seiten durch Abzugsgräben eingerahmt. ... Die Wassermühle lag so recht im "kühlen Grunde"; zwar hatte sie nicht ein Mühlrad, sondern vier große Wasserräder, zwei für Roggen- und zwei für Weizengang, außerdem noch Oel stampften. Sie lag am Ende des "Wildgartens" und zwar wohl früher Gutsmühle gewesen, ein einstöckiges Haus aus Fachwerk. Wenn die Oelstampfen herniedersausten, krachte das Haus in allen Fugen. Aber es war eine Goldgrube. Die vier Windmüller in Calbe (Engel, Nahrstedt, Köhn und Güßfeldt) konnten den Bedarf nicht decken. Der erste Besitzer der Wassermühle, Schildt, kaufte sich das Rittergut 2 in Calbe zur altmärkischen Franzosenzeit. v. Alvensleben konnte das Rittergut 2 nicht halten. Frau Schildt sagte zu ihrem Mann:"Na, Willem, wo vöal Geld hast Du denn?". "Ick hebb drittig dosend Doaler." - "Ick hebb ook drittig dosend," sagte die Frau. Und das Gut, welches 200.000 Taler wert war, wurde für 60.000 Taler verkauft. Es ging dann später an den einzigen Sohn Wilhelm über. Jetzt ist der Besitzer v. Goßler. Das fruchtbare Land steht in hoher Kultur.
Dann wurde Müller Besitzer der alten Wassermühle. Um ihn von den vielen Müllers in Calbe zu unterscheiden, wurde er "Woater-Möller" genannt. Er hatte drei Söhne: Woatermöllers Willem, Woatermöllers Robert und Woatermöllers Gustav. Wilhelm war wieder Müller geworden und übernahm die Wassermühle nach seinem Vaters Tode. Robert hatte die Kaufmannschaft in Bismark bei Immelmann erlernt und besetzte sich später in Calbe als Nachfolger des Kaufmanns Kleinloff. Gustav wurde Apotheker in Alten- oder Langenweddingen. Später zog er nach Blankenburg, als er seine Apotheke verkauft hatte. Er soll bedeutende Erfindungen in der Chemie gemacht haben. Sie alle deckt wohl schon lange der grüne Rasen. Vor fünfzig Jahren mußte die alte Wassermühle der neuen Platz machen. Sie wurde aus dem Wildgarten nach dem jenseitigen Mildeufer verlegt. Es entstand ein stattliches massives Gebäude mit allen Errungenschaften der damaligen Technik im Müllereigewerbe. Die Besitzer haben nach Wilhelm Müller öfter gewechselt. Vor einigen Jahren war die Wassermühle eine Zeit lang herrenlos. Der Segen der alten Mühle war wohl verschwunden.

Müller hatte vor seiner Tür einen schönen Blumengarten, namentlich stand die Rosenzucht weit und breit in hohem Ansehen. Er züchtete die seltensten Sorten. Wenn man über die alte Mildenbrücke an der Wassermühle vorbei kam, dann glaubte man sich in einen Urwald versetzt, rechts der Wildgarten mit seinen hohen schlanken Elsen, Erlen, Linden, Eichen und birken, links am Mildeufer alte dicht zusammenstehende mächtige Pappeln, "bedeckt mit Moos und Schorf", so daß auf den holprigen schmalen Steindamm kein Sonnenstrahl durchdringen konnte. 1863, als die Chaussee gebaut wurde, verlegte man den Weg und Brücke. Der Weg kam zum 1. Rittergut, das dafür den "Burgdamm" zur Chaussee begab. Die alte Straße wurde in fruchtbares Gemüseland umgewandelt.
Noch möchte ich eines Umstandes aus meiner Jugend erwähnen: Im Wildgarten stand das Gartenhaus, auf dessen Dach eine Holzfigur mit braunem Rock und grauen Filzhut ragte. Wir Kinder gingen nur ungern vorbei, denn wir fürchteten uns. Es hieß allgemein, es ist der Weihnachtsmann, der holt uns. Zu verwundern war es nicht, denn der dunkle Weg, das Rauschen der vier Wasserräder, das Dröhnen der Oelstampfen der alten Wasermühle, die oft des Nachts auch nicht stille stand, machte auf ein kindliches Gemüt einen unheimlichen Eindruck. Jetzt ist alles verschwunden und ein sonniger Weg führt von der "neuen Wassermühle", die nun auch schon wieder alt ist, (sie steht über 50 Jahre, man nennt sie den Mehlkasten) nach Calbe."

