Mal- und Zeichenzirkel für Kinder und Jugendliche
 

Wenn ich zurückdenke....
Anfang und Ende einer Arbeitsgemeinschaft Kunst von Klaus Ozminski

Mit dem Spaß an den Fabeln von Aesop und Lafontaine fing es an. Eine Interessengemeinschaft bildete sich im Spätherbst 1961 an der Polytechnischen Oberschule in Kalbe an der Milde. Wenige Wochen nach Beginn meiner Lehrertätigkeit hatten wir eine Idee. Wir, das waren einige Schüler aus der 7. oder 8. Klasse und ihr Lehrer. Im Literaturunterricht machte es damals noch Vergnügen, selbst Fabeln zu schreiben oder sie zu illustrieren. Da ich die gleichen Klassenstufen auch im Kunstunterricht traf, war eine günstige Verbindung zwischen den Fachgebieten gegeben. Für einige Interessierte waren die obligatorischen 45 Minuten Zeit für Kunst pro Woche zu wenig. Diese trafen sich nun in ihrer Freizeit, um mehr auszuprobieren. Das war noch keine zielstrebige Arbeitsgemeinschaft, sondern eine kleine Gruppe auf Zeit. Die vielen Ideenskizzen aus den Zeichenstunden wollte man vervollständigen, bzw. bis zu einer Bildlösung kommen. Dabei entstand der Wunsch, die Arbeiten zu vervielfältigen. Einmal um sie zu verschenken oder zu einem schön geschriebenen Text die geeignete Illustration zu schaffen. Legten wir die schönsten Blätter zusammen, ergab sich eine kleine Sammlung, geeignet als Präsent in einer Mappe. Man schrieb jetzt Anfang 1962, also kein Vergleich mit den Vervielfältigungsmöglichkeiten von heute. Der Farblinolschnitt bot sich uns an. Schien dafür geeignet. Es waren wohl nicht mehr als 10 Teilnehmer, die sich an diese Drucktechnik wagten. Um das Material zu beschaffen, musste man die Augen aufhalten. Zuerst wurde zu Hause gesucht. Gelegentlich kam es vor, dass Schüler Teile von Fußbodenbelägen mitschleppten, die in der Wohnung noch benötigt wurden. Am Elternabend beklagte sich eine Mutter bei mir: „ Es ist ja ganz schön, dass Sie sich für die Freizeit meiner Kinder zur Verfügung stellen. Darunter muss aber mein Zimmerfußboden nicht leiden. Unter dem Teppich fehlt ein halber Quadratmeter Linoleum.“

