Geschichten über Kalbe Milde
 

 



 
Burg Calbe aus dem Kapitel Bauten der Chronik der Fam. von Alvensleben

Als wichtigste Grundlage für die Baugeschichte der Burg Calbe an der Milde, sind bisher die Feststellungen des Baurats Prejawa – Salzwedel anzusehen, die auf Grabungen beruhen und im Anhang zu Band IV des Codex diplomaticus Alvenslebianus niedergelegt sind. Sie wurden 1899 abgeschlossen, bilden jedoch nur ein Teilergebnis, da die Bebauung der Burginsel mit Häusern die vollständige Ausgrabung der Burg unmöglich machte.

1921 untersuchte Professor Bodo Ebhardt im Auftrage des Regierungsrats Dr. Ludolf v. Alvensleben-Calbe die Burgruine, und äußerte sich in einem Gutachten, das im Alvenslebenschen Archiv zu Calbe aufbewahrt wird, über Alter und Stilcharakter der verschiedenen Baureste.

Wichtig ist unter den vorhandenen Nachrichten die Beschreibung der Burg nach ihrer Zerstörung 1632 in Wohlbrücks 3. Band der „Geschichtlichen Nachrichten von dem Geschlechte v. Alvensleben“ Berlin 1829, die auf Vorarbeiten des Gottlieb Leberecht Zarnack fußt (um 1770). Diese Schilderung ergänzt das Bild der Prejawa`schen Ergebnisse, genügt jedoch nicht, ein klares Bild der Anzahl der auf der Burg vorhanden gewesenen Gebäude, ihrer Lage und Bestimmung zu gewinnen.

Erst der die Burg betreffende Teilungsvertrag der Alvensleben zu Calbe 1477 (Copialienbuch im Alvenslebenschen Archiv zu Calbe S. 376 ff) schließt die Lücken. Auf dieses Dokument bezieht sich Wohlbrück nur flüchtig. Auch in Mülverstedt`s Urkundenbuch ist er nicht abgedruckt. Aus dieser Vertragsurkunde gewinnt man einen vollständigen Überblick über den Baubestand der kurz vor 1477 zerstörten Burg, und zwar vor und nach dieser Zerstörung"1" .

Die älteste Anlage einer Sumpfburg zu Calbe a. M. reicht in eine Zeit hinauf, in der Norddeutschland den Steinbau noch nicht kannte. Ein kreisrunder Graben wurde ausgehoben und die Erde zur Aufschüttung eines runden, von einem Wall zusammengehaltenen Hügels verwandt.

Im Mittelpunkt der Burg, unter der Kapelle, wurden 1921 die Fundamente des alten runden Bergfrieds gefunden. Dieser Turm dürfte nach Bodo Ebhardt bis ins 10. Jahrhundert zurückzudatieren sein. Der Durchmesser betrug 12,70 m, seine Außenmauern waren 3,60 m stark. Die Höhe schätzt Ebhardt auf etwa 20 m. Demnach stellten die aus Quadern gefügten Fundamente des Turms der Burg Calbe das älteste erhaltene Baudenkmal der Altmark dar"2" . Ebhardt nimmt an, dass es auf Burg Calbe im 10. Jahrhundert noch weitere Massivbauten gegeben hat und glaubt in den Grundmauern des Gebhardsbaus Reste des ältesten Pallas aus romanischer Zeit zu erkennen.

Beim Wiederaufbau machte man den alten Bergfried dem Erdboden gleich. Auf das er sich nie wieder erhebe, wurde nach mittelalterlicher Sitte eine geweihte Kapelle über den Grundmauern errichtet, mit deren Abbruch niemand sein Gewissen belastet haben würde. Damals, nach 1240, dürften Ringmauern und Pallas wiederhergestellt worden sein. Es fand sich, dass altes Steinpflaster zwei Meter unter dem heutigen liegt.
Maße:
Innerer Burghof: Durchmesser 56 m, Grundfläche 0,75 ha
Gesamte Burganlage mit Wällen und drei Gräben: Durchmesser 340 m, Grundfläche 6 ha.
Breite des erhaltenen Hauptgrabens: 50 m

Sicher hat die Burg in Kriegszeiten des 14. Jahrhunderts vielfach gelitten. Der Chronist Bekmann berichtet 1752, dass Albrecht I. v. Alvensleben, der Calbe 1324 erwarb, sie von Grund aus wiederherstellen ließ. Sein Nachfolger, Albrecht II., hat Burg und Herrschaft zu dem gemacht, was sie später geworden sind. Er erweiterte die Burg, schuf ein doppeltes Grabensystem - der dritte Graben kam erst 1552 dazu – ferner jene Ringmauer, die den in der Folgezeit entstehenden Burggebäuden als Außenwand diente.

Die wichtigste Tat Albrechts II. war nach Edinus die Heranführung der Milde auf einem Damm von Schenkenhorst nach Calbe, die es ermöglichte, alle Befestigungsgräben in und um Calbe zu speisen, Mühlen zu treiben und das Land zur Verteidigung unter Wasser zu setzen. Damit wurde der Anfang zum Ausbau der Burg Calbe als Festung mit Außenwerken gelegt.

Sichere Baudaten liegen erst aus der Zeit um 1450 vor. Damals besaß die Burg außer der Kapelle als Pallas nur den so genannten Gebhardsbau auf der Nordseite, das älteste Gebäude der Burg, ferner „Herrn Johns Kembnade“, die wahrscheinlich von Johann IX. v. Alvensleben (urk. 1393–1419) ihren Namen trug. (Copialienbuch S. 376 ff).

Nach dem Tod Ludolfs II. baute sein Sohn Ludolf IV. um 1450 für sich und seine Familie einen neuen Pallas an der Ostseite neben dem Haupttor. 1483 entschloss sich dessen Bruder, der Obermarschall Busso VII., zum Neubau seines abgebrannten Wohngebäudes an der Südseite. Diese drei Pallasgebäude, haben bis 1632 gestanden, gerieten aber mehrmals in Verfall. Der Pallas Ludolfs IV. (Ludolfsbau) wurde 1477 und 1597 erneuert, der Pallas Bussos VII. (Bussobau) 1583.