Werneckes Mühle

1909 wurde die Mühle von Otto Wernecke erworben. Er ließ die Mühle, die 2 Jahre stillgelegen hatte modernisieren und durch die Mühlenbauanstalt Amme-Luther in Braunschweig vollkommen modern einrichten. Es wurde statt eines Wasserrades eine Turbine (Francis-Turbine, Typ 1, System Amme, Giesecke & Konegen) eingebaut - Leistung 22,5 Pferdestärken bei einer Tourenzahl von 110 per Minute.

Im Jahre 1923 erfuhr die Mühle eine weitere Neuerung, es wurde ein etwa 20 Meter hohes Silo durch die Stendaler Architekten Bargum & Krausze erbaut. Die anfängliche Leistung betrug nach der übernahme durch Wernecke 4 t. pro Tag, wurde dann aber langsam und stetig auf eine Vorkriegsleistung von ca 15 - 20 t. pro Tag erhöht. Zu dieser Zeit wurden hauptsächlich Roggen, etwa ¾ und ¼ Weizen verarbeitet. Das Getreide stammt ausschließlich aus der heimischen Produktion. Mit der Mühle ist gleichzeitig ein umfangreicher Handel mit allen Kraftfuttermitteln verbunden.

1934-36 wurde zusätzlich eine moderne Stahlsiloananlage gebaut, die lange als eines der Wahrzeichen von Kalbe geführt wurde. Sie wurde 1992 aus Gründen der Baufälligkeit demontiert.

1936 verstirbt Otto Wernecke, seine Frau Martha, Willi und Walter Braune übernehmen die kaufmännische Leitung. Nach dem Tode von Martha erbte 1952 ihr Neffe Wolfgang Wernecke die Mühle.

1960 wurde aus dem privaten Betrieb (Kraftfuttermischwerk Wassermühle Otte Wernecke KG) ein Betrieb mit Staatlicher Beteiligung. Von 1945-1960 wurde nur Mehl produziert, etwa 10 t täglich. Seit 1960 werden nur noch Futtermittel hergestellt im Jahr bis 8000 t.

1966 stürzt durch Unterspülung der Fundamente die Flußseitenwand ein. Die Wand und die "Terasse" des Maschinenhauses muss neu aufgebaut werden. Gleichzeitig wird die Turbine stillgelegt und der Betrieb auf Elektroenergie umgestellt. Anfang der 70-iger (1972) Jahre wird auch die Staatliche Beteiligung aufgegeben, die Anteile werden von W. Werneke abgekauft. Die Mühle wird vom Kraftfuttermischwerk Bismark (Werk III Kalbe - Werkleiter Wolfgang Wernecke) betrieben. Nachdem 1981 der Mühlenbetrieb eingestellt wird, geht die Mühle am 01.Jan. 1982 an die LPG Tierproduktion "Ernst-Thälmann" Kalbe (Milde) zur Herstellung von Futtermitteln für den Eigenbedarf über.

Zum 01. Januar 1991 endet auch dieser Abschnitt die Produktion wird eingestellt und das Anwesen der Treuhand übergeben. Nachdem die Mühle dann über 6 Jahre als Abenteuerspielplatz, Müllhalde und wer weis was noch diente, die Gebäude stehen lehr und verwahrlosen, bis Sie 1997 von der Familie Daries käuflich erworben wird, 1999 wird das Wehr erneuert und Vorarbeiten durchgeführt um das Wasser wieder durch die Mühle zu leiten.

 
 
 
 
 
   
  
 

   © 2015 by H.Krüger •   burg.kalbe(at)gmail.com   •   Haftungsausschluß   •   Quellen  •  Impressum