Geschichten über Kalbe Milde
 

 



Gut und Gutspark


Bereits 1477 existierte ein Vorwerk nördlich der Burg an der Stelle des späteren Gutshofes. Ein Teilungsvertrag unterrichtet 1477 über vorhandene Gebäude. Busso der VII. erhielt „die hinterste Scheune auf dem Vorwerk“ und die „Heuscheune für den Borg bei der Mühlen“. Den Söhnen Ludolfs des IV. fiel das „rechte Vorwerkhaus und die rechte Scheune“ zu, Gebhard der XVI. dagegen „der mittelste Teil mit der einen Kornscheune und dem Schweinehause“. Aus diesem Vorwerk gingen nach und nach die vier späteren Vorwerke hervor.

Solche Erbauseinandersetzungen gab es viele in der Familie, die dann immer wieder zu neuen Zuständigkeiten führten. So auch in den Burgfrieden 1494 und 1552.
(Lehnsrechtlicher Hintergrund: Um Bussos (VII) Verdienste als Brandenburgischer Obermarschall zu belohnen, belehnte Kurfürst Albrecht Achilles 1479 „sämtliche Glieder des Alvenslebenschen Geschlechts mit der gegenseitigen gesamten Hand an ihren Schlössern Erxleben, Calbe und Gardelegen und ihren sämtlichen Brandenburgischen Gütern“, was der Kaiser bestätigte. Jeder neue Senior des Geschlechts war verpflichtet, die Gesamtbelehnung von neuem nachzusuchen. Aus diesem Anlass versammelten sich die belehnten Familienglieder am 15. Mai 1479 auf der Burg Calbe zu ihrem ersten Geschlechtstag (Die Alvensleben in Kalbe 1324-1945, S. 21). Als die Rote Linie in Erxleben 1552 ausstarb, fiel Erxleben nicht zurück an den Lehnsherrn, sondern an die beiden anderen Linien. Das Lehnsrecht wurde in Teilen erst von den Franzosen abgeschafft (Königreich Westfalen, 1807). Der letzte Senior war der Minister Johann Friedrich Carl (1714-1795). Bei der anschließenden Teilung der Erbmasse fiel Calbe durch Los an Wilhelm I (1779-1838).
Ludolf der X. begründete nach 1550 das Neue Vorwerk, das sich als einziges vollständig im späteren Gutshof an der heutigen Gartenstraße erhalten hat.

Zur Zeit der Schleifung der Burg am 19.08.1632 war die Burg kein ständiger Wohnsitz der Familie von Alvensleben mehr. Die drei Linien hatten zwar jeweils Häuser auf der Burg, die aber nur ab und zu genutzt wurden. Der Grundbesitz war quasie eine ungeteilte Erbengemeinschaft, über die nur gemeinschaftlich, d.h. im Consens verfügt werden konnte.

Nach Berichten von Wohlbrück, ließ sich Gebhardt der XXIV. 1633 eine Wohnung auf seinem Calbischen Vorwerk einrichten, da die Burg ja nicht mehr bewohnbar war.

Bei der Schleifung der Burg wurden nur die militärischen Anlagen vernichtet, alles weitere besorgten dann die Kalbenser in den folgenden Jahrhunderten. Brauchte jemand Steine für ein Fundament ging er zur Burg.

Im ausgehenden 17. Jahrhundert sind dann in Kalbe mehrere Kinder von Busso IV.(1652-1707) von Alvensleben geboren bzw. getauft worden. Es wird berichtet, dass sowohl Busso, Joachim Werner IV. (1697-1741), Ludolf Burchardt (1658,+1675) und Werner Carl (1677-1688) von Alvensleben zeitweise auf den Vorwerken wohnten.