Kurz vor 1477 ist die Burg Calbe zerstört worden, vielleicht durch Brand, wahrscheinlich in einer der letzten Fehden des Erzstifts Magdeburg mit Kurbrandenburg. Nur Fundamente, Keller und Außenmauern der massiven Gebäude blieben erhalten. In diesem Jahr fand eine Teilung der Burg unter den drei Söhnen Ludolfs II. und ihre Erben statt. Dies waren (nach Copialienbuch S. 376 ff):
Gebhard XVI., gestorben 1494, Kurbrandenburgischer Rat, Busso VII., gestorben 1496, Obermarschall und Hauptmann der Altmark. Für Ludolf IV., der schon 1476 gestorben war, traten dessen Söhne ein: Victor I., Albrecht IV., Busso I. Bischof von Havelberg und Gebhard XVII.

Aus dem Teilungsverträgen (Copialienbuch S. 376 ff) geht hervor, dass die Burg 1477 ihren späteren Umfang bereits besaß, bis auf Rondells und zusätzliche Außenwerke, die der neuen Befestigungstechnik des 16. Jahrhunderts entsprachen. Diesem Vertrage nach befanden sich auf der Burg vor 1477 folgende Gebäude, - im Vertrag der Reihe nach genannt:
• Großes Steinhaus (Alter Pallas, Gebhardsbau, Nordseite).
• Johanns Kemenate (14. Jahrhundert) mit Fachwerkaufbau
• Gebäude über dem Privilegienkeller.
• Kellerhaus Bussos VII.
• Pallas Bussos VII. (Bussobau). Vorgänger des Neubaus von 1483.
• Ein kleines Gebäude (Bawichen) davor.
• Backhaus.
• Brauhaus.
• Pallas Ludolf IV. (Ludolfbau) erbaut um 1450
• Wachtturm an der Ostseite der Ringmauer.
• Hohes Gebäude (zwischen dem Haupttor und dem großen Steinhause an der Ostseite).
• Schlosskapelle (in der Mitte des Innenhofes).
• Kährn (Kärrner – Beinhaus)
• Mehrere Torbauten, darunter das Haupttor (neben den Wachtturm am Innenhof) und das Vogeltor. (176)
• Zwischen beiden im Torzwinger: Altes Malzhaus, dessen Keller noch erhalten sind, und die Schröderkammer. (Kern- oder Schrotkammer).
• Torhaus am „inneren Graben“
• Aufbau über dem dazugehörenden Vortor.
• Nutzbauten auf dem „Katzenhagen“, einem Teil des äußeren Zwingers. Katzenhagen, eine Bezeichnung, die als Straßennamen in Städten noch häufig ist, bedeutet „Geschützplatz“ (Katz = Geschütz). Innerhalb der Zwingermauern lagen also Unterbringungsräume für Geschütze, wohl auch Viehställe, Kornböden, Futterböden und Scheunen für die Vorräte in Belagerungszeiten.

Mit dem Wiederaufbau der Burg nach der Zerstörung von 1477 begann jene Periode, in der die Burg, durch immer neue Umbauten und Erweiterungen, ihre reichste Erscheinung erhielt. Kulturell war es eine Blütezeit, politisch bereits eine Epoche des Rückgangs der einst praktisch fast unumschränkten Stellung der Burgherren, die nun auf anderen Gebieten Betätigungsfelder fanden. Durch Erbteilung mehrte sich die Zahl der Lehnsträger an der Herrschaft und mit ihnen die der Familienmitglieder, des Gefolges und der Besatzung, was die Erstellung immer neuer Räume in der Burg notwendig machte.

Von 1477 bis 1485 wurden auf gemeinsame Kosten der Burgherren erneuert:
Großes Steinhaus (Gebhardsbau), - Hohes Gebäude – Johanns Kemenate – Busses Haus (1483) – Busses Kellerhaus – Bau über den alten Privilegienkeller – die vier Burgtore, darunter das Vogeltor – Wachtturm – Alte Burgkapelle – „Pfandhäuser und Steinwege“ – Altes Malzhaus im Torzwinger.

In den gleichen Jahren wurden folgende Neubauten auf der Burg vorgenommen:
Einwölbung der alten Kapelle und ihre Erhöhung um ein Stockwerk. Das neu entstehende Gemach als Beratungsraum für die Vettern und zur Aufbewahrung der Privilegien bestimmt, (analog Erxleben) als Ersatz des einstigen „Privilegienkellers“ – Anbau des Treppenturms an die Kapelle – Südlicher Anbau an die Kapelle mit zwei Giebeln – Verbindungsbau zwischen dem Großen Steinhaus und Johanns Kemenate - Neues Malzhaus – Anbau an den Ostgiebel des Großen Steinhauses. – Treppe am Ostturm, in den eine Winde und ein Brunnen hinein gebaut werden. – Verbindungsbau zwischen dem Ostturm und dem alten Malzhaus innerhalb des Torzwingers. – Beiderseitige Anbauten an die Quermauer durch den Torzwinger zwischen dem Hohen Gebäude und dem Malzhaus, also Überbauung des Tors in dieser Sperrmauer. – Torhaus am innersten Burggraben. – Aufbau über dessen Vortor. - Neubau auf dem Katzenhagen.

Wir erhalten also folgendes Bild der Bauentwicklung seit 1320:
Die älteste, von einer fast kreisrunden Feldsteinmauer umschlossene Burganlage füllt sich allmählich mit Gebäuden, deren Außenwände auf der Umfassungsmauer errichtet werden, von verschiedener Größe, die wichtigeren drei Stockwerke hoch. In der Mitte, an Stelle des 1240 geschleiften Rundturmes steht die alte Burgkapelle, die 1477 um ein Stockwerk überhöht wird. In die Rolle des einstigen Hauptturms ist der viereckige, außen an die Ringmauer gelehnte Wachtturm getreten, der das Haupttor (an der Ostseite) schirmt, ein Vorgang wie er sich ähnlich auf Burg Erxleben abgespielt hat. Diesen Ostturm wird man für Beobachtungszwecke schon früh beträchtlich erhöht haben. Als nächstes ist auf der Nordseite der Burg ein Zwinger zum Schutz des inneren Burgtors entstanden. Durch das äußere Zwingertor gelangte man auf die Brücken über die beiden Wallgräben.

