Geschichten über Kalbe Milde
 

 


 

 


Der treue Hund
 

Man sagt, in der Stunde nach Mitternacht gehe es an der Straße von Kalbe nach Güssefeld nicht mit rechten Dingen zu. Einst, vor langer Zeit, kam ein Wandersmann in das Städtchen Kalbe, an seiner Seite trottete brav ein Hund, sein treuer Weggefährte. Der Fremde kehrte in einer Wirtschaft ein, bestellte sich ein reichliches Mahl, und jedermann konnte sehen: Sein Geldbeutel war prall gefüllt.

Nach ausreichender Rast nahm der Fremde seinen Wanderstock mit dem Ranzen zur Hand, pfiff seinem Hunde und trat vergnügt auf die Straße, seine Reise fortzusetzen, die ihn wohl über Güssefeld ins Salzwedelsche Land führen sollte, wie er dem Wirte sagte, der ihn verabschiedete. Doch der Wanderer kam niemals dort an. Am anderen Tage fand ihn ein Bauer erschlagen am Wegesrand liegen. Feige Mörder hatten den Fremden ausgeraubt. Neben der Leiche hockte traurig winselnd der Hund des Opfers. Man schaffte die Leiche weg und begrub sie. Doch der Hund ließ sich nicht fortbringen. Er hockte weiter an jener Stelle, wo man sein Herrchen ermordet hatte, und niemand konnte das treue Tier von dort vertreiben. Eines Morgens fand man den Hund tot, schaffte den Kadaver beiseite und vergrub ihn. Doch seit der darauffolgenden Nacht spuckte es an der Mordstelle. Ein großer schwarzer Hund lauert nun am Weg und schaut jeden mit großen roten Augen an. Der Geist des Hundes wartet wohl darauf, dass ihm der Mörder seines Herrchens über den Weg läuft.


Volksmund

 
 
 
 
 
   
  
 

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