Geschichten über Kalbe Milde
 

 


 

 


Der Spuk im Eiskeller
 

In Kalbe an der Straße nach Klein Engersen, stand einst ein großes, altes Haus. In dessen Eiskeller ging es nicht mit rechten Dingen zu. In dem kalten Keller hauste ein großer, schwarzer Hund, und es wusste jeder, dass dieser Hund ein Spuk war. Gelegentlich kam der große schwarze Hund auch aus dem Eiskeller heraus geschlichen, und dann versuchte er auf der Straße ahnungslos Vorübergehende zu beißen. Die Besitzer des Hauses konnten den Eiskeller zuschließen, ja sogar Türen und Fenster und Luken verrammeln – es half nichts, der Hund fand immer heraus, um ahnungslose Wanderer auf der Straße anzufallen. Er schien in seinem tiefen, dunklen, kalten Keller regelrecht zu ahnen, wenn sich wieder ein Opfer draußen auf der Straße näherte. Ohne zu zögern, ohne Bellen oder Knurren jagte dann der Hund auf sein Opfer zu – und schon hackte er sein mächtiges Gebiss in dessen Bein und ließ es nicht mehr los. Für gewöhnlich brachten die völlig Erschrockenen auch keinen Laut heraus – kein Geschrei, kein Gewimmer, kein Schimpfen, nichts. Die Gebissenen standen nur stumm da, rissen den Mund weit auf und wollten schreien, aber sie blieben stumm. Erst, wenn es ihnen unter großen Anstrengungen gelang, ein paar Worte zu stammeln, war der Spuk gebannt. Der große, schwarze Hund verschwand sofort, als hätte es ihn nie gegeben – und die eben so arg Gebissenen verspürten sogleich keinerlei Schmerz mehr, was auch nicht verwundern konnte, denn mit dem Spukhund war dann auch die Bisswunde aus ihrem Bein verschwunden. Also gab es auch nie einen Grund, dem Besitzer des Hauses, in dessen Keller das große schwarze Biest hauste, einen Vorwurf zu machen. Es war nichts zu sehen, es war also auch nichts zu beweisen. So konnte der Spukhund noch lange Zeit erschrockenen Wanderern kräftig in die Waden beißen.


Volksmund

 
 
 
 
 
   
  
 

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