Dieser „älteste Zwinger“, wie wir ihn nennen wollen, wurde später noch einmal durch zwei Tore gesperrt, deren eines als „Vogeltor“ bezeichnet wurde, beide durch trockene Gräben geschützt, die man auf Zugbrücken passierte. Im Schutt, mit dem man diese Gräben später zuwarf, hat man wichtige Scherbenfunde gemacht. Zwischen diesen beiden Toren, scheint an die Zwingermauer angelehnt das „Malzhaus“ gestanden zu haben, ein Neubau von 1477–1485. Es war dem Ostturm durch einen Wehrgang auf der Mauer verbunden. Längs dieses Ganges, innerhalb des Alten Zwingers, errichteten die Söhne Ludolfs IV. (1477–1484) noch ein Gebäude. Da es an Platz mangelte, wurden die beiden Tore innerhalb des Alten Zwingers überbaut.

Das Türmchen (thörmischen), von dem hier die Rede ist, kann ein älterer Mauerturm gewesen sein. 1477 wird zwischen Malzhaus und Türmchen eine „wüste Stätte“ erwähnt. Die Bezeichnung „Vogeltor“ deutet vermutlich auf Jagdfalken, die hier gehalten wurden. Der Zug der Ringmauer der inneren Burg ist teils durch Grabungen festgestellt, teils aus der Lage der Grundstücke noch erkennbar. Im Norden, Osten und Süden bildete sie, wie auch Wohlbrück berichtet, zugleich die Außenwand der Gebäude des Burgkerns. An der Westseite jedoch, zwischen dem Gebhards- und dem Bussobau, kann das nicht der Fall gewesen sein. Die verschiedenen Bauten auf dieser Seite sprangen winkelig vor und zurück; hier muss die alte Burgmauer einen Zwischenraum freilassend, um die Gebäude herumgelaufen sein. Den wichtigsten Verteidigungsabschnitt bildete die Schildmauer zwischen Gebhardsbau und „hohem Gebäu“, an der Achse der Brücken über die Burggräben sich totlief, und die den Belagerer zwang, dem Verteidiger seine ungedeckte rechte Seite zukehrend, nach links durch die Zwingerabschnitte weiter vorzudringen.

Da der alte Zwinger sich, wenigstens soweit er Ausfallstraße war, früh mit Gebäuden füllte und den Charakter einer reinen Verteidigungsanlage verlor, wurden neue Zwingerbauten nötig, wobei wieder deutlich wird, dass allein die Nordseite der Burg angreifbar war, während die anderen sich durch Sümpfe gedeckt sahen. Im Übrigen schützte der alte Zwinger, durch Mauern und Quermauern mit Wehrgängen darauf in Verteidigungsabschnitte geteilt, die Nordseite des Burgkerns. Jener Zwinger, auf dem sich der Katzenhagen befand, bildete einen zweiten, dem inneren vorgelagerten Außenzwinger und reichte vom inneren Brückentor bis zu der vom Hauptturm ausgehenden Sperrmauer, die wie der Grundriss andeutet, am inneren Graben mit einem Dansker endete, der vom Turme her über einen Wehrgang zugänglich war. Der Katzenhagen-Zwinger war scheinbar außen ganz mit Gebäuden umbaut, unter denen man die Pferdeställe vermuten darf. Niedrige Rundtürme gliederten die Außenmauern, die dem Zuge des inneren Grabens folgten. Prejawa, der den Verlauf der Zwingermauern, wenn auch nicht vollständig, erforscht hat, entdeckte im Nordosten des Burgkerns ihre Fundamente. Grabungen zwischen den Häusern Burg 13 und 14 auf deren Südseite haben auch die sperrenden Quermauern bestätigt. Diese Mauern wurden bei der Schleifung 1632 in den Burggraben gestürzt. Der Katzenhagen selbst stand parallel zum „Alten Malzhause“ östlich des Tors zur „mittleren Holzbrücke“. An den Resten dieses Tors sind die Schießscharten noch erkennbar, die zu beiden Seiten den „Großen Zwinger“ beherrschten, der wahrscheinlich nur von den Wehrgängen aus zugänglich war.

Befestigung zwischen beiden Burggräben: In drei konzentrischen Kreisen umgeben Wassergräben die Burg, der innere schmaler, der mittlere 50 Meter breit, von einander durch befestigte Wallringe getrennt und von der Milde gespeist, die, von Süden her herangeleitet, zugleich die sonst unbefestigte Stadt umfloss und die Burgmühle trieb, wie sie es heute noch tut. Die alte Verbindung von Milde und Burggraben existiert gleichfalls noch, die „Fleete“ genannt.

Verließ man, vom innersten Hof ausgehend, die Burg, so hatte man innerhalb der Burg selbst, wie Wohlbrück und Phillipp Carl v. Alvensleben übereinstimmend berichten, vier Tore und zwei Zugbrücken zu passieren:
1) das Haupttor, das aus dem innersten Hof in den „Alten Zwinger“ führte,
2) zwei Sperrtore innerhalb des „Alten Zwingers“, beide mit „Klappen“ oder Zugbrücken bewehrt.
3) das äußere Abschlusstor (Pforthaus) des „Alten Zwingers“ mit Vortor. Hier führte eine Zugbrücke über den inneren Graben. Diese wird 1477 als „Mittlere Holzbrücke“ bezeichnet, während die im „Alten Zwinger“ oberste Zugbrücke und „gantze überste Brücke“ genannt werden. Von diesem Tore sind noch Seitenmauern mit Schießscharten vorhanden. Wohlbrück wusste noch, dass Spuren des Fallgatters darin zu sehen gewesen, und dass runde Bastionen einst die Flanken schützten, ähnlich wie an den Gardelegener Stadttoren.