Aus der Gruppe, die sich mit den Fabeln beschäftigt hatte, blieben einige in der Freizeitgemeinschaft Kunst. Im Laufe der Zeit meldeten sich Schüler, die verschiedene Anliegen hatten etwas zu Zeichnen und zu malen. Auch Bastelaufgaben brachten einige mit.
Erfüllen konnte ich nicht alle Schülerwünsche. Nicht, heißt, nicht bei allen Vorhaben helfen. Anfang der 60iger Jahre entstanden an den Schulen viele Arbeitsgemeinschaften in sportlichen, musischen und naturwissenschaftlichen Bereichen. Wer Lust hatte in der Freizeit seinen Interessen nachzugehen, war oft auch im Unterricht aufgeschlossener.
Viele Nachmittage waren aber für zentrale Veranstaltungen belegt. Oft kam es zu terminlichen Überschneidungen.
Ich merkte recht bald: Außerunterrichtliche Tätigkeit mit Kindern muss regelmäßig stattfinden können und die Teilnehmer müssen eine eigene Entscheidungsfreiheit behalten. Es zeichnete sich ab, dass einige Schüler nur an einem Projekt interessiert waren, und danach wieder den Zirkel verließen. Andere blieben über Jahre dabei, wollten sich im zeichnen und malen üben. Bald stellte sich noch ein weiteres Problem: Wie werde ich Schülern von der 1. bis zur 10. Klasse altersbedingt gerecht. Die Großen störte es, wenn die Jüngsten mal durch den Arbeitsraum rannten oder altersbedingt sich recht impulsiv bei ihrer Arbeit äußerten. Manchmal war eine zeitliche Trennung notwendig und doch musste es gemeinsame Schaffenszeiten geben. Damals in den Anfängen meiner Lehrertätigkeit war das Naturstudium beliebt. Es bereitete vielen Zirkelteilnehmern Freude, sich in die Strukturen der Vegetation hinein zu arbeiten. Auch um das Erfassen der Größenverhältnisse und Proportionen eines Motivs war man redlich bemüht. Ich bin heute noch erstaunt, welche Ausdauer manche Kinder zeigten. In späteren Jahren ließ das deutlich nach. Damals war das Zeichnen und Malen vor der Natur eine gemeinsame Grundlage für Schüler, die länger im Zirkel bleiben wollten. So kam es spätestens in den Sommerferien 1964 zu einem „Spezialistenlager“ für junge Künstler aus Kalbe an der Milde in Mehrin. Eine ehemalige Arbeitsdienstbaracke aus den 40iger Jahren war eine Woche lang unser Domizil. Es waren Schüler der 7. bis 9. Klasse dabei. Das einzige Mädchen graulte sich, in einem Extraraum zu schlafen. Wir anderen, einschließlich Lehrer, kampierten im großen Arbeitsraum. Unterstützung bekamen wir vom Rat des Kreises Kalbe an der Milde. Drei gute Mahlzeiten wurden organisiert. Wir schliefen in Feldbetten und für den Transport von Kalbe nach Mehrin hatte man auch gesorgt. Tagsüber zeichneten und malten einige Kinder Motive aus dem Dorf. Andere nahmen sich bescheidenere Pflanzenstudien vor. In einer Nacht gab es ein so heftiges Gewitter, dass an schlafen nicht zu denken war. Wir hockten auf den Betten und hofften, dass der Blitz nicht unsere alte Baracke trifft. Da wir nun alle munter waren, begann eine Erzählrunde, nur unterbrochen, wenn der Blitz in nächster Nähe einschlug, und fast gleichzeitig der Donnerschlag folgte. „Man soll zählen! Jede Zahl soll einen Kilometer Entfernung bedeuten“, meine einer, „wenn du bis sieben zählst, ...“ weiter kam er nicht. Schon wider blitzte und krachte es. Gespenstisches Licht für kaum eine Sekunde. Ich sah in große Augen und offene Münder. Die Schlafdecken hatte man sich umgehängt und starrte zu den Fenstern. „Meine Großmutter erzählte mir,“ fing wieder einer an „als sie noch Kind war, legte sich keiner im Bauernhaus zu Bett. Der Bauer war bei seinen Pferden, die anderen verteilten sich auf andere Ställe oder hockten in der Stube. Einige beteten.“ „Na, soweit möchte ich heute Nacht nicht gehen!“ rief einer aus. Es sollte mutig klingen, kam mir aber so vor wie das Pfeifen im Walde. „Ihr habt nicht viel über euch, ein paar Bretter und Dachpappe, passt auf, dass ihr nicht noch nass werdet!“
Das wollte nun überhaupt keiner in unserer Runde hören. „Mein Großvater war ein wetterkundiger Mann“, begann wieder einer,“ „das Gewitter kommt nicht über den Fluss,“ sagte er , wenn es lange anhielt.“ Zwar wird das Tal zwischen Vienau und Poritz durch die Milde und Untermilde eingerahmt, aber glauben wollten wir das nicht. „Ich kann zwar nicht beide Flussläufe hinüberspringen, aber das soll ein Gewitter eingrenzen?“ kam es von einem ganz eingemummelten Fragesteller. Allmählich verzog sich das Wetter, aber an ein Einschlafen war noch nicht zu denken. Lange wusste jeder noch etwas zu berichten. Der Morgen sah viele Langschläfer und als die Bauersfrau das Frühstück zubereitete, meinte sie: „Ihr verschlaft ja den halben Tag!“ Übrigens hatte es im Dorf ein paar Mal eingeschlagen. Aber Kalte Schläge wie man so sagt. Gebrannt hat es zum Glück nicht.
