Geschichten über Kalbe Milde
 

 



Historische Nachrichten von der Burg Kalbe an der Milde
 

Andreas Stahl

Calba poludosis quae circum cingitur aruis
Arx Alvenslebiae sedes celeberrima gentis.

Mit diesen lateinischen Hexametern beschrieb Cyriacus Edinus im Jahre 1581 die im Norden unseres Landes liegende größte Niederungsburg der Altmark. [1] Über die Baugeschichte dieser bedeutenden Burganlage gibt es bislang kaum Darstellungen.[2] Um diesen Ort auch orthographisch von der gleichnamigen, an der Saale gelegenen Stadt zu unterscheiden, setzte man schon früher und seit 1952 offiziell ein K an den Anfang des Ortsnamens; dies wird auch in dieser Darstellung der Einfachheit halber so gehandhabt.[3]
Kalbe an der Milde liegt auf einer 30 m hohen Talsandinsel inmitten einer sumpfigen Niederung, die von der Milde, der unteren Milde und dem Secantsgraben durchflossen wird. Im 18. Jahrhundert wird die Stadt wie folgt beschrieben: "Der Orth lieget in einem umbfloßenen morastigen Werder, wozu man nirgendt als durch gewiße Päße kommen kan, und wird daher Kalbe in dem Werder, oder auch wegen des dabey fließenden kleinen Flußes Milde, Kalbe an der Milde genant, ist 2 Meilen von Gardelegen, 4 von Stendal und soviel von Saltzwedel gelegen, und wird zwar in den Lehnbrieffen eine Stadt, auch Burgwerdium Calbe genant, sonst aber durchgehends unter die Sieben Altmärkische Flecken gezehlet, dem man auch dohro in diesem Orte seine Stelle gegeben."[4]
Die Burg liegt östlich am Nordausgang der Stadt. Sie ist keine Wasserburg, denn ihre Lage und die künstlich angelegten Wassergräben definieren sie als Niederungsburg. Die befestigte Gebäudeanlage bildet einen vom Wasser umgebenen asymmetrischen Kreis. Sie wurde von einem inneren (jetzt zugefüllten) Graben, einem (jetzt abgetragenen) Vorwall einem erhaltenen Graben von 20 bis 40 m Breite und wahrscheinlich einem weiteren Wall mit Graben umgeben.[5] Über ein System von Gräben und Brücken gelangte man ins innere Areal der Niederungsburg. Einige Zugänge überdauerten die Zeit und schlossen die Burginsel bis ins 20. Jahrhundert hinein von der Umgebung ab.[6] Nach Rudolf von Kalben hatte der runde Burghof 56 m Durchmesser mit einer Flüche von 0,75 ha, die Burginsel einen Durchmesser von 180 m mit einer Fläche von 2,5 ha und die gesamte Burganlage bis zur Milde etwa 340 m mit einer Fläche von 6 ha . Zudem "erweist sich Calbe neben Tangermünde als die größte und als die einzige altmärkische Burg, bei welcher ein zur Burg gehöriges weithin ausgedehntes System von strahlenförmig vorgeschobenen Außenwerken nachgewiesen ist".[7]
Der großen Niederungsburg war östlich die sogenannte "Uhlenburg" vorgelagert, die sich beidseitig des Dammes nach Neuendorf befand. Von dieser Befestigung - früher als eine von Wallgräben umgebene und von Feldsteinen und Mauerwerk eingefaßte Anlage beschriebenen - ist kein aufgehendes Mauerwerk erhalten. Im Untergrund befinden sich aber wohl noch Fundamentreste.[8] Nach Osten und Südosten sicherte also die "Uhlenburg" am Neuendorfer Damm das Areal, nach Norden eine südlich von Vahrholz liegende Schanze an der Voßbrücke, und noch Südwesten gab es vorgeschobene Befestigungen am "Schanzgraben" und an der "Schanzbrücke" an der Straße nach Engersen. Die natürlichen und künstlichen Befestigungen ergaben zusammen einen Durchmesser von ca. 5 km, und auch Heinrich Sültmann schrieb 1924: "Mit ihrer Schanze am Voßdamm auf dem Vahrholzer Galgenberge, der Uhlenburg am Neuendorfer Damm und vielleicht noch einer Sperranlage auf dem Nonnenwerder am Schanzgraben war die Burg Kalbe neben Tangermünde die größte altmärkische Burg, als Sumpfburg fast uneinnehmbar."[9] Die weitläufigen Befestigungen der Burg Kalbe waren augenscheinlich für eine sehr starke Besatzung ausgewiesen, die im Rahmen der altmärkischen Landesverteidigung wirken konnte. Dies sollte das spätere Schicksal der Niederungsburg bestimmen.
Aus der Zeit vor der Zerstörung der Burg Kalbe im Jahre 1632 sind keine Zeichnungen oder detaillierte Beschreibungen und Inventare vorhanden. Eine Darstellung der noch vorhandenen Wallanlagen und Ruinenteile hat Siegmund Wilhelm Wohlbrück im Jahre 1819 überliefert Dabei stützte er sich unter anderem auf ältere Überlieferungen[10], und auf eigene Baubeobachtungen. Er schrieb darauf bezugnehmend: "Nach derselben lag das Schloß der Stadt Calbe gegen Morgen, an dem nach Neuendorf führenden Damme. Man gelangte dahin durch einen einzigen Damm, welcher zwischen der Milde und dem Burggraben bis an ein Zugbrücke fort lief. Indem man über diese erste Brücke ging, erblickte man unter sich einen ganz verwachsenen Graben, welcher ohne Zweifel bei der Zerstörung des Schlosses mit dem ehemaligen, zwischen der Burg und dem großen Graben befindlichen Walle zugeworfen war. Um jenen äußeren Graben ging ein Weg nach den Wiesen, von dessen Ende ein Fußsteig zu einigen Hopfengärten führte. An diesem Fußsteige, der Burg gegen Morgen, bemerkte man einen länglich runden Platz mit einen kleinen Graben und Walle, wo eine Art Außenwerke gestanden zu haben schien, auch fanden sich an dieser Mündung noch Überbleibsel eines aus großen Feldsteinen bereiteten Mauerwerkes. Mehrere Spuren von einen gleichartigen Mauerwerke wurde man von dort an bis zu dem Graben des Neuendorfer Dammes, hin und wieder gewahr. Dem Anscheine nach war dieses Werk dazu bestimmt gewesen, den Übergang über den Damm zu verhindern, Vielleicht war es die Uhlenburg, welcher in dem ersten Calbischen Burgfrieden von 1494 gedacht wird, und diese Uhlenburg war vielleicht in alten Zeiten der Wohnsitz der Calbischen Burgmänner. Hinter dem ersten Burggraben befand sich der erste, nun gänzlich geebnete, und in Hopfengärten verwandelte Wall, welcher sich rund um die Burg zog. Hierauf kam ein zweyter, sehr tiefer morastiger Graben, dessen Breite 50 bis 60 Fuß betrug, und über welchen auf der Mitternachtsseite eine Zugbrücke führte. Da derselbe durch einen Kanal mit der Milde zusammen hing, so konnte es ihm an Wasser nie fehlen... Die Erde aus diesem Graben war, wie der Augenschein zeigte, erforderlich gewesen, um in der dort überall herrschenden Niederung eine solche Erhöhung zu bilden, als die ist, worauf die Burg stand. Von dem großen Graben an bis zur Ringmauer war der abgetragene große Wall, an den meisten Orten hundert und mehr Schritte breit, befindlich (Anmerkung: Eine angebliche Überlieferung spricht von einer andern dicht am großen Burggraben befindlich gewesenen Ringmauer, welche bey der Zerstörung der Burg in diesen Graben gestürzt worden seyn soll). Setzte man seinen Weg über die zweyte Zugbrücke fort, so gelangte man durch ein Thor, welches mit einen Fallgatter versehen gewesen war, wie man an den großen Feldsteinen erkannte, in deren Rinnen einst die Zapfen liefen. Auf beyden Seiten standen starke Mauern und Rondele mit Schießscharten. Weiter hinauf befanden sich noch zwey starke Thore, und ehe man völlig in die Burg trat, sahe man den Grund der Pfeiler eines vierten gänzlich verfallenen Thores. An diesen zur linker Hand stand ein altes, von der Burg abgesondertes, ein längliches Viereck ausmachendes Mauerwerk, welches der untere Theil eines ehemaligen Wachthurmes zu seyn schien. Trat man endlich in den inneren Raum der Burg, so lag zur Rechten ein tiefes Gewölbe in einem Rondele, weiches nun zu einem Gefängnisse gebraucht wurde, und wahrscheinlich auch ehemahls dieselbe Bestimmung gehabt hatte. Über diesen Gewölbe nach Mitternacht hin stand ein Gebäude von dicken Mauern und von drey Stockwerken, dessen beide sehr hoch gespitzte Giebel nebst den Seitenmauern noch vorhanden waren. Aus dem ersten Stockwerke waren zwey unbedeckte Ärcker heraus gebauet. Nach deutlichen Anzeigen war dieses Gebäude gegen das Ende des fünfzehnten Jahrhunderts von Gebhardt XVI. bewohnt worden (Anm.: Von dem dort erwähnten Camine, und den an den Seiten desselben befindlichen beiden Wappen, sind Spuren noch jetzt vorhanden). Es schien seiner Bauart nach das älteste zu seyn, wie es das festeste wär, Nirgends sahe man so sparsam Fensteröffnungen angebracht, als an der äußeren, über der Ringmauer stehenden Seite des Gebäudes, ohne Zweifel, weil die Burg von der noch dem Damme gekehrten Seite am ersten angegriffen werden konnte. Gegen Abend waren keine Überbleibsel von eigentlichen Gebäuden mehr zu sehen, und die Mauern auf dieser Seite waren an den meisten Stellen ganz verfallen, die daselbst befindlichen Keller aber ließen ebenfalls auf ehemahlige Gebäude in dieser Gegend schließen. Gegen Mittag fanden sich die Reste eines weitläufigen Wohnhauses ebenfalls von drey Stockwerken. Noch der Inschrift über seiner Hauptthür war dieses dasjenige Gebäude, welches von Ludolf XI. noch einem Brande im Jahre 1584 wieder hergestellt worden war. Gegen Morgen hatte ein drittes Wohnhaus gestanden, dessen äußere Mauer nur mit einem Theile eines Giebels noch stand.