Zwischen dem inneren und dem breiten Hauptgraben befand sich eine weitere Toranlage im Zuge der Mauer auf dem Wallring und schützte dessen Zugänge mit Torwärterhaus. Die Brücke über den breiten Hauptgraben heißt 1477 „Lange Brücke“. Man gelangte nun über einen torbewehrten Ringwall und die Zugbrücke über den dritten äußeren Graben, der nicht mehr existiert, auf dem Burgdamm am Südufer der Milde bis zu einer Zugbrücke, dort wo sich die heutige Straßenbrücke über die Milde befindet und damit auf die alte Landstraße von der Stadt Calbe nach Bismark. Diese lief einst auf dem Mühlendamm am Nordufer der Milde bis zur Burgmühle, die bis 1856 ebenfalls am Nordufer lag, ein Fachwerkbau mit zwei Gängen, und überbrückte hier den Fluss. 181

Außer dieser Mühle gehörten noch eine Windmühle und die Vossmühle am Vossgraben zur Burg. Was die Zugbrücken betrifft, handelt es sich um die „äußerste Brücke nach der Stadt“ über die Milde, (heute noch an der gleichen Stelle) und die „andere Brücke dabei“ über den äußeren Burggraben. (Copialienbuch S. 376 ff.). Einst als „Fallbrücken“ bezeichnet, wurden sie zeitweilig fest ausgebaut und 1625 in Kriegsnot wieder als Zugbrücke eingerichtet. Am Burgdamm lagen mehrere Scheunen, ferner die „Junker– und Hirtenhäuser“.

Außer den geschilderten Befestigungsanlagen besaß die Burg vom 14. Jahrhundert bis zum dreißigjährigen Krieg eine Anzahl von Außenwerken, die den Fortschritten im Festungsbau entsprechend im Lauf der Zeiten Veränderungen erfuhren. Ebenso wie der Calbesche Werder bildet noch heute die engere Umgebung der Stadt ihrerseits eine Insel, entstanden unter Albrecht I. v. Alvensleben nach 1320 durch künstliche Verbindung der Milde mit der Vossflete durch den „Schanzgraben“.

Um die vier Zugänge zu dieser Insel zu schützen, entstanden vier Sperrforts, eirunde Erdwälle von Mauern und Gräben umzogen und durch Brücken zugänglich mit Gebäuden für Mannschaften, Proviant, Geschütze und Munition. Den „Langen Damm“ der im Zuge die Straße nach Bismark, Stendal und Magdeburg ostwärts durch das Sumpfgebiet des Mildetales führte, schirmte die Uhlenburg, 1486 erwähnt, nach Wohlbrück „ein länglicher runder Platz“ mit Graben, Wall und Mauerresten in größerer Ausdehnung, von dem sich heute noch Spuren finden. Die Uhlenburg, bereits zur Markgrafenzeit vorhanden, war offenbar mit Burgmauern ständig besetzt. Ein Wassergraben begleitet den „Langen (Neuendorfer) Damm“ von Burg Calbe bis zur Uhlenburg.

Auf der Straße nach Groß Engersen-Braunschweig deckte die Brücke über den Schanzgraben, unweit des Nonnenwerders, eine doppelte Wallanlage zu beiden Seiten des Grabens. Die Schanzgrabenbrücke der Straße nach Klötze–Celle, die von Calbe westwärts über den Petersberg lief, verriegelte das Wernstedter Fort. Die Vossbrücke über die Vossflete, (an der hier auch die Vossmühle lag), und die Vosschanze bildeten das Ausfalltor in Richtung Salzwedel–Lüneburg. Alle vier dienten im dreißigjährigen Krieg noch der Verteidigung. Wie ausdrücklich erwähnt wird, hielt man schon 1486 das Schussfeld von Bäumen frei. Den Calbeschen Werder schützten ferner zwei kleine Burgen, Jeetze und Mehrin. Die dort angesessenen Rittergeschlechter der Jeetze und Dequede, waren als Afterlehnsleute der Alvensleben verpflichtet, die Pässe bei Plathe und Beese über Augraben und Biese zu schirmen. Der Ringwall bei Altmersleben, der 1870 noch vorhanden war, und der bei Vahrholz, der erst 1910 eingeebnet wurde, waren möglicherweise Fliehburgen älterer Zeit.

Der militärischen Bedeutung als stärkste Festung im Mittelpunkt der Altmark entsprach das architektonische Gesicht der Burg Calbe. Bodo Eberhardt fühlt sich angesichts der älteren Bauform an Ordensburgen des 13. Jahrhunderts erinnert. Beziehungen zu den geistigen Ritterorden der Johanniter und Templer haben bestanden. Je ein Alvensleben hatte in beiden Orden die Herrenmeisterwürde innegehabt. Friedrich, der Bruder Albrechts I. war der letzte Meister des Templerordens in Deutschland.

Die Reste des älteren Pallas mit Kernmauerwerk aus Feldstein aus vor Alvenslebenscher Zeit, ferner Spitzbogenfenstern und den Blenden des gewaltigen Giebels, die nach Eberhardt aus dem 14. Jahrhundert stammen, haben alle jüngeren Bauten bis auf die Burgkapelle überdauert. Sie war im Rechteck gebaut, überwölbt und besaß fünf Maßwerkfenster mit farbigen Glasscheiben, wie Funde beweisen. Auffallend ist ihre Verwandtschaft mit der Grabeskapelle zu Heiligengrabe in der Prignitz, errichtet 1480-90, wofür der gleichartige Grundriss und die Wölbetechnik sprechen. Wahrscheinlich besaß die Kapelle zu Calbe auch ähnliche Staffelgiebel mit Blenden (Adler, Backsteinbau, Bd 2. Bl, L V).