Neben den schönen Maltagen blieb wohl diese nächtliche Naturerscheinung am nachhaltigsten in Erinnerung. Teilnehmer von damals treffe ich hin und wieder, wenn sie ihre Heimatstadt besuchen. „Wissen Sie noch, wie es damals gekracht hat?“ heißt es dann. Äußere Einflüsse wirkten allmählich auf den Zeichenzirkel. Aber es entwickelte sich anders, als ich anfangs gedacht hatte.
Damals, Mitte der 60iger Jahre, war eine Frau Däsler Pionierleiterin an unserer Schule. Eine fröhliche Frau, die Schüler motivieren konnte. Immer wieder versuchte sie, mich für Ausstellungen in der „Galerie der Freundschaft“ zu gewinnen. Das war auch nicht nur ihre Privatsache, hatte sie doch ihre dienstlichen Vorgaben. Ich hatte nichts gegen Freundschaft, war aber skeptisch, was die Themenvorgaben betrafen. Naturstudien und Illustration zu literarischen Themen waren zwar nicht ausgeschlossen, aber im Rahmen der Galeriebewegung lag der Schwerpunkt wohl mehr auf thematischem Gebiet.
Die Lehrpläne für Kunsterziehung wurden präzisiert. Das zwar behutsam, aber deutlich. Das thematische Arbeiten wurde umfangreicher ausgewiesen.
Vom persönlichen Kindergeburtstag bis zu gesellschaftlichen Ereignissen aus Geschichte und Gesellschaft.
Einiges bereitete den Schülern im Unterricht direkt Spaß. Was thematisch etwas weiter aus dem Erfahrungsbereich der Kinder lag, sollte durch den Lehrer, auch fachübergreifend, verständlich gemacht werden. In späteren Zeiten war das Thema „Von der Arbeit unserer Eltern“ eine beliebte Aufgabe für die Schüler, wollten doch viele dieses Thema auch im Zirkel weiterführen. Hier kam es manchmal zu recht amüsanten aber mitunter auch peinlichen Situationen. So ließ mir ein Vater ausrichten, er wünsche nicht, dass seine Tochter sich über seine Tätigkeit bildnerisch äußere. Er war 1. Sekretär der Kreisleitung der SED. Ersatz bot der Beruf der Mutter, sie arbeitete als Schuhverkäuferin.
Nun bedingen unterrichtliche und außerunterrichtliche Tätigkeit einander. Immer wieder dachte ich über meine Arbeit im Zirkel nach. Was hat der Lehrer davon? Trotz methodischer Geschicklichkeit oder zumindest aller Bemühungen hat die Unterrichtsstunde nur 45 Minuten! Im Fach Kunst sind einige froh darüber, andere wollen noch etwas schaffen, Fragen stellen und Antworten finden. Nach Abschluss der Unterrichtsaufgaben möchten sie weiter in diesem Gebiet arbeiten. Sie entdecken noch vieles. Wenn der Lehrer sich Zeit für den Zirkelnachmittag nimmt, findet er in seinen Schülern Partner, lernt sie besser kennen und kann sich vielleicht öfter in ihre Haltung und Handlungsweise hineinversetzen.
Da die Dinge sich eben so entwickelten und auch ein Zeichenzirkel wie andere Arbeitsgemeinschaften über ihre Jahresergebnisse berichteten, beteiligten wir uns 1967 erstmals an den künstlerischen Wettbewerben und an der „Galerie der Freundschaft“. Sie fanden auf Kreis-, Bezirks- und DDR-Ebene statt. Dazu gab es jedes Mal eine Jury. Preise wurden vergeben und in der Presse darüber berichtet. 1968 war dann die „Zentrale Galerie“ in Berlin. Gleich beim ersten Mal holte der Schüler Gerhard Martin aus Vietzen, einem Nachbardorf von Kalbe, eine Bronzemedaille. Er war zeitweilig Zirkelteilnehmer gewesen und hatte in der beliebten Monotypietechnik eine Illustration zu einem Gedicht angefertigt. Er war ein stiller Junge, stolz bekam er in Begleitung seiner Eltern die Auszeichnung überreicht. Meines Wissens nach war das 1968 die einzige Medaille im damaligen Bezirk Magdeburg (heute wohl die Hälfte von Sachsen-Anhalt). Die Presse berichtete und mein Zirkel trat aus der Anonymität, was mich zum Nachdenken anregte.
Einerseits brauchte ich die Freizeitarbeit mit den Schülern als dabei Lernender, auch als Erprobungsfeld für zeitliche Planungen im Unterricht und nicht zuletzt für die Förderung begabter Schüler. Andererseits wollte ich die Zirkelarbeit nicht nur auf die Wettbewerbe ausrichten, die anfangs jährlich, später alle zwei Jahre stattfanden. Die Talentförderung hing von dem Kunstlehrer ab. Obwohl wir ein recht arbeitsfreudiges Kreiskulturhaus besaßen, sagten sich in unserer dünnbesiedelten Gegend Fuchs und Hase Gute Nacht. Es gelang nie, in Kalbe einen Berufskünstler anzusiedeln, der sich auch für die Arbeit mit den Laien interessierte.
Und doch blieben wir mit unseren außerunterrichtlichen Schülerbildern im Sog der Zentralen Ausstellungen. 1960 gleich zwei Preisträger.
Am nachhaltigsten aller bisherigen Einladungen zu Ausstellungen im Bereich bildender Kunst für Kinder wurde Cottbus 1970.