Die Mitte des von diesen Wohngebäuden eingeschlossenen Raumes ward von der alten Schloß Capelle eingenommen. Diese hatte sich noch mit ihren Gewölbe und ihren sämmtlichen Fensteröffnungen erhalten (Anm.: Noch gegenwärtig stehen die unteren Mauern sämmtlich, und man sieht deutlich, daß die Capelle unten nur einen Eingang, und nicht mehr als fünf Fenster hatte. Ihre Länge beträgt 58, ihre Breite 26. Fuß), das Dach und die Giebel waren abgenommen worden. Der Bauart noch soll diese Capelle von allen Gebäuden das jüngste geschienen haben. Da sich über dem Kirchengewölbe noch Fensteröffnungen befanden, so mögen auch hier noch Zimmer gewesen seyn, zu denen man vermuthlich durch den an der Mitternachts-Seite befindlichen Thurm gelangte. Dieser Thurm war unten ein Viereck, ungefähr zwölf Fuß über der Erde verwandelte er sich in ein Achteck, und von da an war er noch wenigstens sechzig Fuß hoch. Seine Mauern stünden noch sehr grade und unbeschädigt. An der Mittags- und Morgenseite waren hölzerne unbedeckte Ärcker heraus gebaut gewesen, auf welchen sich der Sage nach vormahls der Hausmann und seine Gehülfen täglich mit Musik hören ließen. Die um die Kirche herum gelegenen ehemahligen Wohngebäude bildeten einen Kreis, und die Mauer, worauf sie mit ihren äußeren Seiten standen, lief ununterbrochen fort. Der zirkelrunde Raum, welchen die Mauer einschloß, hielt ungefähr 190. Fuß im Durchmesser. Was von Mauerwerke noch vorhanden war, hatte ohne Ausnahme eine solche Festigkeit, daß die Steine nur mit ungewöhnlicher Kraft und Anstrengung von einander zu trennen waren (Anm.: Alles noch jetzt vorhandene Gemäuer besteht theils aus Feld-, theils aus Bruchsteinen. Backsteine sind nur zu den Verzierungen gebraucht worden. Dem Kalke scheint viel Gyps beygemischt zu seyn),"[11]
Als ein Stammsitz des in der Altmark weit verbreiteten Adelsgeschlechts von Alvensleben war sie wiederholt Forschungsgegenstand einiger geschichtlich interessierter Familienmitglieder, wie Udo von Alvensleben-Schollene oder Oskar von Alvensleben. Nach dem ersten Weltkrieg grub Ludolf von Alvensleben innerhalb der Kapellenruine und stieß hierauf ein außerordentlich festes Fundament aus Feldsteinen. Die im Boden der Kapelle und des Hausmannsturmes gefundenen Fundamentreste waren die eines runden Bergfriedes. Ein Viertel eines 3,60 m breiten kreisförmigen Mauerwerks wurde freigelegt, und die Rekonstruktion ergab ein Turmfundament von 12,70 m Durchmesser und in dieser Höhe eine Innenraumdurchmesser von 5,50 m. Der Westgiebel der Burgkapelle liegt etwa im Profil dieses Turmstumpfes. Alle anderen Angaben und Datierungen zum aufgehenden Mauerwerk des Bergfriedes - so auch des seit 1920 herangezogenen Burgsachverständigen Bodo Ebhardt - sind nicht zu verifizieren. Diese Reste stammen wahrscheinlich aus der Zeit vor 1240. Spätestens mit dem Bau der gotischen Burgkapelle wurde dieser Bergfried oder die Reste von dessen aufgehendem Mauerwerk beseitigt[12] Eine Datierung auf das 10, Jahrhundert ist offensichtlich zu früh.[13]
Eine bemerkenswerte Rekonstruktion der Renaissanceburg Kalbe gelang 1930 dem bekannten Kunsthistoriker Udo von Alvensleben-Wittenmoor zusammen mit seinem holländischen Malerfreund Anco Wigboldus. Sie stützten sich neben eigenen Baubeobachtungen auf die Untersuchungen Ebhardts sowie die Bauurkunden und Beschreibungen des damals noch vollständig erhaltenen Kalbeschen Familienarchivs. So wurde resümiert: "Aus der einfachen markgräflichen Burganlage hatte sich mit der Zeit ein reiches Erscheinungsbild mit komplizierten Zwinger- und Wallanlagen entwickelt. Vier Tore und Zubrücken waren zu passieren, bevor man den runden Innenhof erreichte. Ein erhaltener Giebel des gotischen Pallas bezeugt die außerordentlichen Dimensionen. Im 15. Jahrhundert neu errichtet, erhielten die Wohngebäude der beteiligten Hauptlinien nach dem Brand um 1580 Renaissancegiebel und Turmhauben in den landesüblichen Formen, die hier mit der Weserrenaissance zusammenhingen. Bekannt ist die Bestimmung eines jeden der Gebäudeteile. An Stelle des 1240 zerstörten Bergfrieds erhob sich im Burghof die gotische Heiligkreuzkapelle. Über ihr befand sich das Archiv, zugänglich durch die Treppe des achteckigen Hausmannsturmes, von dessen Spitze einst allstündlich geblasen wurde. Der spätere Hauptturm - nur in Grundmauern erhalten - schirmte das Tor des Innenhofes ab, um den sich neben den Wohnbauten Brauhaus, Backhaus, Küche, Mannschaftsräume, Amtsstuben und Gefängnis gruppierten. Im alten Zwinger, dem ein zweiter vorgelagert war, wurden Geschütze, Munition und Jagdzubehör aufbewahrt. Ein Danzker erhob sich an der Ostseite. Die dreifachen Gräben, deren mittlerer allein noch existiert, standen mit der Milde in Verbindung, die, an der Burg vorbeifließend, eine Wassermühle trieb." [14]
Nach dem zweiten Weltkrieg wurden die Besitzer der Burg enteignet und auch das Burgareal aufgeteilt. Der bekannte Burgenforscher Hermann Wäscher beschäftigte sich kurz mit der Baugeschichte und beschrieb 1962 neben seiner - wahrscheinlich auf der Schilderung von Wohlbrück beruhenden - zeichnerischen Rekonstruktion der spätmittelalterlichen Burg die Anlage folgendermaßen: "Rundburg mit zwei (drei?) Wassergräben und dazwischenliegenden Wällen. Die von der Ringmauer umgebene Innenburg hat einen Durchmesser von 80 m. Der Durchmesser der Außenkante der Anlage beträgt fast 360 rn. Die Burgfläche der Innenburg scheint in zwei oder drei Höfe aufgeteilt gewesen zu sein. Es stehen noch Reste eines großen Wohnhauses, eines Treppenturmes (Bergfried ? ein starker Bergfried scheint abgetragen worden zu sein), ferner die Ruinen der Kapelle und mehrere Keller von Wohnbauten, die zum Teil von neuzeitlichen Gebäuden überbaut sind. In der Mehrzahl sind die Gebäude aus Bruchsteinmauerwerk, spätere Bauten, wie das Torhaus, sind aus Mauersteinen errichtet. Fast sämtliche Baureste stammen aus gotischer Zeit. Der Zugang lag auf der Nordseite an dem Damm von Salzwedel noch Neuendorf."[15]
Der gegenwärtige Eindruck der Burganlage ist hinsichtlich der Baugeschichte noch sehr aufschlußreich. Auf dem Gelände der 1632 zerstörten und schrittweise mit Tagelöhnerhäusern sowie Wirtschaftsgebäuden besetzten Burg stehen nunmehr Einfamilienhäuser mit Gärten. Deutlich sichtbar sind noch die Reste des gotischen Palas (Gebhardbau), der Kapelle, des Hausmannsturmes der ersten Toranlage, der Keller und einiger Mauerteile erhalten. Die Ruine der Burgkapelle mit dem weit sichtbaren oktogonalen Hausmannsturm dominiert zusammen mit dem hohen Giebel des alten Wohnhauses das Burgareal. Im Innern dieses Gebäudes ist an der Giebelwand eine Gedenktafel folgenden Inhalts angebracht: "Erbaut im Jahre 1472 durch Gebhardt von Alvensleben und Hipolyta von Bülow. Zerstört in den Kriegsnöthen des Jahrs 1632. Vor gänzlichen Zerfall geschützt im Jahre 1903 durch Oscar von Alvensleben, Ehre seinem Andenken." Der Palas besteht aus Feldstein wie auch die Mehrheit des heute noch sichtbaren aufgehenden Mauerwerks der Burganlage, Eine Baufuge, die den romanischen Ursprung der Grundmauern des Gebhardbaus belegen soll, war im aufgehenden Mauerwerk nicht zu erkennen. Bemerkenswert ist dagegen ein deutlich sichtbares Sockelgesims, das jedoch in sich und mit dem aufgehenden Mauerwerk baueinheitlich ist. Der Palas war dreigeschossig und besaß auf rückspringenden Mauerkanten und Konsolsteinen ruhende flache Balkendecken. Unter dem hohen Satteldach befanden sich zwei Dachgeschosse, dessen unteres sicherlich an den Längsseiten Zwerchgiebel besaß. Der signifikant aufragende Westgiebel wurde später mit Backsteinarkaden in Renaissanceformen verblendet. Darauf bezugnehmend formulierte Udo vom Alvensleben-Wittemoor kunsthistorische Thesen, die auch Hinweise auf die Bau- und Kulturgeschichte der Burg beinhalteten: "An der Altmark kreuzten sich Einflüsse der Weserrenaissance mit Obersächsischen... Den... Eindruck vermitteln alte Beschreibungen der Burg Calbe, wo außerdem Einwirkungen des märkischen Backsteinbaues sich geltend machten. Angesichts der älteren Pallas- und Torbauten fühlte man sich dort selbst an Schöpfungen des Deutschherren-Ordens erinnert. Neben beiden Pallasbauten Ludolfs IV. und Bussos VII., des Oberhofmarschalls, bald nach 1450 errichtet und nochmals, zuletzt 1583-1597, mit Aufwand erneuert. Giebel, Erker, Portale zeigten, soweit die Überlieferung reicht, bis auf Wappen- und Inschrifttafeln relativ wenig Schmuck. (Am Gebhardbau sah man um 1800 noch einen gotischen Erker und innen einen Kamin). Scherben bemalter Glaspokale und Ofenkacheln mit figürlichen und ornamentalen Schmuck fanden sich im Schutt."[16]
Die gotische Kapellenruine besteht aus Mischmauerwerk mit starkem Backsteinanteil, deren Läufer durchschnittlich 0,26 m lang und 0,09 m breit sind. Das Gurtgesims ist aus abgerundeten Formsteinen ausgeführt, Der untere Raum war kreuzgewölbt. Verschiedentlich wurde in den wenigen Publikationen zur Burg Kalbe behauptet, daß "angemauert an den Hausmannsturm die Ruine der Burgkapelle" stehe.[17] Die sichtbaren Baubefunde beweisen das Gegenteil. Die etwa ein Meter dicken Außenmauern der Kapelle bestehen aus Feld- und Backsteinen und stehen auf einem rechteckigen Grundriß von 8,85 m Länge und 6,15 m Breite. Der Hausmannsturm steht also sekundär zur Kapelle, wenngleich seine Nutzung als Treppenturm das Kapellenober- und Dachgeschosses annehmen läßt, daß zwischen beiden Bauten kein größerer Zeitraum liegt. Zugleich wurde er auch als Glockenturm benutzt. Der über der Kapelle liegende Raum im Obergeschoß wurde, wie bereits ausgeführt, für Archivzwecke genutzt. Auffallend ist überall der Backsteinanteil im Feld-und Bruchsteinmauerwerk, insbesondere am Hausmannsturm. An den Ruinenteilen wurden seit mindestens einhundert Jahren behutsam Flickungen und Ergänzungen mit wiederverwendeten Baumaterialen vorgenommen, so daß diese schwer von der originalen Substanz zu unterscheiden sind. Einige der größtenteils sanierten und umgestalteten Fachwerkbauten des 18. und 19. Jahrhunderts sowie auch Neubauten stehen auf älteren Fundamenten aus Feldsteinmauerwerk, andere auf Fundamenten aus gleichem wiederverwendetem Baumaterial. An den älteren Fachwerkbauten ist zu erkennen, daß die Ausfachungen größtenteils mit Backsteinen, die Innenwände mit Lehmstroh gefüllt sind. Unter einigen Gebäuden befinden sich noch Kellergewölbe, und auf dem Burgareal sind weitere Kellerhügel noch deutlich zu sehen. In einem Keller sind zwei nebeneinanderliegende Räume zu erkennen (ursprünglich wohl kreuzgewölbt, später mit sogenannten preußischen Kappen versehen. Die Gewölbekappen bestehen aus Backsteinen (Läufer durch schnittlich 0,24 m langund 0,07 m breit). Die alten Grundmauern der Keller bestehen aus ca. 0,70 m breitem Feldsteinmauerwerk. Am Eingangsbereich der Burganlage befindet sich das 1584 erbaute sogenannte "Alte Wachhaus", in dem heute die Heimatstube und eine Gedenkstätte für den verdienstvollen altmärkischen Historiker und Archäologen Johann Friedrich Danneil, der 1783 in Kalbe geboren wurde, untergebracht sind. Dieses Gebäude - früher "Torhaus"genannt - könnte andererseits auch das alte "Siechenhaus" gewesen sein. Zum 1984 im "Alten Wachhaus" eingerichteten Museum gibt es eine Vorgeschichte: Bereits einige der in Kalbe ansässigen Herren von Alvensleben begründeten - wie in Schollene - archäologische Sammlungen, die aber im Familienbesitz verblieben. Im Jahre 1932 wurde durch den äußerst rührigen Stadtverordnetenvorsteher, Schornsteinfegermeister Carl Stemmle, beantragt, in Kalbe ein Heimatmuseum zu gründen, dessen Unterbringung in angemieteten Räumen im Erdgeschoß des Diakonates geplant war. Da es vor allem prähistorische Sammlungen beherbergen sollte, intervenierte das Kreismuseum Salzwedel, so daß das Projekt zunächst fallengelassen wurde. Zur Niederungsburg und den dortigen Funden gab es in der Konzeption keine Bezüge.