Der noch stehende achteckige Hausmannsturm, früher mit gotischem Spitzhelm, vielleicht ähnlich dem des Altstädter Rathauses in Salzwedel, später wohl mit Renaissance-Haube bedeckt, hatte oben hölzerne Ausbauten, aus denen die Turmwächter bliesen. An den drei Pallasgebäuden müssen Treppentürme gestanden haben mit steinernen Wendeltreppen, wie am Schlosse Erxleben. Angebaute Holztreppen bildeten die Aufgänge zu Wirtschaftsräumen. Die drei Pallasgebäude waren dreigeschossig, das Material Feldstein mit Backstein vermischt. Kleine Fachwerkbauten lehnten sich an Mauern und Steinhäuser oder waren mitten in den Hof hineingesetzt. Imposant wirkten die Tore noch im Verfall, Philipp Carl Alvensleben rühmte im 18. Jahrhundert den Eindruck der „quatre tres grandes portes“. So formt sich das Bild der mittelalterlichen Burg: Feldsteinmauern, kleine Spitzbogenfenster, Staffelgiebel mit gotischen Blenden, steile Ziegeldächer, Obergeschosse und Wehrgänge in Fachwerk, Portale, gewaltigen Tore, Torlaibungen und Zinnen, wie wir sie noch an städtischen Bauten der Altmark oder an Burgen wie Altenhausen und Plattenburg sehen. Dieser gotische Formencharakter blieb beherrschend bis in die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts. Nach dem Brande von 1583 wurden zwei der Pallasgebäude und anderer Teile der Burg unter wirtschaftlich günstigen Umständen in der Blütezeit niederdeutscher Renaissance umgebaut. Etwa gleichzeitig, 1589 entstand Jürgen Röttgers Grabmal Ludolfs IX., des Roten, in der Stadtkirche zu Calbe, das Triptychon Joachims I. und das gemalte Epitaph Busse Clamers, die in Erxleben aufbewahrt werden, um nur die wichtigsten künstlerischen Dokumente zu nennen, denen die feinen Votivtafeln Gebhardts XVII. und der Fredeke v. Wenden 1520 vorausgegangen waren. Die einzigen architektonischen Schmuckstücke, von denen sichere Kenntnis vorhanden ist, sind Erker und Kamine des Gebhardbaus, noch gotisch, von 1472.

Für die Portale sind analoge Beispiele an gleichzeitigen Schlossbauten der Landschaft vorhanden. Bei Bränden und Zerstörungen blieb sicher manch älteres Portal erhalten. Höchstwahrscheinlich erhielten zum mindesten Busse– und Ludolfsbau, reich ausgebildete Renaissancegiebel und Zwerghäuser aufgesetzt, wofür Wolfsburg, Erxleben, Tylsen und das zerstörte Haus der Tuchmacher in Salzwedel, die besten Beispiele sind.

Verschieden war die technische Qualität der Bauten. Während der ältere Bergfried aus Findlingen gefügt war, besitzt die darüber errichtete Kapelle kaum Fundamente. Vorzüglich war der Kalk, den der Kalkberg bei Altmersleben bis ins 18. Jahrhundert geliefert hat.

Inneres: Da die Burg bis 1632 den Charakter einer Festung trug, wird man den Schmuck auf das Innere der Pallasgebäude konzentriert haben, wo er in Decken, Täfelung, Kaminen, Öfen, Türumrahmungen zur Anwendung kommen konnte. Im Bussobau ist 1592 ein Saal erwähnt. Aufgefundene Reste von verzierten Ofenkacheln und gemalten Glaspokalen deuten nicht weniger auf bedeutende Ausstattung als reiche Tracht und kostbaren Schmuck der Alvensleben zu Calbe und ihrer Gemahlinnen im 16. Jahrhundert auf Grabtafeln und Bildnissen. Gefunden wurden Ofenkacheln vom Ende des 16. Jahrhunderts mit architektonischen Motiven, grün und schwarz, geschmückt mit Gestalten von Rittern und Ritterfrauen, Wappen und Rosen, Scherben von Glaspokalen mit Reichsadlern darauf, vom Beginn des 17. Jahrhunderts. An der Kapelle: Glasscherben von leuchtend Rot und Grün mit gotischen Buchstaben, Wappenresten und immer wieder den Alvenslebenschen Rosen, ferner eine Kaminplatte mit Wappen und Inschrift: „Ludolf (X) von Aluensleuen, Gebhart seliger Sohn 1567.“ Als Wandbekleidung hat man sich Wirkteppiche und Gemälde vorzustellen, den erhaltenen Inventarien ähnlicher norddeutscher Burgen entsprechend. Himmelbetten wie sie bis 1928 in Erxleben zu finden waren, sind auch für Calbe anzunehmen.

Beispiele für Turmbekrönung aus dem Ende des 16. Jahrhunderts sind die des Hauptturmes der Wolfsburg und der Treppentürme in der Burg Erxleben. Die Turmhelme des 16. und 17. Jahrhundert sind fast stets die gleichen. Bis zur Zerstörung von 1632 wohnten die Alvensleben in fünf Gebäuden auf der Burg.

Immer wieder wurde seit 1477 geteilt und getauscht. Oft wohnten mehr als drei Parteien in einem der Wohngebäude zusammen; daher das Bestreben, auf anderen Gütern eigene Wohnsitze zu beziehen, während man auf der gemeinsamen Burg Calbe nur zeitweilig residierte und zu besonderen Anlässen zusammen kam.

Jeder Pallas enthielt eine besondere Küche, eine Hofdornitz für die gemeinsamen Mahlzeiten und Räume für die herrschaftliche Dienerschaft. Gemeinsam waren Backhaus und Brauhaus, beide innerhalb des Burghofs gelegen. Schreiberei, Gefängnis, Büchsenhaus und Gesamtküche für die Besatzung lagen ringsum. Das Haupttor am inneren Burghof, desgleichen die Wohnräume des Burghauptmanns (eines gemieteten Söldnerführers), des Büchsenmeisters, Schreibers, Vogts, das Wachlokal, die Schlafräume von Soldaten, Knechten, Gefangenenwärtern und Pförtnern, Bauern und Mälzern. Der Türmer lebte ganz auf dem Hausmannsturm, der Kaplan offenbar im Anbau der Kapelle. Wie der Katzhagen für Geschütz und Munition, diente das Malzhaus als Speicher für Lebensmittel.