Schon die Vorbereitungen dazu waren interessant. Von Kalbe konnte man damals noch mit dem Zug nach Berlin fahren. Das war zwar recht „umsteiglich“ und zeitaufwendig, aber man kam so gegen Mitternacht in Kalbe wieder an. Gerade noch eine Tagesreise. Der Einladung zu Folge sollten wir 11.00 am angegebenen Ort in Cottbus sein. Ohne Übernachtungsmöglichkeit vorher oder nachher. Das war nur per Auto möglich. Hilfe kam vom Kalbenser Kreisbetrieb für Landtechnik. Dieser stellte uns einen Dienstwagen Wartburg 311 zur Verfügung. Ermüdet aber froh trafen wir rechtzeitig in Cottbus ein. Von der Veranstaltung sind mir noch zwei Begebenheiten deutlich vor Augen: Das ist einmal die festlich dekorierte Empfangstafel für die Kinder und Jugendlichen. Was da an Südfrüchten und anderen Leckereien angeboten wurde, übertraf die Vorstellungskraft eines DDR-Schülers. Für alle Eingeladenen gab es ein Mittagessen.
Das zweite Bild, das sich mir fest einprägte, war die Ansprache des damaligen Kulturministers Klaus Gysi. Wir sitzen ziemlich hautnah beieinander, da erhebt sich ein älterer Mann, knöpft sein zweireihiges Jackett zu und nickt uns erst einmal freundlich zu. Er begrüßt uns, dankt den Eltern, den Lehrern und den jungen Ausgezeichneten. Seine Stimme klingt wohltuend warm. Viele staunen. Der Minister spricht frei, ohne den sonst allgemein üblichen (oder pflichtgemäßen) Redezettel. „Wann habe ich das schon mal erlebt“, denke ich. Welch ein Kontrast zu den Rednern bei der Eröffnung heute Vormittag. Klaus Gisy spricht druckreif, wie man so sagt. Er begibt sich zu den Tischen, wo die Eltern mit ihren Kindern sitzen und erhebt das Glas. Anschließend führt er die Jüngsten an die Festtafel und lädt alle Kinder und Jugendlichen mit den Worten ein: „Das ist heute euer Tisch!“ - Es war ein Tisch voller Südfrüchte! Das kommt bei uns an. Gysis Gestik, seine Sprache heben sich geradezu gravierend von dem offiziellen politischen Redestil in der DDR ab.
Die Rückfahrt unterbrachen wir noch zu einer kleinen Kahnpartie im Spreewald. Das Poltern der Räder auf den gegossenen Betonplatten der Autobahn ermüdete uns auf der Heimfahrt und der munterste unter uns war wohl der 11jährige Hans-Jürgen Gebert mit seiner Goldmedaille. Heute ist er Arzt in Rostock.
Zwei Jahre waren schnell vorbei. Diesmal war Dresden Austragungsstadt. Hier gab es 1972 die bis dahin umfangreichste Ausstellung. Malerei und Grafik, Plastik, Keramik und Fotografie! Wenn ich mich noch recht entsinne, war das im Kulturpalast am Postplatz. Neu war, dass sich die jungen Preisträger in der Nähe ihrer Exponate aufhalten mussten, um mit der offiziellen Delegation aus Regierung und gesellschaftlichen Organisationen ins Gespräch zu kommen. Zu diesen Prominenten von damals gehörten unter anderen Kulturminister Klaus Gysi, den wir von Cottbus schon kannten, ferner Egon Krenz, Chef der FDJ, die bekannte Grafikerin Lea Grundig (Ehefrau von Hans Grundig), Vorsitzende des Verbandes Bildender Künstler der DDR.
Da unser Sohn Birk bei den Ausgezeichneten war. Durften wir Eltern an diesem Zeremoniell teilnehmen. Man unterhielt sich mit uns, schüttelte Hände und zeigte sich voller Liebenswürdigkeit. Unser kleiner Birk, 10 Jahre alt, wurde von Prominenten und Fotografen umringt und war für wenige Augenblicke der Star der Schau. Fotos erschienen in der zentralen Presse und noch Monate später fand man die Bilder der Preisträger in Zeitschriften, Büchern und Kalendern. Oft in Farbe, was zu damaliger Zeit etwas besonders kostspieliges war. Ein gemeinschaftliches Essen rundete den Besuch in Dresden ab.
Wie kam unser Sohn zu seinem Bild „Mein Freund Sascha“, das in der Dresdener Schau so viel Aufmerksamkeit erreichte? Damals wuchs die Tradition, sich zu Gedenktagen mit sowjetischen Bürgern zu treffen. Die Möglichkeiten beschränkten sich meist auf die in der Nähe stationierten Soldaten und ihre Familien. Selten ließ man die Soldaten aus ihren Kasernen heraus. Die Treffen führten oft nur in eine Richtung. Wir, das waren Lehrer und Schüler, wurden stets recht freundlich in der Garnison aufgenommen. Man brachte Geschenke mit, auch wurden kleine Ausstellungen aufgebaut. Ein Verbindungsoffizier war unser Ansprechpartner. Mit den einfachen Soldaten kamen wir sehr selten ins Gespräch. Zumindest, wenn ich dabei war, erlebte ich eine gewisse Abgrenzung, und meine mäßigen Russischkenntnisse konnte ich auch beiseite lassen. Unsere sowjetischen Betreuer sprachen deutsch.
Kontakte zu den Soldaten ergaben sich woanders. An den Straßenkreuzungen.