Neben der historischen Bausubstanz auf der Burginsel und den fortifikatorischen Anlagen der Umgebung sind in und außerhalb der Niederungsburg noch ältere Grünflächen erkennbar, die dem Sumpfgebiet abgerungen wurden. Für Kalbe wurden archivalisch schon frühzeitig Burggärten nachgewiesen. Bereits 1477 unterschied man den Baum- vom Küchengarten sowie den angrenzenden Wildgarten, der noch bis 1945 als Gutspark "Calbe I" existierte. Der ganze Komplex lag nördlich der Niederungsburg und wurde 1572 als "Alter Hopfgarten" bezeichnet.[18] Dieser Renaissancegarten war sicherlich als Lust- und Nutzgarten im Stil der zeitgenössischen Gartenkunst gestaltet. In den Pachtverträgen des 19. Jahrhunderts werden der Lustgarten und die anderen Gärten sehr detailliert beschrieben. [19] Die Burggärten von Kalbe standen am Beginn einer langen Tradition von Alvenslebenschen Gärten und Parks in Sachsen-Anhalt und Brandenburg, an denen sich die Entwicklung der gesamten deutschen Gartenkunst fixieren läßt.[20]
Es sind - trotz der 1945 im Kalbeschen Familien- und Gutsarchiv verursachten Verluste - einige schriftliche Überlieferungen vorhanden, die Auskunft über die wechselvolle Geschichte des Gebietes und das Schicksal dieser alten markgräflichen Burg geben. In Anspielung auf einen römischen Kaiser wurde noch 1659 behauptet, daß das "Castellum Galbe" errichtet wurde, um im 1. Jahrhundert die Germanen zu befrieden.[21] Dieses zeitgenössische Herrschaftpostulat ist natürlich unwahrscheinlich, denn Kalbe tritt urkundlich erst mit der Ostkolonisation deutscher Feudalherren ins Licht der Geschichte. Das Territorium um den alten Burgwardort Kalbe gehörte zur Nordmark, später zur Mark Brandenburg. Ein Benediktinernonnenkloster St. Laurentius (wohl auf dem Lorenzfriedhof nördlich der Stadt) wurde von "Oda aus dem königlichen Geschlecht" - vermutlich Tochter des Markgrafen Thietmar von der Nordmark - vor 983 gegründet, denn im gleichem Jahr wurde das Kloster von den aufständischen Slawen zerstört.[22] Mit der Errichtung mindestens eines Klosters im 10. Jahrhundert war Kalbe eine befestigte Missionsstation, die sich innerhalb von schützenden Befestigungen befand.[23] Ob vor der angeblich 1121 erfolgten klösterlichen Besitzzuweisung an das dem heiligen Laurentius geweihte Nonnenkloster in Schöningen auch dorthin der Konvent zurückverlegt wurde, gilt nicht als sicher. Als ein Rest blieb die Kapelle St. Mariae und St. Laurentius bestehen, deren Eingehen aber bisher nicht datiert werden konnte.[24] Das frühere Gut 1 der Familie von Alvensleben liegt in diesem Bereich. 1858 war die Gebäudegruppe östlich des Fahrweges, der vom Westrand der Burg nach Norden zu führt, im Westen und Süden von einem teichartigen, breiten, gradlinigen Graben umgeben. Der von Norden kommende Bach bog vor dem Gehöft nach Westen ab. so waren drei Seiten dieser Gebäudegruppe vorn Wasser umgeben. Wegen der geringen Entfernung von 200 m zum sogenannten "Berggarten" darf somit ein Zusammenhang mit dem Laurentiuskloster vermutet werden.[25] Die Klosterstiftung an dieser Stelle ist natürlich nicht denkbar, wenn Kalbe damals vor dem Slawenaufstand nicht schon eine wichtige Ortschaft - höchstwahrscheinlich mit einer bedeutenden Befestigungsanlage - gewesen wäre. In den Quellen triff der Ort als Sitz eines Burgwardes allerdings erst 1196 in Erscheinung, und es ist auch nach neueren Forschungen unsicher, ob die spätere Anlage mit dieser ursprünglichen Burg identisch ist. Kalbe war zumindest zur Hälfte - eine Allodialbesitzung der askanischen Markgrafen. Diese sehr alte urkundliche Nachricht über Kalbe stammt aus dem Jahre 1196. Damals gehörte die eine Hälfte der Burgherrschaft dem Markgrafen Otto II. von Brandenburg ( 1184-1205) und seinem Bruder, dem späteren Markgrafen Albrecht II. von Brandenburg (1205-1220). Diese nahmen sie - nach heftigen Streitigkeiten - vom Magdeburger Erzbischof Ludolf (1192-1205) zum Lehn.[26] Wem die andere Hälfte des Burgwardes Kalbe gehörte, bleibt unbekannt. Sehr wahrscheinlich waren es die Grafen von Osterburg und nicht die Magdeburger Erzbischöfe, die als Oberlehnsherren galten.
Formal hatte damit die Kirche den Markgrafen von Brandenburg durch die Drohung mit dem Kirchenbann ihren Willen aufgezwungen, doch letztendlich wurde deren weltliche Hausmacht in der Altmark bestätigt. Die Schenkung erfolgte durch den Erzbischof Ludolf in einem feierlichen Akt mit demütigendem Eidschwur am 24. und 25. November 1196 im Dom zu Magdeburg und wurde am 28. November im Beisein des Erzbischofs, der Markgrafen und ihres zahlreichen Gefolges durch den Grafen Heinrich von Dannenberg den in Gardelegen versammelten altmärkischen Untertanen verkündet. Im Ratsarchiv zu Stendal befand sich das Original dieser Urkunde. In der Bestätigungsurkunde vom 28. Juli 1197 wurde dieses Lehnverhältnis bestätigt. In der Urkunde werden noch die anderen Burgwarde Tangermünde, Arneburg und Osterburg genannt. Die vier befestigten Orte sicherten die nördliche Altmark mit der Elbegrenze gegen die vordringenden Slawen. Noch in einer Urkunde aus dem Jahre 1449 wurde vom Kurfürst Friedrich II. von Brandenburg (1440-1471) und dem Magdeburger Erzbischof Friedrich III. von Beichlingen (1445-1464) auf jene alte Schenkungsurkunde eingegangen.[27]
Ein 1207 genannter Adliger namens von Kalbe(n) wurde als edelfreier Insasse der Burg Kalbe aufgeführt. Inwieweit die Familie von Kalben (Calue) schon früher zur Burg Kalbe als Burgmannen und/oder Ministeriale in Verbindung standen, kann nicht zweifelsfrei geklärt werden .[28] Der Burgwardbezirk Kalbe erfüllte seine Aufgaben zur Verteidigung, Missionierung und Besiedlung wie auch Urbarmachung des umliegenden Gebietes. Aus den Burgmannen gingen die Adelsfamilien in den Dörfern der Umgebung hervor, wie die Geschlechter von Kalbe(n) und von Jeetze. Später errichteten sie eigene Burgen in den umliegenden Ortschaften. Daß der Ringwall bei Altmersleben an der Butterhorst-Karritzer Grenze ein Außenwerk der Burg Kalbe gewesen und laut einer Sage mit ihr durch einen unterirdischen Gang verbunden war, ist sehr unwahrscheinlich, da es sich hierbei wohl um eine alte slawische Fluchtburg handelte und weil es wohl angesichts des sumpfigen Geländes kaum unterirdische Gänge gegeben haben dürfte.[29]
Ursprünglich bestanden die Befestigungen in Kalbe gewiß nur aus Holzpalisaden, Wall und Graben, aber schon 1240 ist am Ort ein "festes Hus" gesessen.[30] Die Einstellung eines Burgvogtes durch den Markgrafen ist durchaus anzunehmen. Damit war der Burgward Kalbe, als er im Besitz der Markgrafen war, eine Vogtei gewesen.[31] Inwieweit ein Zusammenhang zur Familie von Kalben (von Calve oder von Calue) bestand, kann und soll in dieser Untersuchung nicht geklärt werden. Immerhin taucht in den Überlieferungen des 14. Jahrhunderts noch eine Familie von Packebusch als Burgmannen auf. Es ist zudem sehr wahrscheinlich, daß die Burgmannengeschlechter Calve und Packebusch die Burg Kalbe samt Zubehör um die Wende des 12. und 13. Jahrhunderts sowohl für die Markgrafen von Brandenburg als auch für die Grafen von Osterburg zu verwalten hatten.
Die nominelle Herrschaft des Erzstifts Magdeburg über den Allodialbesitz der Markgrafen führte zum Mißbrauch der Burg Kalbe als Stützpunkt gegen dieselben und das Gütergebiet der Grafen von Osterburg. In den Kämpfen des Magdeburger Erzbischofs Wilbrand von Käfernburg (1235-1253) gegen die gemeinsam regierenden Markgrafen Johann I. von Brandenburg (1220-1266) und Otto III. von Brandenburg (1220-1267) wurde daher die Burg Kalbe ausführlich erwähnt. Im Jahre 1240 zog Heinrich der Erlauchte (1221/30-1288), Markgraf von Meißen, gegen die Mittelmark und eroberte für das Magdeburger Erzbistum das Gebiet um Lebus. Die Markgrafen von Brandenburg schlugen den Meißener Markgrafen bei Mittenwalde und besetzten die Lausitz. Der Magdeburger Erzbischof und der Bischof von Halberstadt, Ludolf von Schladen (1236-124 1) drangen daraufhin plündernd in die nördliche Altmark vor und lagerten bei Gladigau an der Biese. Die altmärkischen Bauern kamen jedoch den brandenburgischen Markgrafen zu Hilfe, und zusammen überfielen sie die Truppen des Erzbistums. Bischof Ludolf wurde 1240 bei Gladigau mit 60 Rittern gefangen und nach Brandenburg abgeführt. Er verlor die bischöfliche Burg Alvensleben und mußte Lösegeld zahlen. Erzbischof Wilbrand rettete sich zunächst schwer verwundet nach Kalbe an der Milde, um von dort nach Magdeburg zu flüchten. Die Burg wurde dann von seinen Gegnern erobert und in Anbetracht der ständigen Bedrohung als Stützpunkt feindlich gesinnter Oberlehnsherren zerstört - ein Mißtrauen, das etwa 400 Jahre später wieder zur Zerstörung dieser Burg führen sollte.[32]
Damit hatte wohl das markgräfliche Burgmannenamt zu Kalbe keinen Sinn mehr. Erst wieder in den Auseinandersetzungen des 13./14. Jahrhunderts um die Territorialherrschaft in der Altmark haben die Herren der Burg Kalbe nachweislich eine herausragende Rolle gespielt. Vermutlich wurde die Burg um 1295 von Markgraf Otto IV. (1267-1308) an den Ritter von Kröcher verliehen.[33] Das feste Haus Kalbe und damit der Kalbesche Werder kamen damit in den Besitz der Familie von Kröcher. Dieses Geschlecht stammte aus dem Magdeburgischen (Kröchern bei Burgstall) und kam wohl in Kriegsfolge der askanischen Fürsten in die Altmark. Aus der - später ausführlich behandelten - Urkunde vom 1. Mai 1324 läßt sich schließen, daß sie die Burg und den Werder unmittelbar von dem Markgrafen erhalten haben. Ein Indiz für den Beginn der Grundherrschaft derer von Kröcher könnte die Nachricht aus dem Jahr 1295 sein, nach der der mitregierende Markgraf Otto V. (1267-1298) das Patronat der im Kalbeschen Werder gelegenen Kirche des Dorfes Altmersleben dem Heilig-Geist-Kloster zu Salzwedel überwies. Dieses Kirchenpatronat war aber urkundlich immer an die Burgherrschaft Kalbe gebunden.[34]
Der bedeutendste Vertreter des von Kröcherschen Geschlechts war Droiseke (eventuell hieß er Johann und wurde nur aufgrund seines Amtes so genannt), der als rechte Hand des letzten askanischen Markgrafen Waldemar (1309-1217) galt. Er hatte am markgräflichen Hof das Amt des Truchsesses (Drostes) inne und war damit für die höfische Haushaltsführung verantwortlich. Im Jahre 1316 verpflichteten sich Droiseke von Kröcher und dessen Söhne Johann und Heinrich, dem König von Dänemark im Stralsundischen Kriege mit ihren "Schlössern" Kalbe und Betzendorf zu dienen.[35] Ende des 13. Jahrhunderts hatten daher die offenbar nunmehr mit Kalbe belehnten von Kröcher die Burg wieder genutzt. Umfangreiche Baumaßnahmen dürften, obwohl die Burg durchaus wieder befestigt und bewohnbar gemacht wurde, nicht erfolgt sein. Zudem war die Niederungsburg in dieser Zeit sicherlich mit weniger Gräben und Wällen, wie auf den Rekonstruktionszeichnungen zu sehen, ausgestattet. Insofern ist das Angebot, das Droiseke von Kröcher 1316 gegenüber dem König von Dänemark offerierte, differenziert zu sehen.[36] Mit dem plötzlichen Aussterben der askanischen Markgrafen 1318 bzw. 1319 setzte bei Droiseke von Kröcher ein Vermögensverfall ein, da er dem Markgrafen in seiner Eigenschaft als Haushaltsverantwortlicher große Geldsummen "vorschoß", die er nun nicht mehr einfordern konnte. Laut einer Urkunde vom 28. August 1320 mußten die von Kröcher an diesem Tag ihr Schloß Kalbe verpfänden. Bei Wohlbrück steht diesbezüglich folgendes: "Droiseke verpfändete mit seinen Söhnen Hans, Heinrich und Jordan am 28. August 1320 das Haus Calbe den sämmtlichen in der Vogtey Tangermünde gesessenen Rittern und Knappen, und den Städten Stendal, Tangermünde und Osterburg für 1200 Mark Silbers, mit der Bedingung, daß er und seine Erben in den nächsten fünf Jahren nach Weihnachten 1321 berechtigt seyn sollten, dasselbe wieder einzulösen. Zur Verwaltung des Schlosses während der Pfandzeit wurde von Seiten der von Kröcher der Ritter Edel von Lüderitz, und von Seiten der sämmtlichen Pfandberechtigten der Ritter Edel von Schwarzlosen bestellt, denen man für die Administration jährlich eines Gewisses an Getreide und an Gelde aussetzte. Die Beschirmung des Schlosses wurde den Rittern Friedrich und Heinrich von Schäplitz aufgetragen, nahen Verwandten der von Kröcher, die als Burgsassen ihre Wohnung auf dem Schlosse nehmen, und dasselbe den sämmtlichen Pfandinhabern, sonst aber niemand öffnen sollten."37]