Über die Verpflichtung, die den verschiedenen Linien des Geschlechts für Unterhaltung und Verteidigung der Burg zufielen, unterrichtet der Teilungsvertrag von 1477, (Copialienbuch S. 376 ff.). Damals wurde die Burg selbst, das „Vorwerk“, der „Baumgarten vor der Burg“, die Güter und Einkünfte in den zur Herrschaft gehörenden Ortschaften auf drei Bruderstämme verteilt. Prüfen wir den Baubestand der Burg an Hand dieses Teilungsvertrages noch einmal: die Teilung ging vom Mittelpunkt, der Kapelle, aus. Gebhard XVI. und Busse VII. erhielten den größeren Teil des Burgkerns, und zwar Gebhard XVI. die nördliche Hälfte vom Haupttor bis zu Johns Kembnade, Busse VII. die südliche Hälfte von der Kembnade bis an den Pallas Ludolfs IV. mit Ausnahme des Privilegienkellers, der Gebhard zufiel. Die Söhne Ludolfs IV. behielten im Burgkern nur den väterlichen Pallas (Ludolfbau), bekamen aber dafür fast alle Gebäude des alten Zwingers, mit dem Recht, sie zu erweitern, und die Tore, mit Ausnahme des Vogeltors.

Den Ludolfbau, „das Haus, des Ludolf (IV.) sel., ihr Vater gebauet hatte mit der Küchen bis an den Thurm“ erhielten die Söhne Ludolfs IV. gemeinsam. Es ist der Pallas auf der Ostseite des Burgkerns, der mit “Schreibery“, Küche und Backhaus, wie nach 1592 bezeugt, baulich in Verbindung stand. 1584 wurde er durch Ludolf X. erneuert. Zu Ende des 18. Jahrhunderts standen (nach Wohlbrück) davon noch ein Giebel und die Außenmauer. Der einstige Umfang ist nicht genau bestimmbar. Die Hauptküche, 1477-85 offenbar erweitert, verband diesen Pallas mit dem Ostturm, der gemeinsamer Besitz blieb.

Der Gebhardsbau, - ich führe diese Bezeichnung auf Grund des Teilungsvertrages von 1477 zur besseren Unterscheidung für die drei Pallasbauten ein, - war im Gegensatz zum vorigen zerstört und wurde (gemäß Wohlbrück II. S. 112 und Copialienbuch Calbe) 1472 und 1477–85 von Gebhard XVI. erneuert. „An einem Quadersteine über einen Balcon“, heißt es bei Wohlbrück, „sahe man die Inschrift 1472. Gevert von Alvenslebe. Polita uxer“ (Hippolita v. Bülow)“. Und in demjenigen Zimmer, aus welchem man auf diesen Balkone trat, befand sich an einem Camin das Alvenslebensche und das Bülowische Wappen, davon Spuren noch jetzt (um 1800) vorhanden. Nirgends sah man Fensteröffnungen so sparsam angebracht, als an der äußeren, über der Ringmauer stehenden Seite des Gebäudes“. Dies wurde gewöhnlich als „Großes Steinhaus“ bezeichnet und schien Wohlbrück, „seiner Bauart nach, das älteste zu sein, wie es auch das festeste war“.

Im Archiv des Gutshauses von 1840 gab es noch eine Ofenplatte mit dem Alvenslebenschen Wappen und der Inschrift „Gebhard v. Alvensleben, Ludolf sel. Sohn“, die vermutlich aus dem Gebhardsbau stammte.

Zu Gebhards XVI. Anteil gehörte auch das „Hohe Gebäu“ an der Nordseite des Burgkerns, zwischen Haupttor und Gebhardsbau. „Das Allersiedeste unter dem hohen Bau“, heißt es 1477 „das zur Zeit heißt das Kalckhaus, das soll uns allen bleiben, das wollen wir wölben, und da soll sein, unser Büchsen-Haus.“ Dieses Gewölbe scheint mit dem von Wohlbrück erwähnten “Rondell“, nördlich des Tores identisch zu sein, “welches nun als Gefängnis gebaut wurde und wahrscheinlich ehemals dieselbe Bestimmung gehabt hatte“. Wenn nicht, so hing dies „Rondell“, das das innerste Tor zu schützen hatte, wohl ein Rundturm, mit dem „Hohen Gebäu“ baulich zusammen.

Als Archiv diente, bevor es über der Kapelle untergebracht wurde, der Privilegienkeller, über den es heißt: „Den Kellerhals soll Gebhard haben, da wir unsere Privilegia auf haben, da mag er auf bauen, was er will und mag“. Johanns Kemenate und dieser Keller, ferner das angrenzende Kellerhaus Busses VII. sind in ihren Fundamenten an der Westseite des Burgkerns 1945 noch erkennbar.

Neubauten Gebhards XVI: „Die wüste Stätte hinter dem Born, da mag er sein Haus setzen von dem großen Stein Haus bis an Herrn Johns Kembnade, soweit das Haus all entlang als das Hinderste Giebel ist an dem großen Stein Haus“. Also ein Verbindungsbau vom Westgiebel des Gebhardbaus bis Johanns Kemenate. Der Verlauf der Außenmauer ist an den Ansatzpunkten noch erkennbar. Der erwähnte Brunnen lag in der Nordwestecke des Burghofes.

„Item er mag auch bauen ein Gebäu von dem Giebel des Großen Steinhauses, als man auf der Schröder Kammer gehen will, bis an die Treppe und so breit als der Giebel darauf reichet.“

„Auch mag Gebhard bauen auf dem Gang über dem Vogelthore (quer über den alten Zwinger fort), auf der Mauer von dem Hohen Bau an bis auf das Mittel von dem Fenster, (189) das rechts dem Tore ist, und mit Steinen anzuhangen an beiden Seyten“. Gemeint ist scheinbar ein Verbindungsbau zwischen dem Hohen Gebäu und dem Malzhaus im „Alten Zwinger.“

Den Pallas an der Südseite des Burgkerns „Herrn Busses Bau und Haus, da er noch auf wohnet, mit dem Bawichen (kleinem Gebäude), das für seinem Haus stehet“, ließ Busse VII. bald nach 1450 errichten und nach der Zerstörung 1483 erneuern.