So interessant die Zentralen Ausstellungen waren, zumal fast regelmäßig Teilnehmer aus Kalbe dabei sein durften, es wurde nicht leichter, im Zeichenzirkel vielseitige Strukturen zu erhalten. Hauptsächlich der Kontakt zu den Profis war immer wieder zu finden. Neben den bereits erwähnten Ankäufen für unsere Schule ließ sich das Schaffen profilierter Künstler aus Vergangenheit und Gegenwart durch gute Reproduktionen noch einigermaßen veranschaulichen. Wenn es um Farbe ging, gab es doch mehr Probleme. Zwar bemühte sich das Ministerium für Volksbildung redlich, Mappen mit Farbdrucken und ausführlichen Dia-Reihen bis in die entlegendste Schule zu schicken. Doch blieb die Qualität oft bescheiden. Wenn ich heute überflüssige Werbung in die Papiertonne einwerfe, denke ich manchmal dabei: „Hätten wir damals diesen farbigen Qualitätsdruck für unsere Repros gehabt!“ Erst in allerletzter DDR-Zeit gab es ein farblos blasses Lehrbuch für die Schüler im Kunstunterricht.
Ein anderes Problem zeigte sich mit der Zeit im Zeichenzirkel: Schüler beeinflussten sich gegenseitig. Das ist an sich erfreulich, wenn es um die Entwicklung von Fertigkeiten geht. Weniger angenehm aber, wenn sie anfangen, sich zu kopieren. Der Malstil von „erfolgreichen“ Ausstellungsteilnehmern wird nachempfunden. Das geht bis ins Thematische. Ausdrucksweisen gleichen sich an. Da im Zirkel bei den Teilnehmern grundsätzlich eine Freiwilligkeit herrscht, kann ich keine Vorschriften machen. Ich war manchmal froh, wenn diese Vorbilder in andere Arbeitsgemeinschaften abwanderten. Häufig waren das der Chor oder Instrumentalmusik.
Dieser Wechsel lag auch im allgemeinen Interesse. Unsere Kinder sollten sich in ihrer Freizeit vielseitig ausprobieren, ehe sie eventuell zu Spezialisten wurden. Was die Schule oder auch das Kulturhaus kostenlos an sinnvollen Freizeitgestaltungen anbot, war beispielhaft. Erfrischend war, wenn jemand eine Arbeit zeigte, die er alleine zu Hause angefertigt hatte. Gelegentlich war manch schöne Arbeit auf Kästchenpapier gezeichnet. Um das zukünftig zu verhindern, lag im Fachraum Kunst stets Zeichenpapier bereit. Bei aller Problematik mit der Materialversorgung, das war vorhanden. Behutsam pflegte ich das Pflänzlein „eigenes Ich“. Wenn er wollte, konnte der junge Maler seine ganz eigene Art am Zirkelnachmittag ausprobieren. Häufig kam es vor, dass Teilnehmer nur eine einzige Idee bildnerisch darstellen wollten, nur eine begrenzte Zeit blieben. Waren viele Kinder am Nachmittag im Zirkel, ergab sich das Problem, dass ich nicht für alle genug Zeit hatte. Etwa 15 Schüler waren für die Freizeit genug. Da hatten wir sonst alle nichts davon. Die Gruppe teilen. Aber wie? Zeitlich versetzte Gruppen bilden. Mehr als zwei Nachmittagsveranstaltungen waren in der Schulwoche terminlich nicht möglich. Auch kräftemäßig nicht! Im Zirkel war nicht immer Platz für alle, die gern dabei sein wollten. Man musste warten, bis durch Kurszeitteilnehmer etwas frei wurde.
Ich hatte das große Glück, auch in der Unterstufe das Fach Kunst unterrichten zu dürfen. Das waren oft die schönsten Stunden. Naiv staunend und wieder recht geschickt und freudig waren die Kinder bei der Sache. Stolz zeigten sie ihre Mappen mit Bildern und dekorativen Arbeiten, die sie im Kindergarten geschaffen hatten. Ich war begeistert. So unkompliziert, frisch und frei fanden die Unterstufenschüler Bildlösungen, dass man als Erwachsener nur staunen konnte. Einige Monate hatte ich auch Kontakt zum Kindergarten. Ein Lernender, was diese Altersgruppe anbetraf. Zeitlich ging das auf Kosten des Zeichenzirkels an meiner Schule. In der l. Klasse traf ich einige kleine Maler wieder. Ich glaube, die Freude war auf beiden Seiten. Hier entstanden die schönsten Bilder.
In meinem Lehrerberuf lag in den ersten Jahren der Schwerpunkt in der Mittelstufe, später über eine lange Zeit in der Unterstufe. Erst im Gymnasium in Gardelegen verlagert sich das unterrichtsbedingt in die Abiturstufe. Im Rückblick auf die Unterstufen stellte ich mir oft die Frage: „Habe ich trotz bester Absicht nicht doch die kleinen Schüler in ihrer Gestaltungsabsicht gebremst? Auch bei noch so einfühlsamer Lehrtätigkeit vor allem im Unterricht ihr unbekümmertes Schaffen eingeengt? Die Frische in der bildnerischen Arbeit ließ nach, wenn auch unterschiedlich. Kollegen berichteten über ähnliche Erfahrungen. In der Mittel- und Oberstufe stand dann öfter die Selbstkontrolle bei den Schülern im Wege. Ich kannte einige Berufskünstler, die sich wünschten, wie Kinder an die Aufgaben herangehen zu können.
So waren die DDR-Ausstellungen eine Visitenkarte meist gelungener freier Gestaltungsweisen der Kinder und Jugendlichen. Gelenkte Arbeiten, oft bei kinderfernen Themen waren dabei auch nicht zu übersehen. Die Diskussion darüber, was junge Künstler können und was durch den Einfluss Erwachsener entstand, ebbte nie ab.