Eine vorfristige Aufhebung des Pfandvertrages ist durchaus anzunehmen, denn nur so ist die Vereinbarung zwischen den Herren von Kröcher und dem Fürsten Heinrich von Mecklenburg am 12. September 1321 zu interpretieren: ".. Wie scolen ok vnse huse Calue vnde Crumbke holden tu vnses heren denste, de scolen sine ovene slote sin wen he des bedarf. Were ob dat Wie desser Slote en etse beide loten mosten dorch vnser not willen, so scolde wie se vnseme heren erst beden vnde scolen er eine had gunnen wen eneme anderen. .."[38] Es wird durch diese, Urkunde überliefert, daß die von Kröcher dem Herrn Heinrich vom Mecklenburg unter anderem versprechen, "sie wollen ihre Häuser in Kalbe und Krumbke halten zu ihres Herren Dienst, sie sollen seine offenen Schlösser sein, wenn er derselben bedarf. Wäre es, daß sie diese Schlösser eins oder beide aus Not verkaufen müßten, so sollen sie solche zuerst ihrem Herrn anbieten". Weiterhin forderten sie: "Will er (der mecklenburgische Fürst - A. S.) Krieg führen von den Schlössern, so muß er den Schaden tragen und sie entschädigen, Würden die Schlösser belagert, so soll er sie retten und lösen mit aller Macht. Ginge ein Schloß in seinem Dienste verloren, so soll er es bezahlen binnen Jahresfrist wie zwei seiner Mannen und zwei ihrer Freunde es abschätzenden. "[39] Im Juni 1322 verpflichtete sich noch einer der Brüder, Ritter Heinrich von Kröcher, dem Erzbischof von Magdeburg mit der Burg Kalbe, mit dem Werder und dem dazugehörenden Land gegen jedermann, den Fürsten von Mecklenburg ausgenommen, in seinen Kriegen zu dienen.[40]
Am 1. Mai 1324 verkauften die Herren von Kröcher dennoch die Burgherrschaft an Albrecht von Alvensleben, der vielleicht einer ihrer Gläubiger war. Eine andere Darstellung zum Besitzerwechsel lieferten die von Alvensleben. Demnach wurden die Ritter von Kröcher von Markgraf Albrecht III. von Brandenburg (1267-1300) aus Kalbe vertrieben, die Burg zerstört und die Reste mit den Ländereien dem Gervasius von Alvensleben zum Lehn gegeben. Angeblich, um rechtliche Unklarheiten zu beseitigen, wurde 1324 eine förmliche Kaufurkunde zwischen denen von Kröcher und Albrecht von Alvensleben aufgesetzt, eine der wichtigsten schriftlichen Quellen zur Geschichte der Burg Kalbe .[41] Ungeachtet der beiden Darstellungen waren seit 1299 Droiseke von Kröcher und Albrecht von Alvensleben treue Waffengefährten am markgräflichen Hof.[42] Die Söhne Droisekes, die Ritter Johann, Heinrich und der Knappe Jordan tauchen zudem noch am 22. Juni 1321 als Stifter einer Schenkung an das Kloster zum Heiligen Geist vor Salzwedel auf. 1340 wurde eine dementsprechende Hostienschenkung vereinbart, die bis 1914 Bestand hatte.[43]
In der Kaufurkunde des Jahres 1324 heißt es unter anderem: "Wie Hannes vnde Heyneko, brudhere, gheheten von Crocher, Riddere bekennen vnde betugin in desseme jegenwerdegen brieue, dat wie hern Albrechte van Aluensleue vnde sinen sonen Gheuerde vnde Albrechte vnde ei sinen rechten Eruen vorkost vnde vpghelaten herben dat Hus tu Calue mit al deme, dat dar tu hart, tu rechteme Erue mit holte, also et von alder dar tu hart heft, mit waters, mit weyde, mit der Stad tu Calue vnde mit deine ackere, die dartu hart, vnde mit den Dorpen, die dartu horen... mit ei den richten vnde mit den schieden des Landes als et die Margreuen von aldere ghethat hebbin, vnde mit al den Molen die binnen deine Werdere liggen, vnde binnen der schiede des Landes. Dit Gud und desse Dorp die hir vorbescreuen stan, unde die malen. "[44] So überließen die Ritter von Kröcher die Burgherrschaft Kalbe käuflich denen von Alvensleben, die nun bis 1945 hier beheimatet waren und aufgrund dieses Besitzes bald als"schloßgesessen" galten.
An dieser Stelle muß kurz auf die Geschichte der Stadt Kalbe eingegangen werden. Die wohl Ende des 12. Jahrhunderts südwestlich der Burg in der Niederung planmäßig angelegte " stad tu Calue" war schon damals nicht schutzlos, denn sie wurde von der Milde umflossen und benötigte daher angeblich auch keine Mauer. Es ist allerdings fraglich, ob es sich wirklich um eine Gründungsstadt etwa derer von Kröcher handeln kann. Eine heraldische Auslegung des Stadtwappens bringt auch keine Klarheit. Das alte Wappen der Stadt Kalbe besteht aus einem gespaltenen Schild, dessen eine Hälfte mit dem halben brandenburgischen Adler in Rot auf silbernem Grunde gefüllt ist, während die andere Hälfte ein rotes Kalb auf goldenem Grunde zeigt. Es handelt sich damit teilweise um ein sogenanntes "redendes Wappen". Wenn laut Nachricht der Chronisten der Ort Kalbe neben der Burg nach der Schlacht bei Gladigau im Jahre 1240 zerstört wurde, dann dürfte er nicht groß gewesen sein, denn in der Urkunde von 1196 über die Lehnzuweisung der markgräflichen Erbgüter ist wohl von den Schlössern und Städten Gardelegen und Salzwedel mit Zubehör, dagegen aber nur von dem Burgward Kalbe die Rede, Die Stadt Kalbe besaß immer nur je ein Tor im Norden und Süden der Stadt. Sie dürfte im Mittelalter kaum viel mehr als 500 Einwohner gehabt haben. Sie blieb stets in Abhängigkeit von der Burgherrschaft, welche die Gerichtsbarkeit in ihrer Hand behielt. Später wurde - abgesehen von der niederen Gerichtsbarkeit -und Polizei, die ein rudimentärer, erst 1497 erwähnter Magistrat ausübte - die Rechtsprechung vorn Land- und Stadtgericht Gardelegen im Namen derer von Alvensleben bis 1849 ausgeübt. In der noch aus romanischer zeit stammenden St. Nikolai-Kirche befinden sich Epitaphien und Grabdenkmäler der Familie von Alvensleben.[45] Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Stadt mehrmals erobert und hatte daher schwer unter den Besatzungen zu leiden, 1680 zählte sie erst wieder 80 Einwohner. 1801 waren es 805. In der Anfang des 19. Jahrhunderts verfaßten Beschreibung von F. W. A. Bratring heißt es zur Stadt Kalbe: "Häuser und Feuerstellen. Wie die meisten kleinen Städte, von Holz und Fachwerk, übrigens ziemlich nett."[46] Sie blieb - wie Bismarck - bis 1807 Mediatstadt derer von Alvensleben und gehörte zum Kreis Arendsee. Aus den zur Burg gehörigen Ländereien entstanden zwei Rittergüter, nordwestlich und südöstlich der Burgstelle. Die Ausdehnung der Stadt erfolgte unter dem von Alvenslebenschen Amt im 18. und 19. Jahrhunderts noch Norden. Neben dem wirtschaftlichen Aufschwung folgten Jahre des Krieges. Die Zeiten als DDR-Kreisstadt und nach der Wende 1989 veränderten das Antlitz des altmärkischen Ortes nachhaltig .[47]
Der Erwerb der Burgherrschaft mit den dazugehörigen Dörfern auf dem Werder wurde der Familie von Alvensleben schwarzer Linie erst durch die Welfen und dann durch die brandenburgischen Wittelsbacher als erbliches Lehn bestätigt. Albrecht von Alvensleben empfing so von der Herzogin Agnes von Braunschweig, der Witwe des Markgrafen Waldemar, die bereits von ihm gekaufte Burg zum Lehn, die ihm darüber am 22. Juli 1324 eine Urkunde ausfertigen ließ.[48] Bemerkenswert war, daß Albrecht von Alvensleben an den Dörfern Bühne, Güssefeld, Siepe, Jeetze, Plathe, Brunnau, Packebusch, Hagenau, Biese, Mehrin, Vienau, Butterhorst, Altmersleben, Vahrholz, Kahrstedt, Vietzen, Göhlitz, Dolchau, Mohlitz, Thüritz und Störpke zunächst nur die Vogteirechte besaß.[49] Erst später und nie ausnahmslos wurden auch die grundherrlichen Rechte erworben einschließlich der Gerichtsbarkeit und der Kirchenpatronate.[50] Eine spätere Schenkungsurkunde Albrechts von Alvensleben vom 13, März 1334 ist ebenso überliefert wie die Besitzübertragung der Burg an seinen Sohn Albrecht II. von Alvensleben im Dezember 1338.[51] Dieser übernahm - wie im 18. Jahrhundert überliefert - "das feste Hauß und Schloß" und baute es aus, weil diese Gegend auf seiner ziemlichen Circumfecence gantz im Moraste lieget, und an etlichen engen Orten der Zugang und Pass mit weniger Mühe kan verwehret werden, zumahlen es jederzeit hier herum eine gute bewehrte Manschafft gegeben, so ist nicht allein ein wohl verwahrtes Schloß alhier erbauet worden, sondern es hat auch... Hr. Albrecht der II. von Alvensleben daßelbe mit Wällen und Graben umgeben, welches hernach seine Nachkommen weiter fortificiret".[52]
Das Geschlecht von Alvensleben tritt zuerst 1163 als Ministeriale im Gefolge des Bischofs von Halberstadt auf. Noch im 15. Jahrhundert war in Erinnerung daran die Truchseßwürde an das Haus Kalbe geknüpft. Es begann planmäßig und erfolgreich, seinen Besitz im 14. und 15. Jahrhundert zu erweitern. Die Übernahme der Burg Kalbe geschah indes in schwerer Zeit. Noch dem Aussterben der Askanier kam die Altmark unter die Herrschaft der Wittelsbacher bzw. Luxemburger. Die Welfen begannen eine Auseinandersetzung mit dem als Markgrafen eingesetzten gleichnamigen und älteren Sohn des Wittelsbacher Kaisers, Ludwigs des Bayern (1323/24-1351), zumal dieser noch unter dem Kirchenbann des Papstes Johann XXII. stand.Als der spätere böhmisch-luxemburgische Kaiser Karl IV. (1373-1378) bereits 1348 in diese machtpolitische Konstellation mit der zeitweisen Belehnung des "falschen Waldemar" eingriff, stand die Altmark bereits geographisch im Mittelpunkt dieses Kampfes. Die Herren von Alvensleben nahmen als Landeshauptleute der Altmark, als Vögte der Neumark und als brandenburgische Räte dabei eine Schlüsselstellung ein. So schirmte Gerhard Xl. von Alvensleben als Burgvogt die landesherrliche Hauptresidenz Tangermünde ab. Die enge Anbindung der märkischen Ritterschaft an Karl IV, eröffnete der Altmark kurzzeitig ungeahnte reichspolitische Perspektiven. Der Kaiser versprach im Jahr 1371 denen von Alvensleben für diese Treue: "Das Haus Calbe und alle Güther etc. als Sie Ihm Vater Albrecht von Alvensleben Ritter Senh. von unsern lieben Brudern Ludewigen dem Römer vor beseßen und gehabt hat versichern Gebhardten von Alvensleben Ritter, Albrechten seinen Bruder und Gebhardten Bussen Sohn Ihren Vetter die zu Calbe wohnen, daß wenn sie solten zur Regierung kommen, Sie sie mit den Lehn Güthern, und insonderheit mit Calbe belehnen wolten, auch daß sie daßelbe Hauß und Stadt zu Calbe beßern und festen mügen an Mauern, Thürmen, Graben und Gebäuden, die ihnen allein bequemlich ist ... "[53] Dieses kurze reichspolitische Interregnum ist in der Altmark vor allem in der Baukunst durch signifikante Beispiele der Burgenarchitektur charakterisiert. Im Gegensatz zur Burg Kalbe sind zum Beispiel in Tangermünde diese Zeugnisse deutlich nahezu in ihrer Gesamtheit sichtbar. Noch Jahre danach verstärkten die Herren von Alvensleben auf der Burg Kalbe ihre Grundherrschaft und "begründeten 1420 bis 1460 ringsum eine Anzahl neuer befestigter Sitze (Curiae), keine eigentlichen Burgen: Zichtau, Vienau, Berge, Schenkenhorst und Groß-Engersen ".[54] Bis 73 Dörfer gehörten - teilweise ausschließlich - zum Besitz der auf der Burg Kalbe ansässigen Herren von Alvensleben.