Links im Eingang des noch vorhandenen Kellers des Bussobaus ist ein Stein eingemauert, der wohl ursprünglich über dem oberen Eingang des Bussobaus angebracht gewesen ist. Die Inschrift in gotischen Buchstaben lautet: „Ao Domini 1483 Vigiliis Sancti Crucis“ (= an den Wachen des heiligen Kreuzes) Bosse ab Alvensleve cum Mette Uxor (= seine Frau Mette v. Alten).
Inschriftstein im Keller des Bussobaus 1483
Gegenüber diesem Stein ist ein Sandstein gleicher Größe mit der Rückseite nach vorn angebracht, der eine weitere Inschrift enthalten könnte. Ein weiterer Stein mit den Wappen Alvensleben und Alten liegt noch im Eingang zum Hausmannsturm. Er müsste ebenfalls von einem Bau stammen, den Busso VII. errichtet hat.
Stein mit den Wappen Alvensleben und Alten
Im 18. Jahrhundert fanden sich nach Wohlbrück „die Reste dieses weitläufigen Wohnhauses von drey Stockwerken. Nach der Inschrift über der Haupthür war dies dasjenige Gebäude, welches von Ludolf XI. (dem Roten) nach dem Brande vom 14. September 1583 wiederhergestellt worden war“. Nach der Inschrift (Wohlbrück III, S. 65) fand die Neueinweihung 1584 statt. „Anno 1584 den 15. May hat Ludolf (XI.) v. Alvensleben, Ludolphs sel. Sohn mit göttlicher Hilfe dieses Haus, welches Anno 1483 durch Busse (VII) v. Alvensleben erbaut und 1583, den 14. October durch unvorgesehen Brand ganz abgebrannt gewesen, von Neuem aufgebauet“. (Aktenfasz. „Schatz zu Calbe“. Bericht vom 25, Oktober 1746. Alvensleben-Archiv Calbe.)

Im Inneren befand sich 1592 nach Wohlbrück ein Saal und an dieser Stelle wurden Scherben eines reich verzierten Glaspokals gefunden. Der Reihenfolge des Berichts nach waren Back- und Brauhaus seitliche Anbauten an den Bussebau.

Johanns Kemenate: „Das Steinerne Haus, das nun Herr Johns Kembnate heißt, mit dem Höltzern Hause, das darauf ferne anstehet, und dasselbige Höltzern Haus soll und mag Herr Busso einen Spannes weiter bauen“. Da der Gebhardbau mit „Johns Kembnade“ durch einen Zwischenbau verbunden werden konnte, muss das Gebäude über dem Privilegienkeller sich südlich daran angeschlossen haben.

Gemeinsam war die Kapelle mit dem Archiv darüber und dem Treppenturm, beide Neuschöpfungen ab 1477, ebenso der zweigiebelige Anbau an die Südwand des Gotteshauses.

Die ersten vier Generationen der Alvensleben zu Calbe besaßen und bewohnten auf der Burg den alten einzig vorhandenen Pallas, das Große Steinhaus oder Gebhardsbau. Seit 1450 entstanden, wie wir wissen, zwei weitere Pallasbauten, Ludolfs- und Bussobau, die von den Stämmen Ludolfs IV. und Bussos VII. fortan bewohnt wurden, während der Gebhards XVI. den alten Pallas behielt.

Die Inhaber der drei Pallasgebäude 1450–1632

Ludolfsbau
6. Generation: Ludolf VI., Vicke I., Albrecht VII., Bischof Busso I., Gebhard XVII.
7. Generation: Andreas I., Elias I. bis 1565, Ludolf X., Joachim I.
8. Generation: Gebhard XXII.
9. Generation: Cuno, Gebhard XXIV.
1592 haben sich die Erben Ludolfs X. und Joachims I. auseinandergesetzt.
Ludolfs Erben behielten den Ludolfsbau. Joachims Erben bekamen den Bussobau.

Bussobau
6. Generation: Ludolf VII., Konrad II.
7. Generation: Busso XI., Ludolf IX.
8. Generation: Ludolf XI.(der Rote) dessen Erben 1592 die Söhne Ludolfs X. und Joachims I.
Ludolf XIII. seit 1592,
9. Generation: Joachim Werner I.

Gebhardsbau
6. Generation: Johann X., Bischof Busso II
7. Generation: Joachim I. (1552–1565), (Erbe von Bischof Busso II.)
Elias I. (tauscht 1565 mit Joachim I.)
8. Generation: Hans Clamor
9. Generation: Elias II. (Asseburgs)

Den Ludolfsbau hatten im 15./16. Jahrhundert unter anderen, Bischof Busso I. inne, Gebhard XVII. und seine Söhne, Ludolf X. und Joachim I. Den aussterbenden Stamm Gebhards XVI. beerbte das Haus Rogätz, Achaz I. und Elias I. Dem Stamm Bussos VII., der 1589 ausstarb, folgten die Nachkommen Gebhards XVII. 1592 setzten sich die Erben Ludolfs X. und Joachim I. auseinander. Die Söhne Ludolfs X. behielten den Ludolfsbau. Die Joachims I., Ludolf XIII. in Zichtau, und der Domherr Busso Clamor bekamen den Bussobau. Der Gebhardsbau, den Joachim I. 1548 anteilig von Bischof Busso II. geerbt hatte, fiel 1565 durch Tausch ebenfalls an das Haus Rogätz, Elias I. und dessen Nachkommen. Dieser Pallas wurde später den Asseburgs mitverpfändet.

Bereits 1626 litt die Burg durch Beschießung und Brand von Seiten der Dänen. Danach von Dänen und Schweden geplündert, wurden die Befestigungen der Burg 1632 auf Befehl Kurfürst Georg Wilhelms von Brandenburg geschleift. (192) Wälle und Bastionen wurden eingeebnet, die Zwingermauern und die Ringmauern auf dem Wall zwischen dem inneren Graben und dem Hauptgraben abgebrochen, der innere Graben zugeschüttet, die Tore demontiert. Von einer Zerstörung der Schlossgebäude selbst ist dagegen nirgends die Rede. In einem Nebenstück des Calber Archivs heißt es 1659 nur, die Alvensleben hätten sich „auf ihre nächst darbey gelegenen Vorwerke begeben und das Haus lediglich stehen lassen, welches darüber sehr eingegangen und nach und nach verfället. Die Befestigungen waren ruiniert, der Wall geschleift und der Graben dadurch gefüllet, dass also von jetzt das Haus an sich selbst bei weitem nicht so wol verwahret, als es von Alters gewesen.“

Das große unbefestigte Schloss war, solange der Krieg währte, bis 1648, kaum bewohnt. Die Burgherren hatten ihren Hauptsitz seit dem 16. Jahrhundert auf anderen Gütern, ihre Vorwerkshäuser genügten für kurze Aufenthalte. Die Schleifung bedeutete das Ende der einstigen Bestimmung von Burg und Herrschaft.