Ein weiteres Vorwerk war das „Asseburgsche Vorwerk“, so genannt nach der Verpfändung an die Asseburgs 1600-1699. Es lag südlich des Alten Vorwerks. Es wurde 1701 erwähnt und bestand noch 1812-1836. Erhalten geblieben ist das Gutshaus an der Ecke Gartenstraße /Stendalerstraße. Dieses Haus wurde um 1730 gebaut, 1806 für Carl Wilhelm von Alvensleben wieder als Wohnhaus hergerichtet und später Lindenhaus genannt. Es war bis 1934 Witwensitz des Rittergutes.
Am 14.04.1697 wird Joachim Werner IV. von Alvensleben in Kalbe geboren. Er stirbt in Kalbe 1741.
Im Jahre 1734 wird ein Vertrag mit den Kindern von Joachim Werner über den Besitz des großen Vorwerks geschlossen.
An einer Scheune auf dem alten Meiereihof westlich der Gartenstraße ist noch heute eine Inschrift von 1728 erkennbar.

Im ältesten Stadtplan von Kalbe (Milde) sind sowohl das Alte, das Neue und das Asseburgsche Vorwerk an der heutigen Gartenstraße als auch Scheunen bzw. Gebäude des Großen Vorwerks (spätere Eigentümer Schildt und von Goßler) östlich der Burg eingezeichnet.

Stadtplan
Auszug aus dem Stadtplan von Kalbe (M) von 1700, (Geheimes Staatsarchiv Bln., SBB_IIIC_Kart_X 21175)


Der Gutshof wurde unter Carl August dem II. 1730 neu erbaut. Er blieb in seiner grundsätzlichen Form dann bis Ende der 1950 er Jahre erhalten.
Die Witwe von Joachim Werner von Alvensleben Anna Gottlieb Louise Wilhelmine stirbt in Calbe 1765. Ihre gemeinsame Tochter stirbt gleichfalls in Calbe, am 28.06.1804.

1778 besaß der Großbritannische Minister Johann Friedrich Carl I. von Alvensleben drei Vorwerke. Sein Amtmann Stambke riet, das fehlende Große Vorwerk dazu zu erwerben, das damals der Landjägermeisterin von Lüderitz, geb. von Alvensleben gehörte. Bereits der Geheime Kammerrat Carl August der II. hätte das Große Vorwerk für 27.000 Thaler dazu erwerben können, er wollte jedoch „die damals noch lebende Witwe von Alvensleben nicht pro inventario annehmen, wodurch der Handel frakieret wurde“. 1778 sollte das Vorwerk 24.000 Thaler kosten. Der Kauf unterblieb. So ging das Große Vorwerk oder Rittergut II den Alvenslebens verloren. Es wurde 1817 von Amtmann Schildt erworben.

An der Stelle des heutigen Gutshauses hat ein großer Vorgängerbau wahrscheinlich als Fachwerkhaus gestanden. In dem Buch „Die Memoiren der Baronesse Cecile de Courtot“, (Briefe aus den Jahren 1801-1802) von Moritz von Kaisenberg von 1898 wird davon auf Seite 5 berichtet. „Es war ein großes weites Gebäude. Es bestand nur aus einem Stockwerk auf hohem Kellergeschoß und war sogar teilweise noch mit Stroh bedeckt. Es bot viel Platz, besonders im Dachgeschoß, und namentlich waren die freundlichen, in seinem hohen Dach gelegenen Mansardenzimmer als Logierzimmer bei den zahlreichen Vettern und Cousinen sehr geschätzt.“
Cecile de Courtot hatte damals als Gast in diesem Haus gewohnt.
Auszug
Auszug aus einer Separationskarte von 1805, (LHASA, MD, C 20 V, Sep. Kalbe (Milde) K Nr. 5)