Der strategisch günstig gelegenen und fortifikatorisch herausragenden Lage der Burg Kalbe kam inmitten der nördlichen Altmark eine Schlüsselstellung zu. So verpflichtete sich der Burgherr Gebhard von Alvensleben im Lüneburgischen Erbfolgekrieg im Jahre 1373, die Welfen mit seiner Burg zu unterstützen. Neben ihrer überregionalen Bedeutung ist von der Burg Kalbe jahrhundertelang ein nachhaltiger Einfluß auf den gleichnamigen Werder ausgegangen. Derjeweilige Burgherr war mit einer Anzahl von Rittern und Beamten umgeben, durch welche er seine Anordnungen ausführen ließ. Die Einführung und Durchsetzung eines ihm untergeordneten Rechtssystems in einem Gebiet, in dem sich Deutsche und Slawen lange fremd und feindlich gegenüberstanden, war die vordringlichste Aufgabe. Die Ackergewinnung und die Festlegung der Gemarkungsgrenzen gehörten dazu ebenso wie die Anlegung und Instandhaltung des Wegesystems. Neben den Kulturbauten wie dem Hopfenanbau wurden andere Wirtschaftszweige vorangetrieben, so die Anlegung von Mühlen: die Voßmühle bei Vahrholz, die Mühlen in Vienau und Beese.
Geistliche Impulse gingen schon früher vom Burgstandort Kalbe aus. Auf dem Petersberg bei Kalbe soll ein Mönchskloster gestanden haben, doch fehlen darüber verläßliche Nachrichten. Gut bezeugt ist hingegen - wie bereits ausgeführt - das Vorhandensein des Nonnenklosters, für dessen Errichtung die Burgherren von Kalbe gleich bei der Anlage der Grenzfeste Sorge getragen haben mögen, um mit ihm eine Stätte zur Missionierung des Slawenlandes zu schaffen. Aber es existierte nicht lange, denn mit dem Slawenaufstand 983 wurde bekanntlich dieses Kloster im Gebiet des Markgrafen Dietrich zerstört. Die Erinnerung an dieses Kloster blieb unter den neuen Burgherren durch die Laurentiuskapelle erhalten, welche im Mittelalter auf der Nordseite der Stadt auf dem jetzigen Lorenzfriedhofe stand sowie durch die beiden Flurbezeichnungen in der Kalbeschen Gemarkung: "Nonnenwerder" und "In den Klosterwiesen" bei Klein Engersen. [55] Weitere Klostergründungen erfolgten in der Altmark im 12./13. Jahrhundert. So wurde um 1220 das Kloster Neuendorf bei Gardelegen gegründet. Die Familie von Alvensleben wählte später Neuendorf als eine Erbbegräbnisstätte, dort liegt zum Beispiel Oda die Gemahlin Albrechts welcher 1324 die Burg Kalbe erwarb, begraben. In Kalbe selbst schrieb eine "Calbesche Kirchenordnung" für die Burgkapelle täglich Gottesdienste sowie Feiertage, Prozessionen und Wallfahrten vor. Auch ein Kirchenschatz mit dem heiligen Kreuz war vorhanden. Angeblich war es das Kreuz, zu dem im 14. Jahrhundert nach Bismarck gepilgert wurde. Bereits im 15. Jahrhundert besaß die Kapelle eine kleine Orgel. Da nach der Kaufurkunde von 1324 die Dörfer des Kalbeschen Werders von Alters her zur markgräflichen Burg gehört haben, fiel dem Vogt und den späteren Burgherren als Leiter des regionalen Kolonisationswerkes die Aufgabe zu, den Bestand der christlichen Gemeinden zu sichern und in den einzelnen Dörfern Kirchen zu errichten. Das Kirchenpatronat im Werder hatten seit den markgräflichen Zeiten die Burgherren in Kalbe wie auch in Jeetze inne. Dies änderte sich auch nicht nach der Reformation. Ende des Mittelalters waren wohl in einer kleinen Kapellen zum heiligen Kreuz auf der Burg, St. Maria und St, Lorenz auf dem alten Klosterkirchhof sowie St. Peter auf dem Petersberg verhältnismäßig viele Geistliche tätig. Aus der Familie von Alvensleben ragte in der Reformationszeit Joachim I. von Alvensleben (1514-1588) heraus, der unter anderem 1566 für die Geistlichen und Lehrer der rundherrschaft das Glaubensbekenntnis" als Katechismus der neuen Konfession redigierte. Neben den geistlichen Impulsen gingen von Burg Kalbe auch soziale Aktivitäten aus wie die bereits erwähnte Einrichtung eines Siechenhauses oder später die sogenannte "Judicaspende in Calbe".[56]
Die Burg war auch die Stätte der Rechtsprechung im Kalbeschen Werder. Zunächst übte der Vogt auf der markgräflichen Burg das hohe Gericht aus. Er sprach Recht im Namen des Landesherrn, des Markgrafen. Später ging diese Gerichtsbarkeit an diejeweiligen Grundherren über. Nach dem von Alvenslebenschen Vergleich vom 20. April 1497 sollte nach alter Sitte viermal im Jahr das Vogteigedinge zu Altmersleben gehalten werden. Die Todesurteile wurden auf dem Galgenberg bei Vahrholz, der alten Hochgerichtsstätte des Werders, vollstreckt. Auch wirtschaftliche Unternehmungen wurden auf der Burg Kalbe initiiert. Die Burganlage profitierte vor allem von der Erschließung neuer Baumaterialien. Ein altes Wirtschaftsunternehmen war der Kalkofen bei Altmersleben. Er war urkundlich 1324 in Betrieb und gehörte im Jahre 1500 zu Vienau, als dort ein besonderes Vorwerk für die von Alvensleben angelegt wurde. Kalkstein wurde schon früher am Steinbruch bei Karritz gebrochen und taucht als Bruchstein vereinzelt neben den Feldsteinen und Backsteinen in den Ruinenteilen der Burg Kalbe auf. Der Kalkberg bei Altmersleben, welcher offensichtlich schon seit dem Bau der Burg in Kalbe in Betrieb war, gestattete einen vorzüglichen Mörtel. Bevorzugtes Baumaterial blieben vor allem die Feldsteine, zumal deren Verwendung auch die Ackerflächen entlastete. Noch zu erwähnen ist die besondere Bedeutung des Fischereiwesens in dieser wasserreichen Gegend. Noch einer Erbauseinandersetzung derer von Alvensleben aus dem Jahre 1714 stand auf der Burginsel ein herrschaftliches Fischerhaus.[57]
Am 20. Februar 1479 erhielt Busso VII. von Alvensleben auf der Burg Kalbe nebst seinen Brüdern vom neuen Kurfürsten Albrecht Achilles (1470-1488) den ersten tatsächlichen Lehnbrief über das Haus Kalbe und über alle märkischen Güter der schwarzen Linie, so unter anderem: Die Burg und das Bleck Calbe mit Holzungen, Heiden, großer und kleiner Jagd, Diensten, obern und niederen Gerichten, die Mühle vor der Burg und die Voßmühle, das Kirchlehn mit sechs Vicarien und einer Commende, die Milde von der Mühle zu Lüffingen an, bis in die Biese, und die Biese bis an den Kolk (Sumpf) bey Gladigau, mit aller Fischerey, allen Teichen und Teichstäten." Es folgen sodann die Aufzählung der dörflichen Besitzungen.[58]Am 15. Mai 1479 versammelten sich auf Initiative von Busso VII. zu Kalbe alle elf Vettern zum "Geschlechtstag derer von Alvensleben": drei von der roten Linie aus dem Hause Rogätz, Calvörde und ErxIeben, sieben von der schwarzen Linie aus den Häusern Kalbe und Hundisburg und einer aus der weißen Linie aus dem Hause Gardelegen. Seit diesem Jahr sollten die von Alvenslebenschen Vettern jährlich in Kalbe zur Beratung ihrer Lehnsangelegenheiten zusammentreffen,[59] sicherlich mit Unterbrechungen, wie im Jahre 1483, als die Burg durch Feuer zerstört wurde.