Obwohl die verschiedenen Linien nach 1632 beharrlich ihre Anteile „am Hause Calbe“ festhielten, entschloss sich doch keine, die Burginsel wieder zum Herrensitz herzurichten. Nur das Burgverliess im „Rondell“ am Haupttor diente wieder als Gefängnis. Die Dächer stürzten ein, Wind und Wetter zerstörten das Balkenwerk, man begann die Burg als Steinbruch zu benutzen, ja zwischen 1750 und 1770 den Grund und Boden selbst in Erbpacht zu geben und planlos den Bau von Häusern in den Ruinen zuzulassen. So entstand innerhalb der Mauern der noch aufrecht stehenden Gebäude eine Pygmäensiedlung.

Im Protokoll „der Schatz zu Calbe“ 1740 erscheint die Kapelle noch als gewölbt. Die „Rudera“ der Gebäude standen damals als totes Mauerwerk rings herum. Die Beschreibung Gottlieb Leberecht Zarnacks, Pfarrer zu Eimersleben, in seiner vierbändigen Geschichte des Alvenslebischen Geschlechts (Handschrift Erxleben II, Lehnsbibliothek), die um 1770 niedergeschrieben wurde, ist als wichtigste Quelle von Wohlbrück fast wörtlich übernommen worden. Auch damals stand die Burg noch zum großen Teil. Ergriffen blickte der Minister Phillipp Carl 1781 auf die efeuumsponnenen Ruinen. Der Hauptturm an der Ostseite scheint diesen Beschreibungen nach 1632 mit zerstört worden zu sein.

Das Erdgeschoß des Gebhardsbaus scheint 1806/07 noch eingewölbt gewesen zu sein, denn damals war französische Kavallerie darin untergebracht. Aus jener Zeit hat sich die Bezeichnung „Reitstall“ lange erhalten. Um 1830 wurden die noch stehenden Teile der Außenmauer „umgeworfen“. Viele Jahrhunderte haben die Trümmer der Burg für Häuser und Straßenbauten in der Stadt Calbe als Steinbruch gedient.

Ein Bewusstsein für die historische Bedeutung der Burg erwachte im 19.Jahrhundert wieder. Seit 1880 begannen die Alvensleben die Reste der Burg, soweit sie noch vorhanden waren, wiederherzustellen.

Wilhelm v. Alvensleben auf Calbe (Kr. VII, 20, 1853-1886) und Superintendent Julius Müller aus Calbe retteten den Kapellenturm, der einzustürzen drohte. Oskar v. Alvensleben stiftete 1900 ein größeres Kapital für die Erhaltung der Ruine, Freilegung der Kapelle und Rückkauf der fremden Grundstücke auf der Burginsel. Dies tatkräftig unter großen persönlichen Opfern in die Hand genommen zu haben, ist das Verdienst Dr. Ludolfs v. Alvensleben- Calbe (Kr. VII, 38, 1882-1971). Die noch stehenden Hauptteile, Giebel und Grundmauern des ältesten Pallas (Gebhardsbau), Kapelle und Turm stehen vom neuem gesichert und zeugen machtvoll von dem, was hier zugrunde ging.

Die von Bekmann erwähnte Abbildung der einstigen Burg in den Ratsakten zu Calbe, soll um 1800 durch Brand vernichtet worden sein. Auf Grund der vorliegenden Untersuchungen hat der Verfasser 1934 gemeinsam mit dem holländischen Maler Anco Wigboldus eine Rekonstruktion der Burg Calbe entworfen. Wieweit sie mit neueren Grabungsbefunden übereinstimmt, bedarf noch einer Überprüfung.

Gärten, die zur Burg gehören, werden 1477 erstmalig erwähnt, und zwar zunächst der Baumgarten, am Vorwerk nördlich der Milde, an der Stelle und wohl in gleicher Ausdehnung wie der heutige Park des Alvenslebenschen Rittergutes I. Der östliche Teil wurde auch als „Wildgarten“ bezeichnet. 1484 ist von „Hopfengärten“ und einem „Kohlgarten“ die Rede, 1487 (wie die vorigen im Calbeschen Copialienbuch) vom „Garten beim Siechenhaus“ am Nordwestrand der Stadt, 1605 vom Bahngarten oder Bahnhorst am „Krummen Graben“. Der „Alte Hofgarten“, 1552 erwähnt, war ein Lust- und Küchengarten vor der Burg, an dessen Stelle schon im 16. Jahrhundert das „Große Vorwerk“ errichtet wurde. Auf der Südostseite der Burg, lag der „Große Grashof“.

Man erkennt hier schon im 15. Jahrhundert in der Scheidung von Baum- und Küchengärten die von Parterre und Boskett. Die Nutzgärten dürfen wir uns wie auf zeitgenössischen Darstellungen der Zeit, bereits durch Einfassungen der Wege und Quartiere mit Blumen, gestutzten Hecken und Spalieren vorstellen.


mit freundlicher Genehmigung, entnommen der Chronik "Die Alvensleben in Kalbe - 1324-1945" von Dr. Udo v. Alvensleben-Wittenmoor verfasst 1920-1960 bearbeitet von Prof. Dr. Reimar v. Alvensleben

"1" Auch Hermann Wäscher (Feudalburgen in den Bezirken Halle und Magdeburg, Berlin 1962), der sich mit dem Baubestand der Burg vor ihrer Zerstörung befasste, hatte offenbar keinen Zugang zu dieser Quelle., ebenso Stahl (1999).
"2"
nach R. v. Kalben, 44. Jahresbericht des Altmär-kischen Vereins für vaterländische Geschichte zu Salzwedel, 1926, S. 6

   
  
 

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