Hier gibt es wie bereits in der Karte von 1700 zu sehen eine Scheune bzw. einen Wirtschaftshof im Großen Vorwerk östlich der Burg. Das Asseburgsche Vorwerk ist mit einer roten Fläche an der Ecke Gartenstraße/Stendaler Str. eingezeichnet. Das alte Vorwerk befindet sich links von der Gartenstraße (die Meierei, der Holländerhof - siehe Scheune 1728) und das neue Vorwerk rechts davon. Der Park ist nur im vorderen Teil zu erkennen. Die Mühle steht noch links von der Milde und auch die Straße nach Neuendorf führt noch wie auf der Karte von 1700 links der Milde zur Wassermühle. Auch der Karpfenteich existiert schon. Weite Teile des heutigen Parks sind noch Weideland.
1806 übersiedelten Wilhelm von Alvensleben und Sophie geb. Günther nach Kalbe, sie hatten vorher schon zeitweise hier gelebt und wollten sich der Verwaltung des Gutes widmen.
Das alte Wohnhaus (das Haus welches bei Cecile de Courtout erwähnt wird) war in Zerfall, es beherbergte inzwischen außerdem eine Brauerei. Der Absicht auf der Burginsel ein neues Haus zu bauen, standen die geteilten Eigentumsrechte auf der Insel entgegen. So wurde das außerhalb des Gutshofes gelegene und schon erwähnte Altsitzergebäude, das spätere Lindenhaus, notdürftig als Wohnhaus hergerichtet.
Lindenhaus
Das Lindenhaus




1845 heiraten Gebhard Wilhelm Udo von Alvensleben und Marie Wilhelmine Wagner (die Tochter des Kalbenser Oberpfarrers).
Wilhelm ist Kreisdeputierter und Mitbesitzer vom Rittergut Calbe. Er verwaltete das Gut Calbe, welches er schon zu Lebzeiten seines Vaters gepachtet hatte.
1840 erbaute er das heute noch existente Gutshaus in seiner spätklassizistischen Form

1852 wurde dann innerhalb der Familie gelost Wilhelm der IV. übernahm das Gut Demker und sein fünfter Bruder Ludolf übernahm Kalbe. Ludolf starb unverheiratet 1883 in Kalbe. Unter seiner Regie kann die Planung des Gutsparkes eingeordnet werden.
Gutshaus
Ansicht des Gutshauses von Südosten, (Bild: Archiv Krüger)


Ein paar Jahre bevor Ludolf v. Alvensleben starb, wurde innerhalb der Familie 1879 wiederum gelost. Im Ergebnis ging der Besitz an Wilhelm den VI. von Alvensleben. Dieser starb bereits 1886. Seine Witwe Anna, geb. Wachs (+1934), verwaltete den Besitz bis 1919, sie hatte großen Anteil daran, dass die Bewirtschaftung des Gutes deutlich verbessert wurde. Sie gab die Verwaltung des Gutes 1919 dann an ihren einzigen Sohn Ludolf(+1971) ab. Dieser verwaltete Gut und Park dann bis 1945.
Zum Gut Kalbe gehörten damals noch die Kirchenpatronate in Bismark, Heiligendorf (bei Fallersleben), die Filiale Kahrstedt und als Kirchenkonpatronate die Oberpfarre und das Diakonat Kalbe mit den Filialen Vahrholz, Güssefeld, Bühne, Vietzen und als Schulpatronate Güssefeld, Bühne, Vietzen, Vahrholz, Karstedt, Heiligendorf, Jerchel und Kalbe.
Gutshof
Gutshof in den 30 ger Jahren, (Foto: Archiv Krüger)


1945 zogen am 11. April die Amerikaner in Kalbe ein. Am 01. Juli wurde die Altmark und damit auch Kalbe an die Sowjetarmee übergeben. Das Gutshaus war dann zunächst Lazarett.

Die Familie von Alvensleben wurde mit Verfügung vom 10.Oktober 1945 enteignet und mußte Kalbe verlassen. Lt. Schreiben vom 12.10.1945 wurde die Familie aufgefordert, ihren bisherigen Wohnsitz binnen 24 Stunden zu verlassen. Der gesamte Besitz kam damit in Volkseigentum.
Mitgenommen werden durfte je Person ein Bett, Wäsche, Lebensmittel für eine Zuteilungsperiode und an Mobiliar 1 Wohnzimmer und 1 Küche. Da der Kreis verlassen werden mußte, kam die Familie zunächst in Gardelegen unter. Ludolf v. Alvensleben arbeitete zwischenzeitlich bei Pfarrer Franz in Gardelegen als Archivar, 1953 floh die Familie dann zu ihrer Tochter Oda nach Rheinbreitbach.
Gutshaus
Foto von 1945, (Archiv: Krüger)




Das Gutshaus diente in den ersten Jahren als Quartier für aus dem Osten geflüchtete Familien. Später im September 1957 wurde es Internat für die neue zehnklassige Oberschule, Kl.9 u. 10. E. Ozminski war dort als Erzieherin tätig, danach bestand das Internat nur noch kurze Zeit.
Der Schulhort wurde 1957 aus dem Kindergarten in das ehemalige Gutshaus verlegt. Viele Kalbenser haben aus dieser Zeit Erinnerungen an dieses Haus.
Hinter dem Haus befand sich ein kleiner Sportplatz auf dem Spiel und Sport betrieben wurde.