Johann Cicero Markgraf von Brandenburg (1486-1499), belehnte die von Alvensleben aus Kalbe nochmalig mit ihren bisherigen Lehngütern im Jahre 1488, so mit der "Burgk vnd das bleck Calue mit holzern, große und kleinel jagt mil der Mullen fur der burgk vnd die Voß Mullen... item die dorffer", hinzu kamen das Wegegeld und andere Vergünstigungen .[60]
Als Kondominat befand sich die Herrschaft Kalbe stets gleichzeitig im Besitz mehrerer Linien der Familie von Alvensleben, so daß verbindliche Regelungen notwendig waren. Der sogenannte erste "Calbische Burgfrieden" vorm 17. Februar 1494 beschreibt so ziemlich detailliert Teile der Burganlage und der umliegenden Güter .[61] Hintergrund dieser Übereinkunft der Herren von Alvensleben schwarzer Linie, des Ritters Busso und dessen Söhne, Gebhards XVI, und dessen Söhne und der Söhne Ludolfs IV. war die Sachlage, daß die Besitzer der Burg nicht mehr auf gemeinschaftlichen Gütern saßen und die Hundisburg als zweiter Stammsitz etabliert worden war. Es mußte also einen kooperativen Beschluß hinsichtlich der Verwahrung der Burg, der gemeinschaftlichen Unterhaltung der Burgkapelle und des Siechenhauses geben. Wohlbrück faßte die ausführlich niedergeschriebene Urkunde wie folgt zusammen: "Nach diesem Beschlusse sollte stets ein in Eid und Pflicht genommener rittermäßiger Mann, oder wenigstens ein treuer und redlicher Diener zur Oberaufsicht Über die Verwahrung der weitläufigen Burg gehalten werden. Dieser Burgvogt sollte dahin sehen, daß die Burg des Nachts gehörig verschlossen gehalten, und bey Tage gut verwahrt würde. Ihm sollten zwey Männer, welche das obere Pforthaus und das Thor bey Tage zu verwahren, und des Nachts abwechselnd zu wachen hätten, zwey andere Pförtner zur Verwahrung der beiden unteren Pforthäuser, und ein Hausmann, oder ein in Musik geübter Thurmwächter auf dem Burgthurme, untergeordnet seyn. Zugleich machte man sich anheischig, jährlich das große Begängniß, oder die allgemeine Todtenfeier zum Andenken der verstorbenen Familienmitglieder, und die übrigen Mernorien mit den Priestern, Schulmeistern und Schülern zu halten, auf dem Thurme der Burgcapelle einen besonderen Thurmwächter wohnen zu lassen, und das Siechenhaus fortwährend im Stande zu erhalten. Damit es den Armen und Kranken in diesem Hause, welches außer dem Umfange der Schloßgebäude am Graben lag, nicht an dem nothwendigen Getränke fehlen möchte, so wurde ihnen von jedem Parte jährlich ein Scheffel Malz zugesichert. In Fällen, da die sämmtlichen auf der Burg wohnenden Herren von Alvensleben zum Dienste des Landesherrn, oder um Hochzeiten und anderen Gastmahlen beyzuwohnen, die Burg verlassen müßten, sollten dem Burgvogte zwey bis drey wehrhafte Bürger aus dem Flecken zugeordnet werden, und diese Art von Dienst sollte den darzu geeigneten Bürgern der Reihe nach umgehen. Wenn sich aber die Besitzer der Burg nur noch dem Flecken, entweder zur Kirche bey großen Festen, oder zu Gastmählern begeben möchten, so sollten zwey Knechte auf der Burg gelassen werden, um die Brücke aufzuziehen, und sie aufgezogen zu halten, bis einer der Besitzer wieder zurück käme. Die Unterhaltung dieser Personen sollte nur denjenigen Theilhabern, welche auf der Burg wohnen würden, obliegen. Dagegen sollten diese ausschließlich auch gewisse Nutzungen, nämlich die Voßmühle nebst dem Aalkasten, die Mühle vor der Burg mit dem Aalkasten, die Windmühle, den die Burg urnfließenden Graben, den Teich zu Wiebke, den Teich Bornholt im Werder, die beiden Teiche zu Zethlingen, den alten Hopfengarten, eine Wiese, drey Wispel Rocken und sechs kleine Wispel Gerste aus dem Flecken Calbe, den Vertheidigungshafer aus dem Dorfe Henningen, alle Geldstrafen, die bey den Calbischen Gerichten von Fremden einkommen würdn, alle Gräfeneyer, alle ungetheilten Hühner in der ganzen Altmark, und die Einwohner von Neuendorf am Damme und von Carritz freywillig zum Geschenke brachten, damit ihre Gänse nicht, wenn sie über die Biese schwammen, von den Knechten der Herren von Alvensleben geschlagen würden. Die Capelle in der Burg war bisher mit dem erforderlichen Wachse zu der Erleuchtung überhaupt, und insonderheit zu den Kerzen, weiche bey dem heiligen Kreuze brannten, und mit dem Öhle zu der stets brennenden Lampe, von den Bewohnern des Schlosses nach Nothdurft versorgt worden, jetzt wurden der Geistlichkeit zu diesen Behufe bestimmte Einkünfte für immer angewiesen-"[62]Die in diesem von Alvenslebenschen Vertrag genannte Uhlenburg, die etwa 1 km von der Burg Kalbe entfernt lag, sollte zudem ausgebaut werden.[63] Einen 2. und 3. Burgfrieden gab es ebenfalls, wie es in der Beschreibung des 18. Jahrhunderts heißt: "Es haben auch Ao. 1552 post octavan trium Regum Andreas, Eliatz, Ludolphen, Aßmus, Ludolph Gebhardts Sohn, Joachim, Gebhardt Reimar und Achatz Gevattern und Bruder von Alvensleben einen Burg Frieden aufgerichtet, und beschwohren, von Ihre Nachkommen Ao. 1602 erneuert."[64]
Diese Verträge waren von baugeschichtlicher Relevanz, so wie wir es zum Beispiel auch von Leitzkau oder dem Wendelstein kennen. Denn die Präsenz mehrerer Familienglieder bedingte bauliche Veränderungen (oder Abgrenzungen) auf der Niederungsburg und müssen daher bei der Bauforschung an diesen Objekten beachtet werden. Hermann Wäscher erkannte - wie bereits ausgeführt - zwei oder drei getrennte Höfe auf der Burg. In den archivalischen Unterlagen derer von Alvensleben zur Geschichte der Familie und des Stammsitzes wird vor allem auf die Teilungen des Kalbeschen Besitzes eingegangen. Eine zeitgenössische Darstellung der historischen Überlieferungen zur Burg Kalbe und der Familie von Alvensleben gibt es - basierend auf der Niederschrift von 1659 - aus dem 18. Jahrhundert. Interessant ist hier die Verbindung zwischen historischen Fakten und alten Sagen. Demnach gab es eine"dieses Hauß und Schloß belangende Merckwürdigkeit... die Begebenheit mit einem gewißen Ringe. So hierselbst lange Zeit als ein Geschlechts Ring verwahrlich gehalten worden, jetzo auch noch in sicheren Händen bey dieser hochadligen Familie vorhanden ist. Die Historia seyn in der Hauptsache ziemlich einig, variiren jedoch in einigen Umständen", demnach "so lange derselbige Ring gantz und ungetheilet auf dem Hause Calbe und bey dem Geschlechte derer von Alvensleben bleiben würde, solte es floriren, und Glück und Wohlfahrt haben; würde aber der Ring von Händen kommen oder zertheilet werden, so würde es auch demselben Geschlecht unglücklich und nicht wohl ergehen, und wärn sie damit verschwunden".[65] Davon sollten vor allem die rote und weiße Linie der Familie von Alvensleben betroffen gewesen sein. Eine weitere Legende betrifft die Glocke auf der Burg Kalbe, die von allein anschlug, wenn irgendwo ein Angehöriger des Geschlechts verstarb. Diese Sagen verdeutlichen die tiefe Verwurzelung der Familiengeschichte derer von Alvensleben im traditionellen Brauchtum der Altmark. Solche Überlieferungen wie die zum Geschlechterring finden wir auch bei anderen Adelsfamilien. Die Bekannteste dürfte wohl die des fürstlichen Hauses Anhalt-Dessau sein. Um die Zerstörung der Burg im Dreißigjährigen Krieg besser zu verstehen, muß die historische Situation im Kalbeschen Werder rekapituliert werden. Nachdem 1624 die kaiserlichen Truppen das Erzstift Magdeburg besetzt haften, erhielt Ludolf von Alvensleben im Oktober 1625 den landesherrlichen Befehl, die Burg Kalbe in den Verteidigungszustand zu setzen und vor einer Eroberung durch feindliche Truppen zu schützen. Ohne Unterstützung des Landesfürsten bestallten die Herren von Alvensleben einen kriegserfahrenen Hauptmann, der auf der Burg freie Kost und Logis erhielt. Er durfte 30 Männer aus der Umgebung anwerben. Gleichzeitig wurden die 6 Metallstücke" (Geschütz) instandgesetzt sowie weitere Waffen, Schießpulver und Vorräte gekauft. Die Bäume und Büsche um die Burginsel wurden aus tortifikatorischen Gründen gestutzt. Dennoch wurde die Burg im Februar 1626 von den dänischen Truppen besetzt und die Stadt sowie die Umgebung geplündert. Am 2. September 1626 zog diese dänische Kompanie Fußvolk wieder ab. Bis zum 12. August 1630 blieb dann die Burg Kalbe mit brandenburgischen Truppen besetzt. Auf den umliegenden Dämmen wurden zusätzlich Schanzen errichtet. Die eingeschleppte Pest kostete neben dem Kriegsvolk auch großen Teilen der Bewohner des Kalbeschen Werders das Leben. Verschiedene Truppen der Liga und der Union einschließlich des Kurfürsten besetzten abwechselnd die Burg, die durch mehrere Verträge zunächst vor Zerstörung bewahrt blieb. Sie wurde jedoch der Ausgangsort für die Raubzüge und Sammelstelle von Kontributionen der jeweiligen Kriegsvölker. Ende der dreißiger Jahre bildete sich - vergleichbar mit den Harzschützen - eine Bauernlandwehr auf dem Kalbeschen Werder, begünstigt durch das Sumpfgebiet und die daraus leicht zu verteidigende Insellage.[66]
Die genauen Vorgänge, die zum Abbruch der Burg Kalbe im Jahre 1632 führten, sind überliefert. Thomas und Hempo von dem Knesebeck berichteten aus Salzwedel am 23. November 1631 an den Kurfürsten Über die drei Tage vorher erfolgte Übergabe der Burg Kalbe an die Schweden und fragten noch, ob der Kurfürst das Haus Kalbe mit seinen Truppen besetzen oder die Festung zerstören lassen wollte. So hieß es:" Ahie im lande ist von obgemelten Hause menniglich so großer schade vnd vngelegenheit zugefügt worden das wier nichts mehr wünschen als das die wercke gentzlich demolieret werden möchten. Dan da wiederumb Volk darauf geleget werden sollte, wird es nur große vnkosten den armen Vnterthanen verursachen vnd kann doch das Land durch die Festung, da es an ihr selbsten kein paß vnd jederzeit mit 200 oder 300 Man, weit es nur einen Zugangsweg hat, blocquiert werden kann, nicht geschützt werden. So hat man auch albereit von etlichen jahren her gesehen, das alle parteien, so ins land kommen, sich umb obgedachtes Hauß angenommen, weil sie daraus die umbliegenden Örter brandschatzen vnd in contribution setzen können, weiches durch die Demolierung leicht vnd ohne vnkosten ins künfftige verhütet werden kann, vnd wird sich niemand so bald vnterstehen es wieder zur Festung zu machen darump das es mitten im lande gelegen vnd an allen orthen kann umbzogen werden."[67]" Nach diesem Bericht faßten die kurfürstlichen Räte den Entschluß, die Burg Kalbe abzutragen. Die Besitzer, die Herren von Alvensleben, machten dagegen zwar am 17. Juni 1632 noch geltend, daß der Wall kaum hinreichen würde, ein Drittel des Grabens auszufüllen; ungeachtet dessen kam statt einer Antwort der kurfürstliche Befehl zur Abtragung, sobald die schwedische Besatzung abgezogen sei. Am 19. August 1632 wurde mit einem bäuerlichen Aufgebot aus dem Kalbeschen Werder die Schleifung der Burg begonnen. Gebhard von Alvensleben erhielt am 20.Januar 1634 durch Losentscheid den väterlichen Anteil am Haus Kalbe nebst dem Gut Groß Engersen. Er siedelte von Braunschweig nach Kalbe über und fand den alten Wohnsitz seiner Vorfahrenin Trümmern. Daraufhin richtete sich Gebhard in unmittelbarer Nähe der Burginsel auf einem Vorwerk ein. Im Jahre 1639 wurde er nach dem Tode Joachim Werners Geschlechtssenior derer von Alvensleben, und 1645 gelangte er durch den Tod seines Bruders in den Besitz des Hauses Hunddisburg. Um seinen Hegemonieanspruch innerhalb der von AlvenslenschenFamilie zu festigen, kaufte er am 24. Juli 1651 die Anteile seiner Vettern Christian Ernst und Gebhard XXV. an dem Hause Kalbe.[68] Dennoch kritisierte Udo von Alvensleben-Wittemoor seine Vorfahren:" Mit dem Hause der Väter gaben die Nachfahren das Symbol des Ansehens und Zusammenhalts preis. Die Wohngebäude hätte man wieder instandsetzen können, was jedoch unterblieb, da die Teilhaber sich entschlossen, außerhalb der Burg Wirtschaftshöfe und Absteigequariere zu begründen. Die Zerstörung von Hauptschlössern wie Calbe und Gardelegen-Isenschnibbe (1784) erfolgte nicht durch Feindeinwirkung, sondern durch eigene Schuld .[69]