Mitglieder des Mal- und Zeichenzirkel Kalbe Milde, haben unter der Leitung von Klaus Ozminski über viele Jahre an zentralen Wettbewerben teilgenommen.
So konnten im Rahmen der "Zentralen Galerie der Frendschaft"
folgende Auszeichnungen erreicht werden:

1968BerlinBronzemedailleG. Martin
1969BerlinSilbermedaille
Silbermedaille
A.Kaiser
B. Ozminski
1970CottbusGoldmedaille
Bronzemedaille
J. Gebert
D. Kühnemann, R. Penz
1972DresdenGoldmedaille(2)
Bronzemedaille
B. Ozminski
A. Eichenberg
1974LeipzigGoldmedaille
Goldmedaille
J. Gebert
H. Schubert
1976HalleGoldmedaille
Goldmedaille
Goldmedaille
A. Eichenberg
K. Ziemann
B. Gehring
1978BerlinGoldmedaille
Goldmedaille
C. Ruth
A. Pluschke
1980Karl-Marx-StadtGoldmedailleC. Ruth
1986BerlinGoldemdailleT. Wrobel

Zentraler Ehrenpreis der DSF
1972 Berlin B Ozminski und S. Schulze

1973 Berlin Preis der X. Weltfestspiele
B. Ozminski

Viele Arbeiten wurden auf internationalen Ausstellungen gezeigt. Dafür erhielten die Zirkelteilnehmer Anerkennung z.B. aus Kuba. der UdSSR, Schweden und Kolumbien.

Eine kleine Auswahl der Arbeiten und Dokumentationen


 
 
 
 
 
   
  
 

   © 2015 by H.Krüger •      •   Haftungsausschluß  •  Quellen  •  Impressum