Der Schulhort existierte dann dort bis zum Sommer 1991. Am 01. August 1991 wurde die Grundschule mit integriertem Hort in den Räumen der ehemaligen Oberschule eröffnet.
Die zum Gutshof gehörenden Scheunen und auch das alte Taubenhaus und die Remise bestanden noch viele Jahre.
Gutshof
Aufnahme des Gutshofes von K-H Daenert, 1945


Die großen Scheunen wurden im Frühjahr 1966 durch Brandstiftung vernichtet, ein Feuerwehrmann aus Kalbe wollte immer der erste beim Löschen sein. Das Taubenhaus und die Remise wurden wegen Baufälligkeit 1963 abgerissen. Beim Abriß halfen sowjetische Soldaten mit Panzern.
1969 entstand dann an der Stelle der nördlichen großen Scheune die heute noch im Betrieb befindliche Kinderkrippe mit ca. 100 Plätzen.
Danach gab es für das Haus dann keine Verwendung mehr. Es stand mehrere Jahre leer.

Im Jahre 2010 wurde das Haus inklusive eines kleinen Grundstückes von einem Investor gekauft. Er wollte dort 11 seniorengerechte Wohnungen errichten.
2010 wurde dann die Baugenehmigung für dieses Vorhaben erteilt. Das Objekt sollte bis zum 31.12.2012 fertig gestellt werden.
Durch verschiedenste Umstände verzögerte sich die Fertigstellung des Bauvorhabens. Ende 2017 erfolgten dann die letzten Arbeiten des Investors am Gemeinschaftseigentum. Mitte des Jahres 2017 wurde dann die Eintragung der jeweiligen Eigentümer der Wohnungen im Grundbuch vollzogen.
Die Eigentümer der Wohnungen nahmen im Jahr 2018 die Geschicke selbst in die Hand und bauten weiter. Ende 2020 sind 4 Wohnungen noch immer im Rohbauzustand, obwohl diese Eigentümer ihren vollen Kaufpreis gezahlt haben. Durch viel persönliches Engagement der Eigentümer und durch zusätzlich aufgebrachte Sonderumlagen, konnten dann einige Wohnungen und große Teile des Gemeinschaftseigentums fertiggestellt werden.
Ende 2020 sind inzwischen bereits 6 Wohnungen bezogen bzw. vermietet. Das Haus ist aber in Teilen immer noch nicht fertiggestellt. Dazu gehört auch die dem Haus seinen Charakter verleihende Aussentreppe.
Wir hoffen, dass es gelingt diese Maßnahme doch noch zu einem glücklichen Ende zu führen.
Seit der Wende steht das Gutshaus unter Denkmalschutz. Nach dem die Eigentümer 2018 die weitere Regie der Baumaßnahmen übernommen haben, werden sämtliche Arbeiten eng mit der Unteren Denkmalbehörde des Altmarkkreises Salzwedel und dem Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie abgestimmt.
Vom ehemaligen Gutshof ist östlich der Gartenstraße nur noch das ehemalige Kutscherhaus übrig geblieben.
Nach der Enteignung diente es seit 1946 dem Neubauern Bruno Schulz als Wohnhaus. 1969 bezieht dort die Kommunale Wohnungsverwaltung (KWV) die Räume und nutzt sie als Büro. Ab 1974 wird das Haus dann wieder kurzzeitig als Wohnhaus genutzt.