ältere Überlieferungen zur Burg Kalbe nach der Zerstörung vorhanden. Der preußische Gesandte Philipp Carl von Alvensleben sah 1781 noch bedeutende Überreste:"Schloß Calbe muß ein stolzes Bauwerk gewesen sein. Man passiert eine Zugbrücke, vier sehr große Tore, die Trümmer eines zusammengestürzten Turmes, mit Moos und Efeu überwucherte Ruinen, eine Kapelle und verschiedene Gebäude, nur noch durch Spuren ihrer einstigen Bestimmung, Fenster und Inschriften gekennzeichnet. Dieser Anblick erfüllte mich mit heiligem Schrecken..."[70] In einer "Nachricht zur von Alvenslebenschen Burg zu Calbe"vom 12. Mai 1783 gab der Pächter Lambke unter anderem folgende Hinweise: " 2. Die Kapelle auf der Burg. Diese ist unter denen sämtlichen Herren Interessierter (derer von Alvensleben - A. S.) in Communion geblieben und hat das Gesamtwesen für die Conservation der alten Mauern bisher gesorgt... 5. Der Burgwall. Der Burgwall gehört allerdings zur Burg, ist indeßen als ein öffentlicher Weg zu conzedieren, und daher auf ausdrücklicher Veranlassung des Herren Kammerraths Warmholz durch mich mit Pflaumebäumen besetzet worden... 6. Haus und Gärten auf dem Burgwall gehört eigentlich zum zweyten Vorwerk in Calbe. Der vorstehende Herr Joachim Werner v. Alvensleben als der letzteren Hofes Besitzer dieses Guths hat das Haus mit dem Garten an seinen damaligen Gärtner Blume(n) verkaufet 7. Ziehtensche Einwohner Häuser auf der Burg. Es sind derselben zwei..."[71])1795 kam die Burg Kalbe zunächst in den Alleinbesitz des von Alvenslebenschen Hauses Neugattersleben. Im Jahre 1851 hoffte der Familienhistoriker Udo von Alvensleben-Schollene vergebens, daß er den alten Familienbesitz wiederherstellen könnte. In seinem Tagebuch schrieb er: Keiner meiner Brüder äusserte eine Vorliebe für den Besitz, mich zog der Umstand seiner 500 jährigen Zugehörigkeit zur Familie u. die alte Burgruine an. Hätte mich das Los getroffen, so würde ich in Calbe mein Heim gegründet u. mich der Verbesserung des Besitztums mit Eifer hingegeben haben."[72]
Der preußischen Denkmalpflege war die Burgruine schon frühzeitig bekannt. So reiste Karl Friedrich Schinkel in Begleitung des Magdeburger Baurates Friedrich Albert Mellin im Juli 1835 durch die Altmark; sie besuchten damals auch die Stadt Kalbe an der Milde mit der Niederungsburg.[73] Allerdings lag die Unterhaltungspflicht der Burganlage bei der Familie von Alvensleben, deren Seitenlinien in unmittelbarer Nachbarschaft wohnten. Aus den zur Burg gehörigen Wirtschaftshöfen (Vorwerken) wurden zwei Güter gebildet, von denen das eine bis 1945 der Familie von Alvensleben (später Schulhort heute leerstehend), das andere der Familie von Gosler (später sitz der DDR-Kreisverwaltung heute Altersheim) gehörte. Diese beiden Güter lagen in der Nähe der Burg, so daß man noch 1947 der Meinung war, daß sie zur jeweiligen Vorburg der Befestigung gehörten. Das bis 1945 so bezeichnete "von Alvenslebensche Herrenhaus" war ein Backsteinputzbau von 1840 mit zwei Stockwerken Über einem hohen Kellergeschoß mit einem hohen Schieferwalmdach.[74]Das Gebäude mit dem alten Park wurde 1948 als Schloß in die Listenkategorie III der Landesdenkmalliste aufgenommen, um es vor dem Abriß zu bewahren. 1952 beantragte die Stadt, den Hausmannsturm als Aussichtspunkt instandzusetzen und dabei mit sechs rundbogigen Fenstern sowie einem spitzen Kegeldach zu versehen, Heinrich Schuster vom Institut für Denkmalpflege, Arbeitsstelle Halle, lehnte eine solche rigorose Umgestaltung ab: "Bei dem außerordentlich schlanken Turm, dessen Durchmesser nur 2,50 m beträgt, scheint es sich um einen Schrotturm aus dem späten Mittelalter zu handeln. Derartige Türme sind, weil sie in der Regel nicht besonders kräftig gebaut wurden, heute schon ziemlich selten geworden. Als Teil der Burgruine und Zeuge einer vergangenen Kulturepoche steht der Turm - wie die Gesamtruine - unter Denkmalschutz."[75] 1955 wurde die vom Institut für Denkmalpflege angeratene behutsame Instandsetzung vollendet und vor allem die Mauerkrone gesichert. Im Jahre 1961 konnten auf dem Burggrundstück Maßnahmen im Rahmen des Wettbewerbs" Das schöne sozialistische Dorf" durchgeführt worden, Zuvor wurden an dem Giebel des großen Palasgebäudes Instandsetzungsarbeiten vorgenommen. Die offenen Fugen des Bruchstein- und Findlingsmauerwerks sind mit einem Mörtelverstrich geschlossen worden. Eine beabsichtigte Verfüllung der Stadtgräben (einschließlich des Burggrabens?) im Jahre 1962 wurde glücklicherweise aufgegeben. Der desolate Zustand der Burganlage wurde am 25. Mai 1963 selbst vom Kreisbauamt scharf kritisiert: " Die gesamte ehemalige Burganlage kann weder für das Interesse unseres Volkes und Staates an der Erhaltung des kulturellen Erbes oder die Existenz eines Denkmalpflegegesetzes Zeugnis ablegen noch kann ihr Zustand als tragbar angesehen werden. Das planlose Wirken der vielfältigsten Privatinteressen und das Fehlen jeglicher Einflußnahme durch die dafür verantwortliche öffentliche Hand lassen ein Bild der Unordnung und des Verfalls entstehen." Insbesondere wurde der Zustand des Turmes kritisiert[76] Als denkmalpflegerische Maßnahmen wurde bereits 1961 vorgeschlagen, den Schutt und Baumbewuchs zu entfernen, die Kellerhügel zu begrünen sowie die Eingänge zu den Burgkellern auszubessern und die Kellergewölbe abzudichten. Insbesondere die Ruine der Burgkapelle sollte entsprechend hergerichtet werden. Im März 1967 wurden eine Gefährdung für den Westgiebel des Palas und Regenschäden an der Treppenspindel im Hausmannsturm festgestellt und danach beseitigt. 1982, 1985 und 1991 fanden weitere Erhaltungsarbeiten auf der Burg statt.(Hervorzuheben sind hier die Arbeiten von Hans Käbel und Herrman Niewerth)
Eine Reihe von Um- und Neubauten erfolgten in den letzten Jahren. Dabei wurde vor allem in den Fachwerkbestand der Wohn- und Wirtschaftsgebäude des 18. und 19. Jahrhunderts eingegriffen. Die Parzellierung in Kleingärten und der hohe Baumbewuchs verwischen zwar das Weichbild der Niederungsburg, tragen jedoch charakteristisch zu dessen Romantisierung bei.




Anmerkung
Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung von Herrn Andreas Stahl, in den Punkten zur neueren Geschichte wurden einige kurze unwesentliche Veränderungen vorgenommen.
Der Originalartikel ist veröffentlich in " Burgen und Schlösser in Sachsen-Anhalt"
Heft 8 Mitteilungen der Landesgruppe Sachsen-Anhalt der Deutschen Burgenvereinigung e.V.
Halle/Saale 1999

Quellen

  1. [1]Eine Abschrift dieser Hexameter befindet sich in der Beschreibung des Guths Calbe in Werder oder an der Milde. In Anno 1659". In: Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt (künftig: LHA), Rep. H Kalbe Nr. 19, Bl. 22r/v.
  2. [2]Es existiert ein in Dortmund verfaßtes Manuskript aus dem Jahre 1947 von U. A. E. von Alvensleben zur .Geschichte von Calbe a. M. (Baugeschichte der Burg Calbe), das mir - ebenso wie das Quellenmaterial der Familienarchive derer von Alvensleben - noch nicht zugänglich war. - Vgl. Alvensleben-Wittenmoor, Udo von: Alvenslebensche Burgen und Landsitze. Mit den Zeichnungen von Anco Wigboldus. Göttingen 1993, S. 75.
  3. [3]Historische Ortsbezeichnungen waren: Calwo, Calva 983 (Thietmar 1009-18), Calvo 112 1, Calve, Kalve 14.15. Jh., Kalbe 1552, Calve uppe der Milde 1453. Lot. Calvae (1232). Vgl. Deutsches Städtebuch. Handbuch städtischer Geschichte. Hg. von Erich Kaiser. Band 11: Mitteldeutschland. Stuttgart/Berlin 1941, S. 447. Auch: 1196 u. 1207 Calue. Vgl. Grimm, Paul: Die vor- und frühgeschichtlichen Burgwälle der Bezirke Halle und Magdeburg, Berlin 1958, S. 436.
  4. [4]LHA, Rep. H Kalbe Nr. 9, Bl. 12v.
  5. [5]Eine Flur- und eine Katasterkarte von Kalbe aus dem 19, Jahrhundert zeigen noch weitere Details. Vgl. ebenda Flurkarte Calbe (Milde) von 1804 Nr. 4 (199) u. Kataster 1828 Calbe (Milde) Bl~ 9.
  6. [6]1688 wurde eine noch vorhandene Zugbrücke als Klappe bezeichnet: LHA, Rep. H Kalbe Nr, 17, Bl. 9r.
  7. [7]Kalben, Rudolf von: Zur Geschichte der Familie von Kalben. V. Die Befestigungen der Burg Calbe. In: 33. Jahresbericht des Altmärkischen Vereins für Vaterländische Geschichte und Industrie zu Salzwedel. Magdeburg 1906, S. 70-71. Im Vergleich stellte er die Grundflächen folgender Burgen gegenüber: die Burg Tangermünde innerhalb des Burggrabens 2,5 ha und mit Außenwällen 6 ha, die Arneburg auf der Hochfläche 1,5 ha und mit dem steil abfallenden Areal zur Elbe 4,2 ha, die Burg Salzwedel innerhalb des umgebenden Grabens etwa ha, die Burgstelle südlich Gladigau als Sperrburg an der Biese ca. 0,4 ha, die Burgstelle im Dorf Mehrin 0,4 1,3 die Apenburg 0,2 ha und die Schulenburg an der Jeetze 1 kaum 0, 1 ha, ha,
  8. [8]Vgl, Städtebuch 1941 (wie Anm. 3), S. 448; vgl. Grimm 958 (wie Anm. 3), S. 436,
  9. [9]Sültmann, Heinrich: Der Kalbesche Werder. Kalbe (Milde) 1924, S. 83.
  10. [10]LHA, Rep. H Kalbe Nr, 19, Bl. 13r-22v, auch Nr. 9, Bl. 12r-22v.
  11. [11]Wohlbrück, Siegmund Wilhelm: Geschichtliche Nachrichten von dem Geschlechte von Alvensleben und dessen Gütern. Zweyter Theil. Berlin 1819, S. 119-123.
