Geschichten über Kalbe Milde
 

 


 

 

Das Siechenhaus in Kalbe
 

Die unruhigen Zeiten des 14. und 15. Jahrhunderts und die immer wieder auftretende Pest hatten große soziale Probleme aufkommen lassen. Waren früher Krankheit und Alter mit ihren Belastungen weithin in den Familien bewältigen worden, so hatte die Zahl der unversorgten Kranken und Alten, der Vertriebenen und Armen in einem erschreckenden Maße zugenommen. Auch in der Altmark werden in dieser Zeit an zahlreichen Orten sogenannte Hospitäler und Siechenhäuser gegründet. In den Städten gab es sie schon seit längerer Zeit. Dort waren es vor allem die Klöster, die sich der Hilfsbedürftigen annahmen. Pesthospitäler, die meist der Hlg. Gertrud oder dem Hlg. Georg geweiht waren, wurden vor den Mauern der Städte errichtet. Auch für Kalbe ist die Existenz einer solchen wohltätigen Einrichtung nachweisbar. Wann das Siechenhaus (sekenhus) gegründet wurde, ist unbekannt, aber wir dürfen annehmen, dass es vielleicht gegen Ende des 14. Jahrhunderts, ganz sicher aber am Anfang des 15. Jahrhunderts eingerichtet worden ist, denn als es 1462 das erste mal erwähnt wird, heißt es über die Ausstattung des Siechenhauses "wie es ihnen (den armen Leuten) vor Zeiten gegeben war". Die Familie v. Alvensleben hatte das Siechenhaus gegründet und ausgestattet. Es wurde zwischen der Burg und der Stadt erbaut, der heutige Siechengang erinnert noch daran. über die ursprüngliche Ausstattung wissen wir nichts, allein am 5.1.1462 konnte durch den Vorsteher Schlüter aus dem Vermögen des Siechenhauses dem Schulzen in Wernstedt 11 Mark Salzwedelscher Währung (das sind über 1.000,- Mark nach unserem Gelde) geliehen werden. Die Zinszahlung in Form von ca. 5 Zentnern Roggen jährlich sollte dem Siechenhaus zugute kommen. Mehrere Jahrhunderte hat diese segensreiche Einrichtung bestanden. Erst aus dem Jahre 1600 liegt uns eine Jahresabrechnung für das Siechenhaus vor, aus der wir uns ein deutlicheres Bild über die Ausstattung der Einrichtung machen können. Damals war im Siechenhaus Platz für 8 Arme, den Spitalmeister und seine Frau, also 10 Personen. Die v. Alvensleben hatten dafür verzinslich ausgelegt ein Kapital von 2051 Talern (vergleichbar 1/2 Million Mark nach unserem Gelde), die 123 Taler (rund 31.000,- M) Zinsen erbrachten. Von diesen Zinsen wurde der Unterhalt des Hauses bestritten.

Wir erfahren dabei, dass für 2 schlachtreife Ochsen 10 Taler ausgegeben werden mussten, für ein Schlachtschwein zwischen 1 und 2 Taler, ein Schlachthammel 1 Taler, für 5 Taler wurde Hering gekauft. Für Schuhe und Kleidung wurden 16 Taler veranschlagt und Lohn des Spitalmeisters betrug 6 Taler.

Alles in allem betrug der Gesamtumsatz des Siechenhauses im Jahre 1600 94 Taler (etwa 23.500,- M nach unserem Gelde) für 10 Personen. Dabei muss berücksichtigt werden, dass die Zeit um 1600 eine Zeit wirtschaftlichen Wohlstandes ist. Der 30jährige Krieg hat diesen Wohlstand gründlich zerstört und es hat mehr als 100 Jahre gedauert, ehe sich die Volkswirtschaft wieder erholt hatte.

Später gab es in Kalbe ein Armenhaus, das in der Nähe der Kirche stand und im 2. Weltkrieg abgebrochen wurde.


Quelle: Das Hauptpachtregister der von Alvensleben von 1460, siehe (http://www.kalbe-milde.de/alv/hp/hpf3.htm)



Eine Quittung für das Siechenhaus

Im Jahr 1569 und 1573 quittierte der Pfarrer Elias Hoffman dem Rat der Altstadt Salzwedel den Erhalt von jeweils 60 Taler Zins von 1000 Taler Hauptsumme, die die Alvensleben zum Besten des Siechenhauses in Calbe bei ihm hinterlegt hatten. Die Quittungen beziehen sich auch auf die vergangenen Jahre, ohne ein genaues Jahr zu benennen.

Die Stiftung stammt aus dem Testament Busso IX. („des Reichen“, + 1534), das u.a. 1200 Taler für das Siechenhaus in Erxleben, 1000 Taler für das Hospital in Neuhaldensleben und 500 Taler für das Siechenhaus in Calbe vorsah. Zu diesen 500 Talern legten die Alvensleben Schwarzer Linie die gleiche Summe aus ihrem eigenen Vermögen, so dass das Stiftungskapital ebenfalls 1000 Taler betrug. Quelle: Wohlbrück II., S. 444 und Testament Joachims I. v. A. vom 16.11.1584 (Großes Kopialbuch Calbe, LASA H 113, Nr.25, Bl.239).

Es handelt sich um die gleiche Stiftung, aus der die Gelder für den Bau der Schlosskapelle und die Einrichtung der Bibliothek in Erxleben seit 1558 stammten. Sie wurden ebenfalls von Elias Hoffmann verwaltet.


Quittung


Die Quittung stammt aus dem Stadtarchiv Salzwedel, Dank Herrn Archivar Steffen Langusch, der Text von Prof. Dr. Reimar v. Alvensleben

 
 
 
 
 
   
  
 

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