Seit 1992 wird dann das Kutscherhaus zu einem gemütlichen Gasthaus umgebaut und erfreut seit dem mit wechselnden Betreibern die Kalbenser Gäste. (www.kutscherhaus-kalbe.de)

Kutscherhaus
Das Kutscherhaus vor 1939 (Foto: Archiv Krüger)

Kutscherhaus
Kutscherhaus Anfang der 90. er Jahre. (Foto: Maik Bock)

Kutscherhaus
Kutscherhaus Jan. 2021 (Foto: Archiv Krüger)


Zur Erläuterung:

Altes Vorwerk
Links der Gartenstraße, westlich vom heutigen Gutshaus, hier befand sich der Holländerhof mit Meierei

Neues Vorwerk
Das heutige Gutshaus (auch Rittergut I genannt) mit den damals dazugehörigen Scheunen rechts (also östlich von der Gartenstraße

Asseburgsche Vorwerk
Scheunen an der Stendalerstraße mit dem Lindenhaus, Ecke Stendalerstraße/ Gartenstraße

Großes Vorwerk
Scheunen inkl. Wohnhaus östlich der Burg, wurde 1817 von Amtmann Schildt gekauft und nach seinem Tode, 1873 an die Fam. von Goßler verkauft.


Der Park

Über die Entstehung unseres Parks liegen leider keine Urkunden vor, jedoch kann auf Grund verschiedener anderer Umstände sehr wohl auf die Entstehung geschlussfolgert werden.
Wie schon an Hand der vorliegenden Karten zu ersehen, kann angenommen werden, dass mit der Anlegung des Parks in seiner heutigen Form nach Fertigstellung des Gutshauses 1840 begonnen wurde. Ein kleiner Teil bestand bereits im Jahre 1806.
Aus dieser Zeit sind etliche Fotos und Postkarten erhalten geblieben, die den Park als Wildgarten/Park zeigen und bezeichnen. Der Park war zu dieser Zeit sehr naturbelassen, lediglich neben dem Hauptweg wurden die Ränder und die Wiese gemäht.
Wildpark
Ansichtskarte – Partie am Wildgarten/Park, (Archiv: Krüger)


Park

Park

Park
drei verschiedene Ansichten aus dem Park aus der Zeit um 1930 (Foto: Archiv Krüger)


Aus den Erinnerungen der Erzieherin der Kinder(Maria Muß), wissen wir, dass der Park für die Bevölkerung gesperrt war und nur zu besonderen Tagen geöffnet wurde. Der Gutsherr war ein Vogelfreund und ging regelmäßig mit der Flinte durch den Park um wildernde Katzen zu schießen.

Weiter bekannt ist, dass 1857 die Wassermühle, die ursprünglich auf der Westseite der Milde stand auf die Ost-Seite verlegt wurde. Gleichzeitig wurde die Straße nach Neuendorf am Damm, die bis dato über den Weg zwischen Milde und Karpfenteich führte und nicht wie heute am „Cafe‘ Friedenseck“ sondern erst an der Wassermühle die Milde überquerte, auf die östliche Seite der Milde verlegt.
Mitte des 19. Jahrhunderts wurden in Preußen sogenannte "Kunststraßen" gebaut. Das waren gut befestigte und gepflasterte Chausseen. Dazu gaben die Gutsherren ihren äußeren Burgwall heute (Stendaler Straße) her und konnten so den Verkehr aus ihrem Wildgarten/Park heraushalten.

Damit wurde der Grundstein für unseren Park gelegt.
Ansicht
Zeichnung von Anco Wigboldus, Gutshof mit Park, um 1938


Der Park wurde dann in mehreren Teilflächen angelegt. Der Hauptweg führt von Gutshaus kommend geradeaus in Richtung Milde. Parallel dazu führt ein Weg unmittelbar an der Milde entlang (die ehemalige Straße) an der Wassermühle vorbei. Er führte zu dem schon beschriebenen Hauptweg und dann bis zur Eisenbahnbrücke über die Milde.