  12. [12]Mit der These, daß der Bergfried das älteste Bauwerk der Altmark" sei, wird natürlich dessen Abtragung bei der Schleifung der Burg auf das Jahr 1240 datiert. Vgl. Alvensleben-Wittenmoor 1993 (wie Anm. 2), S. 40
  13. [13]Kalben. Rudolf von: Zur Geschichte der Familie von Kalben. Xl. Der Bergfried der Burg Calbe und die Gardelegener Linie mit ihren Zweiglinien in Stendal und Osterburg bis zum Jahre 7500, In: 44. Jahresbericht des Altmärkischen Vereins für vaterländische Geschichte zu Salzwedel. Salzwedel 7 926, S. 4-7.
  14. [14]Alvensleben-Wittenmoor 1993 (wie Anm. 2), S. 4 1.
  15. [15]Wäscher, Hermann: Feudalburgen in den Bezirken Halle und Magdeburg. Textband. Berlin 1962, S, 58. Dementsprechend folgte auch die Eintragung in das Denkmälerinventar. Vgl. Dehio, Georg: Handbuch der deut schen Kunstdenkmäler. Der Bezirk Magdeburg. Berlin 1974, S. 22 1.
  16. [16]Alvensleben-Wittenmoor 1993 (wie Anm. 2), S. 68.
  17. [17]Von Kalben 1926 (wie Anm, 13), S. 3.
  18. [18]LHA, Rep. H Kalbe Nr. 1,
  19. [19]LHA, Rep. H Kalbe Nr. 17, Bl. 6r.
  20. [20]Alvensleben-Wittenmoor 1993 (wie Anm. 2), S. 68-69.
  21. [21]Gemeint war der nur kurze Zeit herrschende römische Soldatenkaiser Servius Sulpicius Galbia. Vgl. LHA, Rep. H Kalbe Nr. 19, Bl. 13.
  22. [22]In der Überlieferung heißt es: 982 (983) Posfeaque monasterium sancti Laurencii martiris in urbe, quae Calvo dicitur, situm desolantes, Zitiert nach: Grimm 1958 (wie Anm, 3), S. 436.
  23. [23]Die These vertrat auch Rudolf von Kalben, als er 1905 schrieb, daß in urbe quae Colwo dicitur' ein Kloster gegründet wurde, in welchem sich die Töchter dynastischer Geschlechter dem Dienste zu Ehren des heiligen Laurentius weihten: Von Kalben 1906 (wie Anm. 7), S. 64,
  24. [24]Sehr schlüssig scheint jedoch auch die These von Wohlbrück zu sein, der die urkundlich erwähnte Verlegung eines St. Lorenz-Klosters noch Schöningen der Stadt Calbe an der Saale zuordnete: Wohlbrück, Siegmund Wilhelm: Geschichtliche Nachrichten von der Familie von Alvensleben. 0. 0. und 0. J., S. 203.
  25. [25]Städtebuch 1941 (wie Anm, 3), S, 448,- Grimm 1958 (wie Anm. 3), S. 357 u. 436; Wäscher 1962 (wie Anm. 15), S. 58; Handbuch der Historischen Stätten. Band 11: Provinz Sachsen/Anhalt. Hg. von Berent Schwineköper. Stuttgart 1987, S. 232-233.
  26. [26]Medietarem burgwardii Calue cum fuis attinentiis Gercken, P. W.: Codex diplomaticus Brandenburgensis. Band IV: Historische Nachricht von dem uralten, berühmten Geschlecht der Herren von Alvensleben und ihren Gütern. Stendal 1778, S. 63; vgl. Schulze, Hans K.: Adelsherrschaft und Landesherrschaft. Studien zur Verfassungs- und Besitzgeschichte der Altmark, des ostsächsischen Raumes und des hannoverschen Wendlandes im hohen Mittelalter. Köln/Graz 1963, S. 190 (Mitteldeutsche Forschungen. Band 29). Sehr ausführlich wird die Lehnzuweisung bei Wolfgang Podehl behandelt, dessen Monogrophie als Standardwerk für die mitteldeutschen Forschungen auf diesem Gebiet gilt. Vgl. Podehl, Wolfgang: Burg und Herrschaft in der Mark Brandenburg. Untersuchungen zur mittelalterlichen Verfassungsgeschichte unter besonderer Berücksichtigung von Altmark, Neumark und Havelland. Köln/Wien 1975, S. 39-45 (Mitteldeutsche Forschungen. Band 76).
  27. [27]Kalben, Rudolf von: Zur Geschichte der Familie von Kalben. VI. Die Burgmannenzeit auf Calbe Ende 12. bis Mitte 13. Jahrhundert. In: 33, Jahresbericht des Altmärkischen Vereins für Vaterländische Geschichte und Industrie zu Salzwedel. Magdeburg 1906, S. 88-9 1,
  28. [28]Kalben, Rudolf von: Die Beziehungen der altmärkischen Familie von Kalben zur markgräflichen Burg Calbe, In: 29. Jahresbericht des Altmärkischen Vereins für vaterländische Geschichte und Industrie zu Solzwedel. Magdeburg 1902, S. 103-137; ders. 1906 (wie Anm. 27), S. 73-98.
  29. [29]Sültmann 1924 (wie Anm. 9), S. 84.
  30. [30]Ebenda,S.83.
  31. [31]Kalben 1906 (wie Anm. 27), S. 75.
  32. [32]Schlenker, Gerlinde, Gerd Lehmann und Artur Schellbach: Geschichte Sachsen-Anhalts in Daten, München/Berlin 1993, S. 23, 47 u. 17 3.
  33. [33]Die Belehnung bleibt aber im geschichtlichen Dunkel. Angeblich wurde denen von Kröcher das Lehngut Kale schon von Albrecht II, (1205-1220), dem Enkel Albrechts des Bären, wegen Auflehnung gegen den Landesherren wieder entzogen. Aber dies ist unwahrscheinlich, denn das angegebene Jahr 1203 liegt vor der Regierung desselben und der Schleifung der Burg im Jahre 1240. Hier liegt eine Verwechslung mit Albrecht III. von Brandenburg ( 1267-1300) vor.
  34. [34]Wohlbrück o. J. (wie Anm. 24), & 204.
  35. [35]Ebenda, S. 199-200.
  36. [36]Rudolf von Kalben schrieb dazu: Hier wird daher Droyseke von Kröcher nicht ein Schloß, sondern vermutlich nur den Burgplatz zu Calbe mit den Wassergräben, vielleicht auch Erdwällen und einigen Ruinen oder Fundamenten erhalten haben, auf welchen er sich das Schloß erbaut haben wird, welches die von Kröcher 1324 an die von Alvensleben verkauften."Aus: Kalben 1906 (wie Anm, 27), S. 98.
  37. [37]Wohlbrück o. J. (wie Anm. 24), S. 200-20 1
  38. [38]Zitiert nach: Ebenda, S. 20 7 -202
  39. [39]Zitiert nach: Sültmann 1924 (wie Anm. 9), S. 86.
  40. [40]Wohlbrück o. J. (wie Anm. 24), S. 202; Gercken 1778 (wie Anm. 26), S. 315-316.
  41. [41]LHA, Rep. H Kalbe Nr. 9, Bl. 16v.
  42. [42]Sültmann 1924 (wie Anm. 9), S. 86.
  43. [43]Ebenda, S. 87
  44. [44]Zitiert nach: Wohlbrück o. J. (wie Anm. 24), 8. 195; Gercken 1778 (wie Anm. 26), S. 631-632; Sültmann 1924 (wie Anm. 9), S. 267-268.
  45. [45]Handbuch 1987 (wie Anm. 25) S 232-233.
  46. [46]Bratring, F. W. A: Statistisch-topographische Beschreibung der gesamten Mark Brandenburg. Neuausgabe. Berlin 1968, S. 330
  47. [47]Ammann. P,: Stadtchronik von Kalbe (Milde). Kalbe/Milde 1958; Schneider ' Siegfried: Chronicon Calbensis. Kalbe (Milde) 1983; Die Altmark. Eine Reise durch den Altmarkkreis Salzwedel. Salzwedel 1997; Kalbe (Milde). Eine Verwaltungsgemeinschaft stellt sich vor. 0. 0. und o. J.
  48. [48]Gercken 1778 (wie Anm, 26), S. 634; LHA, Rep. H Kalbe Nr. 9, 81. 16v.
  49. [49]Wohlbrück 0. J. (wie Anm 24), S. 205. Einige der Dörfer sind dann als Wüstungen eingegangen.
  50. [50]So empfing erst Gebhard von Alvensleben vom Wittelsbacher Markgraf Otto (1365-1371) (im 15. April 1371 die Lehnhoheit über alle im Kalbischen Werder gelegenen Güter mit Ausnahme der Besitzungen der Familien von Bartensleben, von der Schulenburg und von dem Knesebeck: Wohlbrück 0. J. (wie Anm. 24), S. 318. Eine weitere Interpretation lautet, daß allein das Haus Kalbe in der Lage war, an neun Adelsgeschlechter, die ihrerseits kleine Burgen bewohnten, Unterlehn auszuteilen und sie zur Gefolgschaft zu verpflichten: AlvenslebenWittenmoor 1993 (wie Anm. 2), & 8
  51. [51]Wohlbrück o. J. (wie Anm. 24), & 208-209.
  52. [52]LHA, Rep. H Kalbe Nr. 9, Bl. 17r/v.
  53. [53]Zitiert nach: Ebenda, Bl. 16v.
  54. [54]Alvensleben-Wittenmoor 1993 (wie Anm. 2), S. 9-10.
  55. [55]Sültmann 1924 (wie Anm. 9) S 9 1.
  56. [56]Alvensleben-Wittenmoor ffl~ (wie Anm. 2), S. 14-15.
  57. [57]Sültmann 1924 (wie Anm. 9), S. 116, 196 und 242.
  58. [58]Allerdings ist dieser Lehnbrief von Wohlbrück schon auf den 22. Februar 1473 datiert, dies ist allerdings nicht mit dem daraufhin abgehaltenen Geschlechtertag in Einklang zu bringen. Zitiert nach: Woh;brück 1879 (wie Anm. 11), S. 76.
  59. [59]Alvensleben, Busso Graf von: ErxIeben und die Familie von Alvensleben In: Burgen, Schlösser, Gutshäuser in Sachsen-Anhalt. Hg' von Bruno J. Sobotka. Witten 1994, S. 89.
  60. [60]Zitiert nach: Sültmann 1924 (wie Anm. 9), S. 302-303.
  61. [61]LHA, Rep H Kalbe Nr. 1 u. 8.
  62. [62]Wohlbrück 1819 (wie Anm. 11), S. 92-95.
  63. [63]Kalben 1902 (wie Anm. 28), S. 124,
  64. [64]LHA, Rep. H Kalbe Nr 9, Bl. 18v und Nr.
  65. [65]LHA, Rep. H Kalbe Nr. 9, Bl, 18v und 19v.
  66. [66]Sültmann 1924 (wie Anm. 9), S, 307-326,
  67. [67]Zitiert nach: Sültmann 1924 (wie Anm. 9), S. 306, vgl. auch Zahn, Wilhelm: Die Altmark im Dreißigjährigen Kriege. Halle 1904.
  68. [68]Wohlbrück 1819 (wie Anm. 11), S. 124.
  69. [69]Alvensleben-Wittenmoor 1993 (wie Anm. 2), S. 18.
  70. [70]Zitiert nach: Alvensleben-Wittenmoor 1993 (wie Anm. 2), S 41.
  71. [71]LHA, Rep. H Kalbe Nr. 4.44, Bl. 5r, 6 r/v und 7r.
  72. [72]Zitiert nach: LHA, Rep. H'Kalbe Nr. 17, Bl. 1 Or.
  73. [73]Geheimes Staalsarchiv Preußischer Kulturbesitz Berlin-Dahlem, 1. HA Rep. 93 D Kap. XVI Lit Gc Nr. 10.
  74. [74]Wolf Schubert datierte das Schloß auf 1817 und Heinz A. Knarr auf 1875. Die Datierung von 1840 stammt von Friedrich Bellmann, der über der Eingangstür das von Alvenslebensche Wappen und die Jahreszahl 1840 erkannte. In den Archivalien wird diese Zahl bestätigt: LHA, Rep. H Kalbe Nr. 17, 81. 7r und 8v
  75. [75]Landesamt für Denkmalpflege Sachsen-Anhalt, Ortsakte Kalbe (Milde), 1932-1968.
  76. [76]Ebenda.
   
  
 

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