Am Zusammentreffen des Hauptweges mit der Milde wurde 1944 ein Gedenkstein für Busso von Alvensleben, einem Sohn der Familie von Alvensleben errichtet. Er ist im II. Weltkrieg in Rumänien gefallen.
Stein
Gedenkstein für Busso von Alvensleben (Foto: Archiv:Krüger)


Zu DDR Zeiten wurde dieser Stein entfernt, bzw. umgewidmet. Es entstand hier eine Gedenkstelle für den Arbeiterführer Ernst Thälmann.
Ansicht
Ernst Thälmann Gedenkstelle im Park (Archiv Herbert Hambach)


Zu besonderen Anlässen wurden an dieser Stelle Feierstunden abgehalten.
Nach der Wende wurde der ursprüngliche Stein im Auftrag seines Bruders wieder hergerichtet. Vandalismaus führte dann dazu, dass heute die Beschriftung nicht mehr vorhanden ist.
Karte
Plan des Rittergutes I in Kalbe (Milde) (Archiv: Krüger)

Karte


Zwischen den beiden beschriebenen Wegen führte ein Weg vom Karpfenteich kommend Richtung Wassermühle (Nördlich des Karpfenteiches war früher der Zugang zum Gutshof. (siehe Foto)).
Hofeinfahrt
Hofeinfahrt, (Foto: Archiv Krüger)


An diesem Weg, unweit der Wassermühle, befindet sich heute die 2012 nach einer Idee von K. Schulz eingerichtete und viel genutzte Wassertretstelle.
Damit kommen wir auch zu einer weiteren Besonderheit. Der Karpfenteich neben dem Eingang zum Gutshof wird durch einen Zufluss von der Milde aus mit Wasser versorgt. Am östlichen Ende des Karpfenteiches befindet sich ein kleines Wehr von dem aus das überfließende Wasser des Karpfenteiches in den Park geleitet wird. Diverse Gräben werden dann mit Wasser versorgt, welches dann am Ende wieder in die Milde zurückfließt. In der Nähe des Ausflusses aus dem Karpfenteich stand das Teehaus (siehe Foto).
Teehaus
Teehaus im Park, Nahe Karpfenteich, (Foto: Archiv Krüger)


Auch links des Hauptweges zweigt noch ein Weg ab, der dann gleichfalls parallel zum Hauptweg läuft, im oberen Teil des Hauptweges aber wieder auf diesen stößt. Vorher führt jedoch ein weiterer Weg nach links, der von den von Alvensleben als „Philosophenweg“ bezeichnet wird, er geht im rechten Winkel nach Norden. Dieser kleine Weg ist auch heute noch von Eichen umsäumt, im Volksmund heißt er „Teufelsweg“. Die Geschichte hat dafür zweierlei Erklärungen. Am Ende des Weges, nahe der Straße nach Altmersleben war, der Weg durch ein Gatter abgesperrt. Stangen wurden mittels Hufeisen an den Eichen befestigt – man meinte der Teufel hat hier seinen Fußabdruck hinterlassen. Eine andere Erklärung beschreibt, dass um das Jahr 1900 die Schwiegermutter des Gutsherren diesen Weg immer benutzte um die Arbeiter des Gutes zu kontrollieren – Immer wenn sie zu sehen war, ging der Spruch unter den Arbeitern „Vorsicht der Teufel kommt“.

Gleich zu Beginn des Hauptweges ist links neben dem Weg ein kleiner Teich mit einer Insel in der Mitte, hier wurde einmal ein Lieblingspferd des Herrn von Alvensleben beerdigt. Diese Insel wird im Volksmund nur die „Liebesinsel“ genannt. Liebespaare haben sich hier früher getroffen und ihre ersten Zärtlichkeiten ausgetauscht. Der Teich wird auch über den Zufluss vom Karpfenteich aus mit Wasser versorgt. Hinter dem Teich befindet sich eine schöne Wiese, die sich wunderbar in die Gestaltung des Parks einpasst. Zur Liebesinsel führte früher ein kleiner Steg, der zu DDR-Zeiten sehr vernachlässigt wurde, teilweise war der Teich sogar trocken. Anfang der 90-er Jahre wurde dann die Brücke erneuert. Im Jahr 2020 wurde auf Initiative des Gewerbestammtisches, des Kultur- und Heimatvereins und des Tourismusvereins eine Aktion gestartet, so dass 2021 die marode Brücke wieder restauriert werden kann.
Brücke


Brücke
Brücke zur Liebesinsel, vor dem Krieg und heute, (Foto: Archiv Krüger)


In den letzten Kriegstagen fielen im Park bis zu 3 Bomben, ein alliiertes Flugzeug hatte versucht die Wassermühle zu treffen bzw. einen Notabwurf ausgeführt. Wer sich auskennt kann die Bombentrichter heute noch finden.

Zu DDR Zeiten wurde der Park sehr vernachlässigt und sich wieder selbst überlassen. Ab und zu gab es jedoch immer wieder Initiativen von Lehrern aus Kalbe, die gemeinsam mit Schülern versuchten, den Park und besonders die Wege wieder in Ordnung zu bringen. Hans Schmidt erinnert sich, dass er 1956/57 gemeinsam mit anderen Schülern unter Regie von Herrn Karl-Heinz Daenert und von Direktor Helmut Lübke Arbeitseinsätze durchführte. Ein Großteil der Wege wurde damals befestigt. In späteren Jahren haben dann Frau Elisabeth Ozminski, Frau Gisela Horst und Herr Erhard Ritzmann gleichfalls mit Schülern positiv zur Erhaltung des Parks beigetragen.
In den 60-er Jahren des vorigen Jahrhunderts war geplant, Teile des Parks großflächig abzuholzen da der Park als Wald registriert war. Man wollte Nutzholz aquierieren. Dank des Einsatzes von Oberförster Günter Stachowiak konnte dies zum Nutzen für die Kalbenser verhindert werden.
Schneegloeckchen
Schneeglöckchen im Park, (Foto: Archiv Krüger)




Nach der Wende gab es dann mittels Fördermitteln einiges an Unterstützung. Damit wurden durch ABM Kräfte die Wege und auch die Wasserläufe in Ordnung gebracht. Für die Wege war dies ein Segen, denn auf Grund dieser Arbeiten sind sie heute noch in einem guten Zustand (Als Wegebegrenzungssteine verwendete man die Steine vom Straßenbau in der Ernst-Thälmann-Straße). Auch alle Brücken wurden erneuert, da sie aber nicht oder nur sehr wenig gepflegt wurden, befinden sie sich heute in einem teils traurigen Zustand.
Im November 1991 wurde durch Detlef Zitzewitz und Hans Schmidt der Park komplett aufgenommen und gezeichnet.

Danach war dann der Park im Wesentlichen wieder sich selbst überlassen. Seit ein paar Jahren pflegen Mitarbeiter der Stadt einen Teil der Wege.
Zu Beginn des Jahres 2018 wurde der seit Jahrzehnten vorhandene Efeubewuchs bekämpft, die Bäume sollten wieder atmen können. Statt den Bewuchs vollständig zu entfernen, wurde ein 1 bis 2 Meter breites Stück unmittelbar am Stamm herausgeschnitten. Das sah dann nicht gut aus, aber was viel schlimmer war, der Efeu am oberen Baum vertrocknete und verhärtete sich, gab damit dem Baum keine Luft mehr und bot Schädlingen Nahrung und Platz. Inzwischen hat der Efeu wieder seinen Weg gefunden, die Schäden aus dieser einmaligen Aktion sind aber leider nicht zu übersehen. Wer sich die Bilder aus den dreißiger Jahren anschaut erkennt, dass auch dort bereits ein starker Efeubewuchs an den Bäumen vorhanden war. Die Bäume wurden dadurch geschützt und nicht geschädigt.

Im Winter 2018 sind dann durch den Sturm einige Bäume umgestürzt. Aus dem anfallenden Geäst hat man damals viele Totholzhaufen aufgeschichtet. Ziel sollte sein für Kleingetier Unterschlupf zu finden.
Um die Wasserläufe kümmerte sich niemand, dies geschah dann erst Mitte 2020.
Hinzu kam die Trockenheit der letzten Jahre und das alles führte dann dazu, dass Schädlinge und Pilze einige Bäume befallen haben, Bäume umstürzten und etliche Bäume gefällt wurden. Teile des Parks wurden in der Zwischenzeit mehrfach gesperrt – „Lebensgefahr“ – (vielleicht hätte auch ein Hinweis, Betreten auf eigene Gefahr, gereicht).
Die Kalbenser halten sich an diese Sperrmaßnahmen nicht, immer wieder werden die Sperranlagen zur Seite geschoben und Spaziergänger benutzen die Wege.

Anfang Dezember 2020 wurde dann die Wassertretstelle an einem der Bäche erneuert. Statt nur diesen Wasserlauf abzusperren wurden alle Zuflüsse zum Park abgesperrt. Der Teich um die Liebesinsel und sämtliche Gräben fielen trocken. Ob daraufhin oder durch andere Umstände, es stürzte wieder ein Baum auf den Hauptweg.
Daraufhin erfolgte erneut nun eine vollständige Sperrung des gesamten Parks.
Ein richtiges Konzept ist bisher nicht bekannt.
Der Stadt wurde bereits im August 2019 eine Sammlung von alten Fotos zum Park zur Verfügung gestellt.
Wie in der Zeitung mehrfach berichtet wurde, laufen diverse Abstimmungen mit den verschiedensten Ämtern, dies dauert nun schon über ein Jahr und die Bevölkerung erfährt davon leider nichts Konkretes. Wünschenswert wäre, wenn hier Fachleute und auch erfahrene Kalbenser mit einbezogen werden, bevor Entscheidungen getroffen werden, die dann nicht oder nur schwer zurückgenommen werden können.
Am 21.Januar 2021 startete dann die nächste Großaktion, ein von der Stadt beauftragtes Unternehmen begann damit alle Eschen im Gutspark zu fällen.
Aktion
Kahlschlag im Park, (Foto: Archiv Krüger)




(Für weitere Hinweise oder Ergänzungen der wechselseitigen Geschichte des Gutes und unseres Parks sind wir dankbar, auch Korrekturen zu evt. nicht korrekten Sachverhalten können gern mitgeteilt werden.)

Kalbe (M), im Dezember 2020

Elisabeth Ozminski, Hans Schmidt und Henning Krüger
mit freundlicher Unterstützung von Prof. Reimar v. Alvensleben



Artenliste - Besonderheiten

- - Reste eines Eschen-Erlen-Eichen Auenmischwaldes
- - Alte Eichen unmittelbar am Gutshaus
- - Alte Linde am Übergang zur Wassermühle
- - Rhododendrenbüsche - an der Wiese an der Wassermühle
- - Mitte Januar: Winterling - Januar bis Februar (gelber Frühlingsvorbote)
- - Anfang März: Goldstern
- - massenhaft Schneeglöckchen u. einige Märzenbecher (bodendeckend)
- - März: Hohler Lerchensporn (massenhaft hellviolette Flächen)
- - April: Knoblauchsrauke in Mengen, weiß und weiße duftende Traubenkirschen
- - April/Mai: weiß bis rosa massenhaft Buschwindröschen (bodendeckend)
- - Ende Mai an den Grabenrändern gelb, die Sumpfschwertlilien
- - Violette und weiße Taubnesseln
- - Schöllkraut (gelb)
- - Schneebeere
- - einige Ziersträucher wie Ilex, Mahonie, einige Weiden und vereinzelt Ahorn,



Quellenangaben
- Kirchenbuch von Kalbe (Milde)
- Die Alvensleben in Kalbe ( 1324 – 1945, Prof. Reimar v. Alvensleben, 08.2010
- Begleitheft zur Sonderausstellung „Die Alvensleben in Kalbe“, vom 23.08.2010-17.11.2010 im Heimatmuseum Altes Wachhaus
- Geschichtliche Nachrichten vom dem Geschlechte von Alvensleben und dessen Gütern / von Siegmund Wilhelm Wohlbrück
- Alvenslebensche Burgen und Landsitze, Udo v. Alvensleben-Wittenmoor, 1960
- Kopialbücher der Fam. von Alvensleben, H_113.nr.21 ff.
- www. kalbe-milde.de
- Hinweise von Elisabeth Ozminski, Hans Schmidt, Gerda Fischer, Rolf-Jürgen Pauls alle Kalbe(M)

   
  
 

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